Lieber Daddy-Long-Legs (Buch)

Jean Webster

Übersetzung: Ingo Herzke

Buch
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Fast 18 Jahre hat Judy Abbott im Waisenhaus gelebt. Wegen ihrer literarischen Begabung wird sie nun von einem geheimnisvollen Wohltäter aufs College geschickt. Der Mann möchte namenlos bleiben, Judy soll ihm aber... (weiter)

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Details
AutorIn Jean Webster
Übersetzung Ingo Herzke
Seiten 253
EAN 9783551560445
Sprache deutsch
erschienen bei Carlsen Verlag GmbH
Erscheinungsdatum 10.2017
Altersfreigabe ab 14 Jahren
Rezensionen
Gesamtmeinung:
Ø4.6 | 9 Meinungen

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Toller Jugendbuch-Klassiker
»Was liest Du?«-Rezension von Karin L., am 10.10.2017

"PS: Würde es Ihnen schrecklich missfallen, Daddy wenn aus mir doch keine große Autorin wird, sondern bloß ein schlichtes Mädchen?" S.105


Es ist schon eine Weile her, seit ich konkret und gezielt zu einem Jugendbuch gegriffen habe. Aber das neue Programm der 'Königskinder', dem Imprint des Carlsen Verlags, hat es mir einfach angetan.
Zudem fand ich es durchaus verlockend, dass "Lieber Daddy-Long-Legs" bereits 1912 von Jean Webster veröffentlicht wurde. Tatsächlich merkt man der Geschichte den 'alten Stil' auch an, was ich wunderbar passend fand. Der Stil verschmilzt nämlich mit der Art der Erzählung, da der Leser nur durch die Briefe der jungen Protagonistin Jerusha (Judy) Abbott erfährt, welche Entwicklungen die Figuren durchleben und welche Geheimnisse gelüftet werden. Diese Briefe passen sich dadurch an ein anderes Jahrhundert an, weil auch die Zeit der Zustellung der schriftlichen Korrespondenz durchaus eine Rolle spielt und man so wirklich das Gefühl bekommt, als sei man mit Judy in ihrer Zeit und man nicht 'eben schnell' eine E-Mail schreibt, sondern durchaus Tage auf eine Antwort warten muss (sei es auch nur vom Assistenten von 'Daddy-Long-Legs').
Judy selbst ist ein wunderbar vielseitiger und lebhafter Charakter. Ich bin mir sicher, dass ich sie, wenn ich das Buch als Jugendliche gelesen hätte, sicherlich noch mehr gemocht hätte. Denn sie verkörpert alles, was man so in seiner Jugend durchlebt. Die tiefsten Wünsche und Träume die man hegt, die Reiselust die einen packt, das ambitionierte Streben nach einem schulischen und beruflichen Erfolg und aber auch die Dinge, die einen manchmal runterziehen, die Misserfolge, das Wideraufstehen nach dem Hinfallen. Sie ist so sprunghaft, so wechselbar und dennoch irgendwie standhaft in ihren Ansichten, dass sie nicht nur ein bloßes Schema eines 'Teenagers' darstellt, sondern die tatsächlichen Verhaltensweisen widerspiegelt.
Man ist nämlich launisch und weiß nicht immer, was man will. Manchmal scheint man auch nervig oder zu verbissen, manchmal wächst einem alles über den Kopf, manchmal missfallen einem die Verhaltensweisen der anderen Menschen, manchmal wird man ihnen gegenüber auch grob. Aber letztendlich besinnt man sich wieder auf das, was einem wirklich wichtig scheint. Und genau das habe ich in diesem Buch auch wiedergefunden. Diese jugendliche Euphorie und zeitweise jugendliche Frage, nach dem eigenen Platz in der Welt haben das Buch für mich wirklich zu einem sehr schönen Leseerlebnis gemacht.


"Ich finde, jeder Mensch, wie viele Kümmernisse er auch erleiden muss, sollte dennoch auf eine glückliche Kindheit zurückblicken können. und falls ich jemals Kinder habe, werde ich - selbst wenn ich zutiefst unglücklich bin -  nicht zulassen, dass sie irgendwelche Sorgen haben, bis sie groß geworden sind."  S.132
 

Das Buch verfolgt natürlich nicht nur die Absicht die charakterliche Entwicklung der Protagonistin aufzuzeigen, auch wenn dies einer der markanten Punkte ist, sondern treibt auch eine Handlung voran.
Man verbringt die Zeit mit Judy in abenteuerlichen Semesterferien, zum Beispiel im aufregenden New York, man lernt das Schulsystem der damaligen Zeit etwas besser kennen und man folgt ihr auf der Suche nach 'Daddy-Long-Legs'. Zugegeben, ab einem gewissen Zeitpunkt lüftet sich das Geheimnis fast wie von selbst, was aber keineswegs einen negatives Kriterium darstellt. Die Offenbarung des mysteriösen Mannes schien für mich eigentlich gut umgesetzt worden zu sein, mich hat zum Schluss allerdings etwas 'gestört', dass das Ende so kurz und vielleicht zu 'Jugendbuch-mäßig' unüberraschend endete. Tatsächlich rief ich mir aber wieder ins Gedächtnis, dass der Text schon vor längerer Zeit veröffentlicht wurde und man das Ende damals wohl nicht so kritisiert hätte, wie heute, weil man sich mittlerweile immer etwas 'Anderes' und Spannenderes wünscht.
Und schließlich muss ich auch zugeben, dass das Ende keinen Einfluss auf die sonst so schöne Botschaft der Geschichte hat.


"Wie manche Menschen immer die Augen zum Himmel verdrehen und >>Vielleicht ist alles zum Besten so << sagen, obwohl sie todsicher sind, dass das nicht stimmt, macht mich wütend. Ob man es nun Demut oder Ergebenheit oder sonst wie nennt, es ist schlicht ohnmächtige Trägheit." S. 220


INSGESAMT: Ein junges Mädchen, das sich durch ihr bisheriges Leben im Waisenhaus, einsam und nicht zugehörig fühlte und Schritt für Schritt lernt, dass man sich selbst vertrauen muss, um das zu erreichen, wovon man träumt. Ein wirklich wunderbarer Ratschlag für junge Heranwachsende und darum auch eines der Gründe, wieso dieses Jugendbuch zu empfehlen ist. Auch wenn die Protagonistin manchmal etwas zu 'schwankend' oder zu 'emotional wechselhaft' wirkt, ist dies letztlich der Grund, wieso diese Geschichte so wunderbar funktioniert. Weil man in dieser Zeit seines Lebens wirklich so reagiert und seine Gefühle kaum zurückhalten kann. Die Atmosphäre des frühen 20. Jahrhunderts sorgt zudem dafür, dass die 'Abenteuer' der Protagonistin noch wilder erscheinen und man sich gerne mit ihr in ihrem Wohnheim an der Universität befinden würde.

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Ein Buch voller Lebenslust, Leidenschaft und Mut, das zum Wohlfühlen einlädt
»Was liest Du?«-Rezension von Skyline, am 02.10.2017

Klappentext

„Fast 18 Jahre hat Judy Abbott im Waisenhaus gelebt. Wegen ihrer literarischen Begabung wird sie nun von einem geheimnisvollen Wohltäter aufs College geschickt. Der Mann möchte namenlos bleiben, Judy soll ihm aber jeden Monat einen Brief über ihre Fortschritte schreiben. Voller Begeisterung stürzt sich Judy in dieses unbekannte Leben. Mehr als einmal im Monat schreibt sie „Mr Smith“, denn sie hat ja sonst niemanden auf der Welt, mit dem sie ihre Erlebnisse teilen kann. Briefe voller Witz, über Hüte und Literatur, über neue Freundschaften und immer öfter auch über den sympathischen Jervis Pendleton.“

 

Gestaltung

Der Schatten des Männerkopfes mit Zylinder vor dem blumigen Hintergrund passt wie die Faust aufs Auge für diese Geschichte, denn der heimliche Wohltäter der Protagonistin ist ihr unbekannt – genauso wie das anonyme Schattengesicht. Zudem vermittelt der Zylinder schon optisch einen ersten Eindruck der Zeit, in welcher das Buch spielt. Die Farben passen meiner Meinung nach richtig gut zusammen, da die Blumen und die Pastellfarben wunderschön miteinander harmonieren. Auch gefällt mir die Schriftart des Titels sehr. Zudem findet sich die Schrift auch im Buch in den Überschriften wieder.

 

Meine Meinung

Mit „Lieber Daddy-Long-Legs“ erscheint im Königskinder Verlag eine Neuauflage des bereits 1912 erschienen Briefromans von der Autorin Jean Webster. Zunächst hatte ich etwas Angst, dass ich aufgrund des weit zurückliegenden Ersterscheiunungsdatums Schwierigkeiten mit der Sprache und dem Erzählstil haben würde, doch dies war nicht der Fall! Vielmehr ließ sich das Buch locker leicht lesen und die Seiten flogen geradezu an mir vorbei. All meine Sorgen waren völlig umsonst, denn es liest sich nicht wie ein Roman von 1912. Jugendlich-frisch und leicht verständlich wird hier in kurzen Briefen berichtet, wodurch es ein leichtes ist, der Geschichte zu folgen. So kann ich also alle, die dieselben Ängste hegen, beruhigen und sagen: der Schreibstil ist einfach eine Wucht!

 

Nach einem kurzen Einführungskapitel wird nur noch in Briefform erzählt. So schreibt Protagonistin Jerusha alias Judy über ihr Leben und ihren Alltag an der Uni. Dabei mochte ich ihre Art zu Erzählen auf Anhieb, denn Judy schreibt ihre Briefe so lebendig, ehrlich und mitreißend, dass ich das Buch nur ungern aus den Händen legen wollte. Sie hält mit nichts hinter dem Berg, ist nicht auf den Mund gefallen, scheut sich nicht, zu ihrer Meinung zu stehen und hat auch den ein oder anderen bissigen Seitenhieb bzw. Kommentar übrig, der mich zum Schmunzeln brachte. Gleichzeitig schafft Judy es in ihren Briefen ihre Erlebnisse so zu schildern, dass sie interessant sind, obwohl sie so alltäglich sind und sicher jedes junges Mädchen ähnliches erlebt hat. Zudem findet sich in diesem Buch eine authentische, schöne und zarte Liebesgeschichte, die mich überzeugt hat.

 

Judy sprüht vor Lebenslust und dies sprudelt auch geradezu aus ihren Briefen heraus. Sie wirkt so voller Leidenschaft für das Leben und hat dabei auch stets den Mut, immer ihre Meinung zu sagen und auch zu dieser sowie zu sich selbst zu stehen. Ihr Charakter gefiel mir unheimlich gut, denn ihre Lebenslust und Leidenschaft überträgt sich einfach auf den Leser. Sie ist so schelmisch und hat es Faustduck hinter den Ohren, was mich einfach zum Lächeln gebracht hat und mir immer gute Laune beim Lesen beschert hat. So schaffte Judy es, mich mit ihrem Mut und ihrer Leidenschaft anzustecken, geradezu eine Sogwirkung zu entfalten und mich dazu zu bringen, dass ich nur widerwillig (und nur für wirklich kurze Pausen) aufhören konnte, zu lesen.

 

„Lieber Daddy-Long-Legs“ war mein erster Briefroman. Obwohl ich an ein, zwei Stellen gedacht habe, dass die Geschichte etwas monoton wird ohne Antworten auf Judys Briefe, war die Handlung unheimlich spannend. Die Briefe haben eine Art Tagebuchcharakter und sind sehr unterhaltsam. Sie zeigen Judys Talent für Worte und werden durch kleine Zeichnungen und eine andere Schriftart aufgelockert. Gerade die Zeichnungen die Judy für ihren geheimnisvollen Gönner anfertigt, um ihre Erlebnisse besser zu veranschaulichen, fand ich eine tolle Idee. Sie haben mich sehr begeistert und ich habe sie mir gerne angesehen. Zudem ließ sich das Buch durch die kurzen Kapitel und die bildlichen Auflockerungen rasend schnell lesen. So konnte mich mein erster Briefroman komplett überzeugen und für sich einnehmen!

 

Zudem gefiel es mir, dass ich mich die ganze Zeit gefragt habe, wer Judys Gönner ist. Ich hatte leise Ahnungen und Vermutungen und habe es geliebt, dass die Autorin uns Leser hier hat bis zum Schluss  rätseln lassen. Auch wenn ich recht schnell eine Vermutung hatte, die sich auch als richtig herausgestellt hat, konnte ich mir nie sicher sein, ob sich diese bestätigen wird und ob wir überhaupt erfahren, wer hinter dem Gönner steckt. So hielt Jean Webster konstant die Spannung und Neugierde aufrecht, wodurch man dem Buchende geradezu entgegenfiebert. Am Ende klappte ich das Buch dann auch vollkommen zufrieden zu und hatte ein glückliches Lächeln auf den Lippen.

 

Atmosphärisch erinnerte mich „Lieber Daddy-Long-Legs“ oftmals an eine Mischung aus Jane Austen Büchern und Anne of Green Gables mit dezentem Hanni und Nanni Flair. Diese Kombination hat mir richtig gut gefallen und beim Lesen ein schönes Feeling erzeugt, das sich beim Lesen wie eine weiche Decke über mich legte und für Gemütlichkeit sowie ein Gefühl des Wohlfühlens sorgte. So ist Jean Websters Werk einfach ein tolles Buch, das atmosphärisch stark ist, eine mutige, leidenschaftliche sowie unheimlich sympathische Protagonistin aufweist und unbedingt gelesen werden sollte.

 

Fazit

„Lieber Daddy-Long-Legs“ ist ein unterhaltsamer Briefroman, der vor allem durch die spritzige Art der Protagonistin überzeugt und durch kleine Illustrationen aufgelockert wird. Judy ist ein mutiges, kluges und lebensfrohes Mädchen voller Leidenschaft für das Leben, die sich beim Lesen auf den Leser überträgt. Ich bin Judys Erzählungen über ihren Alltag unheimlich gerne gefolgt und habe ihre Art zu Erzählen und die Welt zu sehen geliebt, weil Judy ein ganz besonderes Mädchen ist. Das Buch ist unterhaltsam und gleichzeitig durch das Rätsel um den geheimnisvollen Gönner sehr spannend. Zudem überzeugte mich die Atmosphäre, deren Flair mich an eine Mischung aus Jane Austen Büchern, Hanni und Nanni und Anne of Green Gables erinnerte, sehr. Ein Buch, das zum Wohlfühlen und es sich gemütlich machen einlädt und mit jeder Seite Mut und Leidenschaft versprüht!

5 von 5 Sternen!

 

Reihen-Infos

1. Lieber Daddy Long Legs

2. Dear enemy (Hier geht es um Jerushas Freundin Sallie)

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Fast 18 Jahre hat Judy Abbott im Waisenhaus gelebt. Wegen ihrer literarischen Begabung wird sie nun von einem geheimnisvollen Wohltäter aufs College geschickt. Der Mann möchte namenlos bleiben, Judy soll ihm aber jeden Monat einen Brief über ihre Fortschritte schreiben. Voller Begeisterung stürzt sich Judy in dieses unbekannte Leben. Mehr als einmal im Monat schreibt sie "Mr Smith", denn sie hat ja sonst niemanden auf der Welt, mit dem sie ihre Erlebnisse teilen kann. Briefe voller Witz, über Hüte und Literatur, über neue Freundschaften und immer öfter auch über den sympathischen Jervis Pendleton.