Der Ursprung der Welt

Der Ursprung der Welt (Buch)

Roman

Buch
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Das ist nicht mehr die Welt von Paul Goullet: Er, der alte Bücher und Bilder liebt, die Schönheit, den Traum und die Phantasie, findet sich in einer Zeit, in der in Deutschland das Chaos herrscht. Um dem zu entkommen,... (weiter)

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Details
AutorIn Ulrich Tukur
Seiten 304
EAN 9783103972733
Sprache deutsch
erschienen bei FISCHER, S.
Erscheinungsdatum 09.10.2019
Stichwörter Stuttgart
Schauergeschichte
Individualität
Deutschland
Doppelgänger
Rezensionen
Autorenportrait
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Aus der nahen Zukunft zurück bis 1930
»Was liest Du?«-Rezension von Buchdoktor, am 10.10.2019

In der nahen Zukunft reist Paul Goullet nach Paris, ein wohlhabender junger Deutscher aus einer Hugenotten-Familie. Nach dem frühen Tod seiner Mutter war Paul von seiner Tante Elsbeth aufgezogen worden, der Schwester seines Vaters. Am Stand eines Bouquineurs fällt ihm ein ledergebundenes Fotoalbum aus den 20ern des vorigen Jahrhunderts in die Hände. Dem elegant gekleideten Mann auf den Bildern darin ist Paul wie aus dem Gesicht geschnitten. Da Pauls Großvater Rudolf während der deutschen Besetzung Frankreichs als Gestapo-Chef in Toulouse eingesetzt war, kann es für die Ähnlichkeit alltägliche Gründe geben. Welche Familie hütet kein Geheimnis über ein Schwarzes Schaf oder ein unehelich geborenes Kind, das zu Verwandten in Pflege gegeben und über das nie wieder gesprochen wird. Großvater Rudolf schied verdächtig früh als Oberverwaltungsgerichtsrat aus dem Berufsleben aus, ein Thema, über das in der Familie betont geschwiegen wurde.

Zur Zeit der Handlung 2033 befindet sich Europa in Auflösung. Eine Phase korrupter, nationalistischer Strömungen und von religiösem Fanatismus ist durch ein Law-and-Order-Regime abgelöst worden, das seine Bürger peinlich genau überwacht. Ähnlichkeiten mit Ereignissen von 1933 sind sicher beabsichtigt.

Paul reist nach Banyul in Südfrankreich, wo damals Fluchthelfer Emigranten über die Pyrenäen schmuggelten und ihre Weiterreise organisierten. Er sucht die Person, die aussieht wie er heute und vor 100 Jahren lebte. Paul trifft auf Einwohner, die bei seinem Anblick zu erbleichen scheinen, und ihm fallen Unterlagen und Bilder in die Hände, die ihn in einen verwirrenden Strudel ziehen. Auch wenn es anders als in der Fantastik in diesem Roman keine Portale für den Übergang zwischen den Welten gibt, verschwimmen um Paul herum Gegenwart und Vergangenheit. Er scheint immer wieder zwischen den beiden Epochen zu stranden. Zeit und Ort lassen sich vom Leser nur schwer abgrenzen, die Verwirrung, ob gerade ein utopisches Szenario von 2033 geschildert wird oder die Vergangenheit, scheint beabsichtigt zu sein. Die totalitären Systeme von 1933 und 2033 scheinen sich aus meiner Sicht aufeinander zuzubewegen und die Zeit ringförmig zu verlaufen. Zum Unbehagen bei der Lektüre kommt noch hinzu, dass der Paul der Gegenwart offenbar zu besinnungsloser Gewalt fähig ist und dass es auch um die Résistance-Gruppe herum zu Gewalt-Exzessen kam.

Romanplots, in denen wechselnde Zeitebenen nicht klar voneinander abgegrenzt werden, finde ich anstrengend zu lesen. Auch wenn ich die Idee mit der extremen Familienähnlichkeit und den Fotos spannend finde, konnte mich der Roman nicht begeistern, der sich an historische Personen anlehnt (Dr. Rudolf Bilfinger, Dr. Marcel Petiot).

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Interessanter ungewöhnlicher Genremix, der solide konstruiert ist
»Was liest Du?«-Rezension von Ingrid von buchsichten.de, am 09.10.2019


„Der Ursprung der Welt“ lautet der Titel des ersten Romans von Ulrich Tukur. Die Geschichte ist eine historische Dystopie, die auf zwei Zeitebenen spielt. Optisch wie haptisch ist die Aufmachung des Hardcovers ein Schmuckstück. Ranken umgeben fühlbar den runden Ausschnitt auf dem Schutzumschlag oberhalb der Mitte, der einen Blick auf eine alte Fotografie freigibt, die einen Herrn mit Hut in einer schicken Kombination zeigt. Entfernt man den Umschlag ist die schwarz-weiße Fotografie vollständig zu sehen, unterhalb davon finden sich die Initialen P.G. in Gold geprägt. Das Bild entstammt dem Privatbesitz des Autors. Durch seinen zufälligen Fund, gemeinsam mit weiteren Fotos, in einem Fotoalbum kam dem Autor die Idee zu diesem Buch. Der Titel nimmt auf ein gleichnamiges Gemälde Bezug, das den Protagonisten des Romans bereits früh geprägt hat.
Der Deutsche Paul Goullet ist die Hauptfigur des Romans. Er ist Mitte Dreißig und besucht im Jahr 2033 Paris, um die Stadt kennenzulernen Beim Vorbeischlendern am Ufer der Seine entdeckt er an einem der Stände ein altes Fotoalbum mit Bildern, auf denen er sich selbst zu erkennen glaubt. Die Fotos rufen bei ihm Erinnerungen an seine Kindheit wach und an ein Zimmer in der Heimat, in dem sein Großvater gelebt hat. Er macht sich auf die Suche nach der Person auf den Fotos. Seine Reise führt ihn aufgrund gefundener Hinweise auf den Bildern nach Südfrankreich. Je intensiver er sucht, desto mehr fühlt er sich mit seinem Ebenbild verbunden. Visionen suchen ihn heim, führen ihn in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Er sieht sich selbst in der Rolle des ihm Unbekannten mit ähnlichem Aussehen und fühlt sich zunächst als Wohltäter in einer Widerstandgruppe bis er einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur kommt.
Ulrich Tukur zeichnet ein düsteres Bild unserer Zukunft, das sich aber realistisch aus den derzeitigen Umständen ergeben könnte. Sein Protagonist hat das große Glück niemandem Rechenschaft über sein Tun und Lassen abgeben zu müssen. Er ist geprägt von einer Kindheitserinnerung, die seine Suche nach der großen Liebe überschattet. Seine Gefühle schätzt er manchmal falsch ein, was damit zusammenhängen könnte, dass er selbst bei seiner Erziehung eine vertrauensvolle, ihn liebende Person vermisst hat. Er wirkte auf mich kühl und rational, wodurch mir der Charakter, wie auch einige andere im Roman, nicht sympathisch wurde. Einzig an seiner zögerlichen, aber bedingungslosen Hilfsbereitschaft in bestimmten Momenten fand ich Gefallen.
Das Spiel auf zwei Zeitebenen ist manchmal anstrengend, aber nachvollziehbar. Die Übergänge sind fließend und können durch die jeweils agierenden Personen auseinandergehalten werden. In Deutschland gibt es Ausschreitungen, die Paul Goullet durch seine Reise für eine Weile hinter sich lassen möchte. Allerdings hat es auch in Frankreich einige politisch bedingte Veränderungen gegeben und auch hier ist die Situation durch polizeiliche und militärische Kontrollen mit Übergriffen auf die Zivilbevölkerung beängstigend. Die Stimmungslage konnte der Autor sehr gut von den handelnden Personen auf mich als Leser übertragen. Bei der Aufdeckung des Geheimnisses überzeugt Ulrich Tukur mich nicht mit allen Details beim Ineinandergreifen der Ereignisse.
Die Ängste seines traumatisierten Protagonisten im Roman „Der Ursprung der Welt“ stehen für unsere eigenen Erwartungen an eine bessere Zukunft. In einer zunehmend digitalisierten Welt vermögen uns auf rationalen Analysen beruhende Empfehlungen, keinen bleibenden Frieden zu geben, weil unser eigener Antrieb durch Gefühle gesteuert ist und uns Ziele antreiben, die nicht immer mit denen von anderen übereinstimmen. So bleibt unsere Zukunft unvorhersehbar.

„Der Ursprung der Welt“ von Ulrich Tukur ist ein interessanter ungewöhnlicher Genremix, der solide konstruiert ist. Gerne vergebe ich hierzu eine Leseempfehlung.
 

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Das ist nicht mehr die Welt von Paul Goullet: Er, der alte Bücher und Bilder liebt, die Schönheit, den Traum und die Phantasie, findet sich in einer Zeit, in der in Deutschland das Chaos herrscht. Um dem zu entkommen, reist er nach Paris, aber auch Frankreich hat sich in einen Überwachungsstaat verwandelt. Bei seinen Spaziergängen durch die Stadt stößt Goullet plötzlich auf etwas Unerhörtes: ein altes Photoalbum, dessen Bilder offenbar ihn selbst zeigen, inmitten eleganter Damen und Herren aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Fasziniert setzt er sich auf die Fährte seines Doppelgängers und folgt ihr nach Südfrankreich. Verstörende Visionen und Traumbilder beginnen ihn zu verfolgen, immer wieder scheint er die Zeit zu wechseln und sich in den Mann aus dem Photoalbum zu verwandeln. Und die Hinweise mehren sich, dass dieser ein furchtbares Geheimnis hat.

Tukur, Ulrich Ulrich Tukur, 1957 geboren, ist nicht nur einer der bekanntesten und renommiertesten deutschen Schauspieler und ein leidenschaftlicher Musiker, sondern hat auch als Schriftsteller großen Erfolg (»Die Seerose im Speisesaal«, »Die Spieluhr«). Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Film- und Fernsehpreise, aber auch Auszeichnungen wie den »Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache«. Während der Dreharbeiten zu seinem Film »Seraphine« stieß er auf ein altes Fotoalbum, das ihn zu »Der Ursprung der Welt« inspirierte. Ulrich Tukur lebt mit seiner Frau, der Fotografin Katharina John, in Venedig und auf einem alten Bauernhof in den Bergen der Toskana.