Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt (Buch)

Roman

Buch
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"Es geht um das Herz der Sache, Charlie. Es geht um Magical Mystery." Ein Buch wie ein Rausch: Man braucht 48 Stunden, die Droge heißt Sven Regener. Am Start: eine Handvoll ziemlich verrückter Techno-Freaks. Und am... (weiter)

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Details
AutorIn Sven Regener
Edition 2. Aufl.
Seiten 512
EAN 9783869710730
Sprache deutsch
erschienen bei Galiani, Verlag
Erscheinungsdatum 10.09.2013
Rezensionen
Gesamtmeinung:
Ø4.1 | 15 Meinungen

davon Rezensionen:
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Wer meckert, fliegt
»Was liest Du?«-Rezension von wal.li, am 21.05.2015

Seit Karl Schmidt verrückt geworden ist, lebt er in einer Drogen-WG und arbeitet als Hilfshausmeister in einem Kindererholungsheim bei Hamburg. Wir schreiben das Jahr 1995 und Karl hat mit seinem vor WG Leben abgeschlossen. Bis er seinen alten Freund Raimund Schulte im Eiscafé trifft. Genau genommen möchte er ihn nicht einmal wiedersehen, aber es lässt sich nunmal nicht vermeiden. Und Raimunds Idee rumort dann doch in Karls Gedanken, der jetzt wieder Charlie heißt. Als dann auch noch festgestellt wird, dass er ein Jahr lang keinen Urlaub genommen hat und man ihn in Zwangsurlaub schickt, ist die Zeit reif. Karl oder besser Charlie geht mit seinen alten und einigen neuen Kumpels auf die Magical Mystery Tour. Techno pur - nur einer muss nüchtern bleiben.

 

Bei der Betrachtung dieser eigenartig widersinnig auffälligen Covergestaltung fragt man sich zunächst, wieso man diesen Roman lesen wollte. Zum Glück fällt es einem schon nach wenigen Seiten wieder ein. Da sind sie die 90er, die Zeit von Techno und Rave. Die Techno-Parties, zu denen man alleine hinging, weil keiner mit wollte, die total urig waren mit seltsam gewandeten Gestalten und minimalistischer Musik. Laut und schnell war am schönsten, doch chillen war auch okay. Und in diese Zeit des Aufbruchs in die Welt der Techno-Freaks, von denen einige schon begannen Geld zu machen, die Meisten aber noch mit großem Enthusiasmus durch die Discotheken zogen nur, um auflegen zu können, entführt der Autor seine Leser. Welch eine irre Zeit das war, wo alles noch echt war und der Mainstream noch nicht die Oberhand hatte. 

 

Natürlich ist es vorteilhaft, die Welt des Herrn Lehmann und seinen Freunden zu kennen, doch auch viele andere Leser werden sich mit Karls Geschichte wohlfühlen, der seinem behüteten Kokon entwächst und lernt wieder Verantwortung zu übernehmen, der mit zarter Hand die Meerschweinchen umhegt, der seine verrückte Truppe durch die Gegend kutschiert und in dem schließlich die Sehnsucht wächst, wieder ein eigenständiges Leben zu führen. Was für eine coole Socke muss der Autor sein, um so ein cooles Buch zu erfinden.

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Zeitreise zum Schmunzeln
»Was liest Du?«-Rezension von Matzbach, am 13.10.2014

Regeners "Herr Lehmann" endet mit der Einweisung seines besten Freundes Karl Schmidt in die Psychatrie. Fünf Jahre später taucht er wieder auf. Nach geschlossener Anstalt und Drogenentzug lebt er in einer betreuten Wohngruppe ehemaliger Abhängiger, daneben jobbt er als (alleinverantwortlicher) Hilfshausmeister in einem Kinderkurheim. Dort soll ihm aber ein neuer Hausmeister vor die Nase gesetzt werden, außerdem muss er den ihm tariflich zustehenden Jahresurlaub nehmen. Da trifft es sich gut, dass er kurz zuvor einen alten Bekannten aus Berlin getroffen hat, der ihn als eine Art Roadie für die "Magical Mystery"-Tour einer Ravertruppe engagieren möchte. In Anlehnung an die Hippie-Tour der Beatles möchte das Technolabel Love and Peace in die Provinz bringen.

Karl, zwangsbeurlaubt und in einem Drogenrehazentrum, das auf Sport setzt, angemeldet, überlegt kurz und fährt nach Berlin, um den Job zu übernehmen.

Die Tour entwickelt sich zu einer Aneinanderreihung kleinerer und größerer Katastrophen, ausgerechnet Karl Schmidt, der als einziger drogenfrei leben muss, behält zumindest einigermaßen die Übersicht, so dass das Unterfangen am Ende halbwegs gelingt. Dabei kommt es fast zu einer Begegnung Karls mit Frank Lehmann, aber eben nur fast.

Anfangs habe ich mich etwas schwer getan mit Regeners viertem Roman, es brauchte etwas, sich hineinzufinden. Aber mit dem Start der Tour, so ca. ab S. 200, wirds genial. Leerlaufkommunikation en masse, wie schon in den Vorgängern, wer das mag, kommt eindeutig auf seine Kosten. Das auf der Tour ausbrechende Chaos erinnert irgendwie an die WG in der Neuen Vahr.

Wenn ich mal eine Rangordnung der Romane aufstellen darf, "Herr Lehmann" eindeutig Platz eins, "Neue Vahr Süd" Platz zwei, "Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt" auf jeden Fall klar vor "Der kleine Bruder", welchen ich etwas enttäuschend fand.

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"Es geht um das Herz der Sache, Charlie. Es geht um Magical Mystery." Ein Buch wie ein Rausch: Man braucht 48 Stunden, die Droge heißt Sven Regener. Am Start: eine Handvoll ziemlich verrückter Techno-Freaks. Und am Steuer: Karl Schmidt, der beste Freund von Frank Lehmann Als Karl Schmidt, Opfer eines depressiven Nervenzusammenbruchs am Tag der Maueröffnung, nach Jahren der Versenkung von alten Kumpels zufällig in Hamburg als Bewohner einer drogentherapeutischen Einrichtung wiedergefunden wird, ist das der Anfang einer seltsamen Zusammenarbeit: Die alten Freunde, mittlerweile zu Ruhm und Reichtum gelangt, wollen mit ihrem Plattenlabel auf einer Tour durch Deutschland den Rave der 90er Jahre mit dem Hippiegeist der 60er versöhnen und brauchen dazu einen, der immer nüchtern bleiben muss. Das kommt Karl Schmidt gerade recht, denn der hat keine Lust mehr, sich in einer Parallelwelt aus Drogen-WG, Hilfshausmeisterjob und gruppendynamischen Wochenendausflügen zu verschanzen. Und so beginnt eine Reise durch ein Land und eine Zeit im Umbruch, unternommen von einer Handvoll Techno-Freaks, betreut von einem psychisch labilen Ex-Künstler, für den dies der Weg zurück in ein unabhängiges Leben sein soll.