Außer sich

Außer sich (Buch)

Roman. Ausgezeichnet mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2017

Buch
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Sie sind zu zweit, von Anfang an, die Zwillinge Alissa und Anton. In der kleinen Zweizimmerwohnung im Moskau der postsowjetischen Jahre verkrallen sie sich in die Locken des anderen, wenn die Eltern aufeinander losgehen.... (weiter)

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Außer sich
»Was liest Du?«-Rezension von Fornika, am 25.10.2017

Anton und Alissa halten als Zwillinge zusammen wie Pech und Schwefel. Egal ob es das triste Leben in der kleinen Moskauer Wohnung oder das Leben in deutschen Asylheimen ist. Doch dann verschwindet Anton, die einzige Spur führt nach Istanbul. Ali macht sich auf die Suche und verliert dabei nicht nur immer wieder ihre Spur, sondern auch sich selbst.

Salzmanns Debüt lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Einerseits fand ich die Geschichte von Ali, ihren Eltern und Großeltern (plus weiterer Generationen) sehr fesselnd. Diese Suche nach der eigenen Identität, dem Platz in der Gesellschaft machte sehr nachdenklich. Auch der Blick auf die jüngere Geschichte ist der Autorin gut gelungen. Leider konnte ich Ali andererseits nicht sonderlich leiden. Ein Buch lebt zwar nicht nur von der Sympathie für die Hauptfigur, es hat mir das Lesen aber auch nicht leichter gemacht. Die Handlung ist sehr verschachtelt (was ich eigentlich gerne mag), so richtig konnte ich den Faden aber nicht aufnehmen und war zunehmend verwirrt. Der Ton ist immer düster und deprimierend, wenn auch sprachlich sehr schön ausgearbeitet. Insgesamt eine eher sperrige Geschichte, die mich einfach nicht berühren konnte.

Preisanwärter
»Was liest Du?«-Rezension von MrsFraser, am 13.10.2017

Schreiben kann Sasha Marianna Salzmann, Hausautorin des Maxim Gorki Theaters in Berlin, keine Frage. Und wie sie schreiben kann! Nicht umsonst ist ihr Debütroman 'Außer sich' nominiert für den Deutschen Buchpreis 2017. Großartige Metaphern und schonungslos offene Beobachtungen beschreiben das Leben in Sätzen, die so schön sind, dass es einem im Herzen weh tut, sie zu lesen:

"Sie sprach in mehreren Sprachen gleichzeitig, mischte sie je nach Farbe und Geschmack der Erinnerung zu Sätzen zusammen, die etwas anderes erzählten als ihren Inhalt,..."

'Außer sich' ist ein Roman über Migration und Identitätssuche. Ein hochaktuelles Thema. Ali sucht ihren Zwillingsbruder Anton. Ihr einziger Anhaltspunkt ist eine Postkarte aus Istanbul. Dorthin flieht auch sie. Ihre Suche ist passiv und ereignislos, der Leser erlebt im Verlauf des Romans vielmehr einen Streifzug durch die russische Geschichte, wenn die Schicksale von Alis Eltern, Groß- und Urgroßeltern nacherzählt werden. Eins haben alle gemein: Ihre Leben waren dramatisch, voller Gewalt und traurig.

Der Leser fragt sich: Wozu muss ich das wissen? Eigentlich ist er an Alis Geschichte interessiert und daran, ob sie Anton findet. Doch Salzmann will offensichtlich etwas anderes erzählen. Nur was? Auch ich habe das Gefühl, die Autorin schreibt 'in mehreren Sprachen gleichzeitig und mischt Eindrücke zusammen, die mehr erzählen als ihr Inhalt'. Ist das Schicksal der Groß- und Urgroßeltern ausschlaggebend für Alis Wurzellosigkeit im Erwachsenenalter? Liegt es daran, dass sie als Auswandererkinder isoliert waren, dass Ali sich nach Antons Verschwinden so sehr nach ihm sehnt, dass sie sich Testosteron spritzt, um männlicher zu werden? Dieser Aspekt ist sehr präsent und ist in meinen Augen der einzige, der Alis 'Suche' (nach sich selbst, nach Anton) zum Ausdruck bringt.  Die ZEIT nennt es den
'Conchita-Wurst-Effekt'.

Transgender ist ein Thema im Moment, ebenso wie Migration. Natürlich kommt ein Buch darüber bei den Kritikern gut an. Noch dazu, wenn die Autorin so gut schreiben kann wie Salzmann. Doch ich persönlich bin das falsche Publikum für solch avantgardistische Literatur. Ich setze mich gerne mit der Hauptfigur eines Romans auseinander. Fühle mit ihr oder ärgere mich über sie. Dieser Identifikation versperrt sich 'Außer sich'. Wie im Austausch festgestellt bin ich nicht die einzige, der Ali im Verlauf des Romans egal wird. Deswegen weiß ich einfach nicht, was der Roman 'will'. Es ist unterm Strich eine deprimierende Momentaufnahme von selbstzerstörerischen Personen, die sich passiv treiben lassen und sich wundern, dass das Glück nicht zu ihnen kommt. Kunst ist das.

Sogar das Personenverzeichnis ganz zu Beginn war im ersten Moment alles andere als hilfreich und bot schon da viel Raum für unterschiedliche Sichtweisen. Ein Roman zum Diskutieren und Interpretieren.