Tyll (Buch)

Roman

Buch
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"Tyll", der neue Roman des Erfolgsautors Daniel Kehlmann - er veröffentlichte u.a. "Die Vermessung der Welt", "Ruhm", "F" und "Du hättest gehen sollen" -, ist die Neuerfindung einer legendären Figur: ein... (weiter)

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Details
AutorIn Daniel Kehlmann
Edition 7. Aufl.
Seiten 480
EAN 9783498035679
Sprache deutsch
erschienen bei Rowohlt Verlag GmbH
Erscheinungsdatum 11.10.2017
Stichwörter 30 jähriger Krieg
Paul Fleming
Die Vermessung der Welt
Till Eulenspiegel
Gaukler
Rezensionen
Gesamtmeinung:
Ø4.3 | 22 Meinungen

davon Rezensionen:
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Philosophisch geschriebener, gesellschaftskritischer Roman
»Was liest Du?«-Rezension von Ingrid von buchsichten.de, am 03.04.2018

Daniel Kehlmann hat in seinem Roman „Tyll“ der im 16. Jahrhundert geschaffenen Figur des Dil Ulenspiegel, die durch seine Schelmengeschichten bekannt ist, einen neuen Handlungsrahmen gegeben. Seine Erzählungen hat er hundert Jahre später angesiedelt, der Hauptteil spielt im 30-jährigen Krieg. Tyll wird als Sohn eines Müllers geboren  und wächst dort am Rand des kleinen Dorfes als einziges Kind seiner Eltern heran. Zart, feinsinnig und geschickt ist er. Sein Vater ist des Lesens mächtig, schaut hinter die Bedeutung von Alltagsgegenständen und hinterfragt diese. Sein Verhalten ist auffällig, so dass er in die Hände der Inquisition gelangt. Am Tag seiner Hinrichtung läuft Tyll davon und beginnt ein Leben als freier Mann mit all seinen Vor- und Nachteilen auf die der Autor hinweist.

Hätte ich nun nach den ersten beiden Kapiteln eine weitere Beschreibung der Eulenspiegeleien erwartet, so überraschte der Autor mich damit, dass er im Folgenden seinen Blick mehr auf die Machthabenden der damaligen Zeit wirft. In Szenen, die nicht chronologisch geordnet sind, zeichnet er das Bild der Gesellschaft der damaligen Zeit, die gebunden ist an viele undurchschaubare, manchmal unlogische Gesetze. Jeder Beruf ist mit Pflichten und Rechten streng belegt. Unterschiede in den Rängen sind schwer zu überbrücken, Rollen müssen eingehalten werden, Ehen dienen dem Zweck. Alles Unverständliche wird mit überirdischer Macht und Mysterien beschrieben. Wer Macht erlangt versucht diese durch blutige Kämpfe zu sichern, die Unterlegenen haben zu folgen.

Tyll wird zur Randfigur und dient lediglich zum Zusammenhalt der einzelnen Episoden. Er setzt jedoch deutliche Akzente durch seine Kunst durch eigene Ausdrucksformen die Wahrheit ans Licht zu bringen und den Menschen wie in einem Spiegel ihr eigenes Verhalten vorzuführen. Daniel Kehlmann übernimmt in seinem Roman die Rolle des Tyll, der mir als Leser in zahlreichen Schilderungen die verschrobene Denkweise ad absurdum vor Augen führt. Auf seine philosophische Weise lässt er die Mächtigen sich mit ihrer Welt auseinandersetzen bei denen es manchmal so scheint, dass das Verständnis dazu noch zu groß für das 17. Jahrhundert ist. Leider sind einige Ansichten bis heute aktuell. Der Schalk des Tyll der ursprünglichen Geschichten bleibt dabei zurück, der Wahnsinn des Kriegs tritt in den Vordergrund. Wer philosophisch geschriebene, gesellschaftskritische Romane mag, ist bei diesem Buch von Daniel Kehlmann richtig.

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Niemals sterben
»Was liest Du?«-Rezension von wal.li, am 04.03.2018

Schon als Kind beschließt Tyll Ulenspiegel, niemals zu sterben. Leicht einzuhalten ist sein Entschluss allerdings nicht. Sein Vater wird als Hexer gehängt und seine Mutter aus dem Dorf verbannt. Tyll flieht mit Nele, der Bäckerstochter in die weite Welt. Zunächst schließen sie sich einem Bänkelsänger an und dann dem Gaukler Pirmin, der sich allerdings als schlechter Begleiter erweist. Für eine Weile sind sie am nicht mehr vorhandenen Hof des entmachteten Königs von Böhmen und seiner englischen Gattin, der Königstochter Elizabeth. Und immer laviert sich Tyll durch, mit seinen Künsten und frechen Sprüchen. Und immer haut er im richtigen Moment ab.

 

Nach der Legende ist Tyll Ulenspiegel um 1300 geboren und  ungefähr fünfzig Jahre später doch gestorben. Sein Nachname kann zwar als Zusammensetzung aus Eule und Spiegel gedeutet werden, eine auch sehr treffende Deutung ist jedoch die das ulen so viel wie wischen bedeutet und mit Spiegel das Hinterteil von Reh und Hirsch bezeichnet wird, den Rest kann man sich dann selbst ausdenken.

 

Diesen Tyl Ulenspiegel, für dessen Existenz es keinen wirklichen Beweis gibt, hat der Autor in die Zeit des dreißigjährigen Krieges versetzt. Und so treibt er seinen Schabernack in rauen Zeiten. Vielen Kindern ist es nicht vergönnt, erwachsen zu werden, auch Tyll ist ein eher schwächlicher Junge. Doch schon früh hat er Interesse am Balancieren und am Geben von Wiederworten. Das zieht sich durch sein Leben und Wirken. Manchmal erweist sich seine Art als hilfreich, manchmal auch eher nicht. Überall lauert Gefahr, der Krieg wütet über das Land. Es herrschen Armut und Hunger und das Land ist entvölkert. Für die Gaukler bleibt da kaum etwas übrig, nicht einmal an dem fahrenden Hof des entmachteten Königs von Böhmen, der auf seinem letzten Bittgang arg gedemütigt wird.

 

Mit einem Kaleidoskop der Schelmereien des Tyl Ulenspiegel erfreut dieses neueste Werk von Daniel Kehlmann. In den dreißigjährigen Krieg hineingeschrieben nimmt er einen in die Kriegswirren mit und stellt die Härte und die Grausamkeit dieser Zeit ohne Zweifel klar. Deutliche Schilderungen sollten mahnen, dass ein Krieg wahrlich nichts Wünschenswertes ist. Mit großer Fabulierkunst erweckt Kehlmann seinen Tyll zum Leben, von dem dieser dann nicht mehr lassen will. Ein eher spilleriges Kerlchen, das die Weltgeschichte durchwandert, die sich in dem Moment dort abspielt, was man heute als Deutschland bezeichnet. Wie es seinem Namen entsprechen könnte, hält er uns einen Spiegel vor, wie schnell gerät ein ganzer Landstrich zum Spielball der Mächte oder der Mächtigen. Ohne Rücksicht auf Verluste werden Ziele verfolgt, die nicht zwingend als groß bezeichnet werden können. Das Land verödet, die Menschen leiden und wenn sie nicht leiden, sterben sie. Eine Mahnung in leichte und lebendige Worte gekleidet. Ein Buch, das in keinem Regal fehlen sollte.

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"Tyll", der neue Roman des Erfolgsautors Daniel Kehlmann - er veröffentlichte u.a. "Die Vermessung der Welt", "Ruhm", "F" und "Du hättest gehen sollen" -, ist die Neuerfindung einer legendären Figur: ein großer Roman über die Macht der Kunst und die Verwüstungen des Krieges, über eine aus den Fugen geratene Welt. Tyll Ulenspiegel - Vagant, Schausteller und Provokateur - wird zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Müllerssohn in einem kleinen Dorf geboren. Sein Vater, ein Magier und Welterforscher, gerät schon bald mit der Kirche in Konflikt. Tyll muss fliehen, die Bäckerstochter Nele begleitet ihn. Auf seinen Wegen durch das von den Religionskriegen verheerte Land begegnen sie vielen kleinen Leuten und einigen der sogenannten Großen: dem jungen Gelehrten und Schriftsteller Martin von Wolkenstein, der für sein Leben gern den Krieg kennenlernen möchte, dem melancholischen Henker Tilman und Pirmin, dem Jongleur, dem sprechenden Esel Origenes, dem exilierten Königspaar Elisabeth und Friedrich von Böhmen, deren Ungeschick den Krieg einst ausgelöst hat, dem Arzt Paul Fleming, der den absonderlichen Plan verfolgt, Gedichte auf Deutsch zu schreiben, und nicht zuletzt dem fanatischen Jesuiten Tesimond und dem Weltweisen Athanasius Kircher, dessen größtes Geheimnis darin besteht, dass er seine aufsehenerregenden Versuchsergebnisse erschwindelt und erfunden hat. Ihre Schicksale verbinden sich zu einem Zeitgewebe, zum Epos vom Dreißigjährigen Krieg. Und um wen sollte es sich entfalten, wenn nicht um Tyll, jenen rätselhaften Gaukler, der eines Tages beschlossen hat, niemals zu sterben.