QualityLand (Buch)

Roman

Buch
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Willkommen in QualityLand, in einer nicht allzu fernen Zukunft: Alles läuft rund - Arbeit, Freizeit und Beziehungen sind von Algorithmen optimiert. Trotzdem beschleicht den Maschinenverschrotter Peter Arbeitsloser immer... (weiter)

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Details
AutorIn Marc-Uwe Kling
Seiten 381
EAN 9783550050152
Sprache deutsch
erschienen bei Ullstein Verlag GmbH
Erscheinungsdatum 22.09.2017
Rezensionen
Gesamtmeinung:
Ø4.1 | 32 Meinungen

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Algorithmen bestimmen dein Leben.
»Was liest Du?«-Rezension von Emswashed, am 26.11.2017

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O.k.

Das ist die einzige Möglichkeit, die du wählen kannst. Kein "ja", kein "nein", kein "vielleicht". Es ist der Algorithmus, der dir jegliche Alternative nimmt und dich ins Qualityland führt. Der Autor der Känguru-Chroniken nimmt dich mit in ein verheißungsvolles Land, in dem Maschinen berechnen, was dich glücklich macht. Du musst keine Entscheidungen mehr treffen und alles was du tust, führt dich automatisch zum nächsten Glücksgefühl.
Peter Arbeitsloser ist gar nicht happy, als ihm ein rosafarbener Vibrator in Form eines Delfins von der Lieferdrohne überreicht wird. Er glaubt an einen Fehler in seinem gespeicherten Profil und möchte dieses Gerät an den Hersteller zurückschicken. Das aber erweist sich als unmöglich. Wenn er die Lieferung zurückgibt, wäre er ja unzufrieden mit dem Produkt, was ein unfehlbarer Algorithmus extra für ihn ausgesucht hat. Der Fehler muss also beim Menschen liegen, der sofort ein paar Punkte in der "RateMe" Skala verliert und droht auf ein niedrigeres Level hinabzusteigen.
Peter betreibt eine Schrottpresse. Defekte Maschinen melden sich selbständig in seinem Laden, um sich verschrotten zu lassen. Nichts wird repariert, schließlich lässt sich keiner in sein Konsumsüppchen spucken. Peter aber hat heimlich ein paar gerettete Automaten in seinem Keller versteckt, die zwar nicht mehr funktionieren wie sie sollten, die aber hinreichend kaputt sind, um Peter bei der anarchistischen Aktion, die Rückgabe des rosafarbene Delfinvibrators, zu helfen.

Zeitgleich tobt draußen der spruchgewaltige Wahlkampf zweier Präsidentschaftskandidaten. Der eine ähnelt sehr einem "argumentationsstarken" Politiker aus dem nordamerikanischen Raum, der andere ist ein Androide. Die Hochrechnungen laufen heiß, die Schräubchen für den entscheidenen Ausschlag werden noch gedreht.

Alles steuert auf einen fulminanten Showdown zu, dabei kann doch alles berechnet werden, oder?

Kling hat hier eine lustige Satire vorgelegt. Das Lachen aber erstirbt, wenn man darüber nachdenkt, wie weit wir in diesem System schon fortgeschritten sind, und wie schwer es jetzt schon ist, "Fehler" im System zu korrigieren.

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So lustig wie relevant
»Was liest Du?«-Rezension von Thoronris, am 10.11.2017

Mit „QualityLand“ legt Marc-Uwe Kling einen satirischen Science-Fiction-Roman vor, der mehr tut, als bloß eine Geschichte zu erzählen. Immer wieder finden sich zwischen den Kapiteln Zeitungsartikel, Werbeanzeigen oder aufklärende Texte für Touristen, die das fiktiven Land beinahe real erscheinen lassen. Das sind schöne Stilmittelt, die ich tatsächlich zunehmend zu schätzen gelernt habe. Während ich anfangs noch dachte, dass es schmückendes Beiwerk ist, wurde mir im Laufe der Geschichte bewusst, dass sie tatsächlich einen Sinn haben und zur Geschichte beisteuern.

 

Zwei parallel laufende Handlungsstränge

Doch was ist diese Geschichte eigentlich? Vor kurzem erst habe ich den Science-Fiction-Roman „Die Optimierer“ gelesen, der in vielerlei Hinsicht eine ähnliche Prämisse hat: In der Zukunft ist alles digitalisiert und wir verlassen uns zunehmend auf K.I. und Algorithmen. Die Parallelen beider Bücher waren zum Teil unübersehbar. Ähnlich verhält es sich mit dem Roman „Heartware“, bei dem am Ende alles auf die Frage einer übermenschlichen K.I. hinausläuft. Der zentrale Plotpunkt von QualityLand ist aufgebaut um die Kampagne zur Präsidentschaftswahl, auch wenn die eigentliche Hauptperson, Peter Arbeitsloser, nicht Teil der Kampagne ist. In Gestalt der K.I. John of us tritt erstmals ein Androide auf die politische Bühne, dessen Gegner ausgerechnet ein rechtsradikaler, roboterhassender Populist ist. Jener Conrad Koch ist gerade in seiner klischeehaften Radikalisierung leider sehr nahe an unserer echten Realität dran, ebenso wie die immer wieder misslingenden Versuche Johns, Wähler durch Logik und Weitsicht zu überzeugen, die tragische Realität eines jeden Wahlkampfes widerspiegeln.

Nebenher verfolgen wir das zunächst immer trostloser werdende Leben von Peter Arbeitsloser, der als Maschinenverschrotter in einer Blase der Nutzlosigkeit gefangen ist. Da die Algorithmen ihm verwehren, höherwertige Jobs zu bekommen oder auch nur höherwertige Menschen kennenzulernen, ist ihm jede Aufstiegschance verwehrt. Die Algorithmen von Everybody, dem allumfassenden Social Network, QualityPartner, der Datenkrake, die Tinder ersetzt hat, und TheShop, dem an sich einzig relevanten Online-Versandhandel, sorgen dafür, dass Peter in seiner Blase gefangen bleibt. Bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem er von TheShop ein Produkt erhält, welches er definitiv nicht wollte, auch wenn TheShop damit wirbt, dank der Algorithmen besser zu wissen, was die Kunden wollen, als die Kunden selbst. Seine Versuche, das Produkt zurückzugeben, ziehen immer weitere Kreise und werden immer absurder.

 

Stereotypen, die mit Klischees brechen dürfen

Aufgrund des satirischen Charakters des Buches haben wir es kaum mit komplexen Figuren zu tun. Die meisten Figuren existieren, um den Plot voranzutreiben, und bleiben daher eindimensional. Da dem Leser jedoch stets bewusst ist, dass er die Geschichte nicht vollständig ernst nehmen soll, ist das überhaupt kein Mangel, im Gegenteil, es trägt zur Erheiterung bei. Gleichzeitig werden bestimmte Klischees etabliert, nur um sie dann ins Gegenteil zu verkehren. So ist zum Beispiel die schöne Fernsehmoderatorin, die für höchste Einschaltquoten sorgt, da sie stets nackt auftritt, tatsächlich klug und hat eine sehr spitze Zunge. Während sie absichtlich alle Klischees bedient, um für Quote zu sorgen, bricht sie doch zugleich damit, weil sie als Moderatorin politischer Gespräche tatsächlich funktioniert.

Einige Charaktere sprechen sogar explizit aus, dass sie sich auf eine bestimmte Weise verhalten, um gerade nicht das Vorhersehbare zu tun, nur um dann zu überlegen, ob sie nicht genau dadurch vorhersehbar werden. Sogar die K.I.s, denen man über den Weg läuft, zeigen bisweilen sehr eigenwillige Charaktere, auch wenn sie auf wenige Eigenschaften begrenzt bleiben und deswegen vor allem als humoristische Sidekicks funktionieren.

 

Relevante, aktuelle Fragen

Die Frage, wie weit wir Algorithmen vertrauen dürfen, ob sie unser Leben bereichern oder einschränken, und ab wann eine selbstständig lernende K.I. für uns gefährlich werden kann, ist nicht umsonst in den letzten Jahren zu einem großen Thema der Science-Fiction-Literatur geworden. Wir befinden uns an einem Punkt des technischen, digitalen Fortschritts, wo wir uns als Gemeinschaft diese Fragen stellen müssen. Obwohl Marc-Uwe Kling auch in „QualityLand“ die zu erwartende Satire liefert, so beweist er doch erneut, dass er sehr wohl politische, kluge Gedanken zu formulieren weiß. Auch seine Känguru-Chroniken sind mehr als bloß lustige Hörspiele. Obwohl mir die Frage nach der K.I. in „Heartware“ besser diskutiert erscheint, muss sich „QualityLand“ nicht hinter seinen Vorgänger verstecken.

Das Ende ist ebenfalls gelungen, da es auf angemessene Weise einen Abschluss darstellt und dennoch offen bleibt. Es passt zu diesem Roman, der viele Fragen stellt, aber deutlich macht, dass es keine oder zumindest keine eindeutigen Antworten gibt. Was wir vor allem aus diesem Buch mitnehmen können, ist, dass wir noch immer viel weniger wissen, als wir glauben. Die einzige Schwäche des Buches ist, dass es zu keinem Zeitpunkt wirklich spannend war. Der Schwerpunkt auf Humor sorgte zumindest bei mir dafür, dass ich mich keinem Charakter wirklich verbunden fühlte. Insofern war es eine lustige bis interessante, aber nicht ernsthaft fesselnde Lektüre.

Übrigens: Das Buch kommt in zwei unterschiedlichen Ausgaben daher. Während die Hauptgeschichte gleich bleibt, unterscheiden sich die eingestreuten Nachrichten zwischen den Kapiteln. Dunkel für apokalyptisch, hell für optimistisch. Im Internet gibt es die Möglichkeit, beide Nachrichten-Streams nachzulesen. Ich persönlich habe die dunkle Ausgabe gelesen.

 

Fazit

Der Science-Fiction-Roman „QualityLand“ von Marc-Uwe Kling ist eine gelungene Satire, die für sehr viel Lesespaß sorgt. Gleichzeitig artikuliert der Autor jedoch wie gewohnt tatsächlich spannende Fragen über Politik und Gesellschaft, die in der heutigen Zeit relevant sind. Mit Hilfe diverser stereotyper Charaktere, die aber oft genug die Chance bekommen, mit Klischees zu brechen, erzählt er die Geschichte um den Wahlkampf einer K.I. gegen einen Rechtspopulisten und die Reise eines Maschinenverschrotters, der ein unerwünschtes Produkt zurückgeben will. Facettenreich, mit vielfältigen Stilmitteln durchsetzt und immer lustig, liefert Kling genau das ab, was man erwartet. Ein etwas besser ausgearbeiteter Spannungsbogen, der einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt, fehlt leider, so dass der Roman die Höchstnote knapp verpasst.

 

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Willkommen in QualityLand, in einer nicht allzu fernen Zukunft: Alles läuft rund - Arbeit, Freizeit und Beziehungen sind von Algorithmen optimiert. Trotzdem beschleicht den Maschinenverschrotter Peter Arbeitsloser immer mehr das Gefühl, dass mit seinem Leben etwas nicht stimmt. Wenn das System wirklich so perfekt ist, warum gibt es dann Drohnen, die an Flugangst leiden, oder Kampfroboter mit posttraumatischer Belastungsstörung? Warum werden die Maschinen immer menschlicher, aber die Menschen immer maschineller? Marc-Uwe Kling hat die Verheißungen und das Unbehagen der digitalen Gegenwart zu einer verblüffenden Zukunftssatire verdichtet, die lange nachwirkt. Visionär, hintergründig - und so komisch wie die Känguru-Trilogie.