Das Feld (Buch)

Roman

Buch
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Wenn die Toten auf ihr Leben zurückblicken könnten, wovon würden sie erzählen? Einer wurde geboren, verfiel dem Glücksspiel und starb. Ein anderer hat nun endlich verstanden, in welchem Moment sich sein... (weiter)

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Details
AutorIn Robert Seethaler
Edition 4. Aufl.
Seiten 238
EAN 9783446260382
Sprache deutsch
erschienen bei Hanser Berlin
Erscheinungsdatum 04.06.2018
Stichwörter Bestseller
Beziehung
Deutschsprachige Literatur
Erinnerung
Erzählen
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.6 | 9 Meinungen

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Die Toten erzählen
»Was liest Du?«-Rezension von Violetta, am 11.08.2018

In den Romanen, die Seethaler bisher veröffentlichte, steht jeweils eine Figur im Mittelpunkt, deren Leben entweder ganz oder in einer bestimmten Zeitspanne erzählt wird. Hier entwickelt der Autor Biographien verschiedener Personen, erzählt also komprimierte Viten, und das besonders daran ist: Die Figuren erzählen rückwirkend als Tote. Ihnen allen ist nur der Ort gemeinsam, an dem sie lebten, das fiktive Paulstadt, und der Friedhof, auf dem ihre Gräber liegen, nämlich das titelgebende „Feld“ in Paulstadt.

Für mich ist die größte Stärke des Buches gleichzeitig seine größte Schwäche: Wie ein guter Karikaturist, der mit eine paar Strichen ein Gesicht zeichnet, das man sofort erkennt, zeichnet Seethaler Lichtblicke eines Lebens, kurze Passagen oder Knapp-Biographien der Figuren, die aus der Distanz des Todes zurückblicken. Hat man sich als Leser mit einer Figur angefreundet und wäre interessiert an weiteren Schilderungen, ist das Kapitel zu Ende, und man muss sich der nächsten zuwenden.

Jeder könnte Protagonist eines eigenen Romans sein. Was der Autor wohl nicht gewollt hat.

Von welchem Ort sich die Toten melden, spielt keine Rolle. Mehrmals wird gesagt, dass Gott nicht existiert (und somit kein ewiges Leben in irgendeinem Jenseits), dass man aber als Toter Erinnerungen besitzt, den liebsten Menschen zugewandt bleibt und das Sterben in der Rückschau als ganz natürlich und nicht besonders schlimm empfindet.

Seethaler schreibt großartig in ruhiger, einprägsamer und poetischer Sprache. Für die Lebendigkeit seiner Figuren sorgen vor allem seine ungewöhnlichen Bilder und der ihm eigene Blick auf die entscheidenden und besonderen Merkmale.

Ein empfehlenswertes Buch, aber: Nicht täuschen lassen von der Gattungsbezeichnung „Roman“.

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Ein dichter, poetischer und philosophischer Roman, der die literarische Qualität seines Vorgängers bestätigt
»Was liest Du?«-Rezension von Winfried Stanzick, am 08.08.2018

Robert Seethaler, Das Feld, Hanser Berlin 2018, ISBN 978-3-446-26038-2

 

Bei zahllosen Besuchen der Gräber meiner Verwandten auf unserem Friedhof in den letzten Jahren und bei unzähligen Beerdigungen, die ich als Pfarrer leitete, in den letzten beiden Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts habe mich oft gefragt, was wohl all die Toten um mich herum erzählen würden, wenn sie auf ihr Leben nach einiger Distanz von wo auch immer zurückblicken könnten.

 

Zu Beginn des neuen kleinen Romans von Robert Seethaler, der gleich nach seinem Erscheinen die Bestsellerlisten anführt, sitzt ein alter Mann auf seiner Bank auf dem Friedhof des erdachten Städtchens Paulstadt. Immer sitzt er da und hat sehr oft den Eindruck, die Toten würden ihm ihre Geschichten einflüstern.

 

Und Robert Seethaler lässt sie erzählen. Oft sind es nur wenige Sätze, manchmal bedrückende Lebensgeschichten. Da ist der depressive Pfarrer, der eines Tages die Kirche anzündet und dabei umkommt. Viele andere Tote nehmen in ihren Berichten auf dieses unglaubliche Geschehen Bezug, von dem ganz Paulstadt noch sehr lange spricht.

Da ist die Frau, die 67 Männer hatte, aber nur einen wirklich liebte. Die Frau, die an ihren dicken Mann denkt, mit dem sie viel Spaß hatte, auch im Bett und die einfach glücklich war mit ihm.

 

Die vielen kleinen Porträts verweben sich mit der Zeit miteinander und deutlich wird so etwas wie eine kleine Sozialgeschichte einer kleinen Stadt mit all ihren Geheimnissen und kleinen und großen Geschichten. Egal, was die Toten über ihr Leben zu sagen haben: Robert Seethaler konfrontiert mit ihren Erzählungen den Leser mit existentiellen Fragen: Was macht eigentlich ein Leben aus? Was macht mein Leben aus? Wann kann man am Ende des Lebens sagen, man habe gut gelebt? Gibt es überhaupt so etwas wie ein gutes Leben, wenn es doch früher oder später mit dem Tod endet, ein Tod, der in vielen Geschichten quälend gekommen ist und für nicht wenige eine Erlösung war.

 

Robert Seethalers Buch, in dem 29 Tote auf ihr Leben zurückblicken, übt je länger je mehr einen regelrechten Sog aus auf den Leser, weil er sie so lebendig schildern lässt, was ihr Leben ausmachte. Sehr tröstlich ist, dass die meisten Erzähler ihren Tod relativ gelassen nehmen.

Einer drückt das so aus:

"Im Grunde genommen verstehe ich ja nichts von der Liebe, und vom Leben weiß ich nur, dass man es zu leben hat. Aber immerhin habe ich jetzt vom Sterben eine Ahnung: Es beendet die Sehnsucht, und wenn man stillhält, tut es gar nicht weh."

 

Ein dichter, poetischer und philosophischer Roman, der die literarische Qualität seines Vorgängers bestätigt.

 

 

 

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Wenn die Toten auf ihr Leben zurückblicken könnten, wovon würden sie erzählen? Einer wurde geboren, verfiel dem Glücksspiel und starb. Ein anderer hat nun endlich verstanden, in welchem Moment sich sein Leben entschied. Eine erinnert sich daran, dass ihr Mann ein Leben lang ihre Hand in seiner gehalten hat. Eine andere hatte siebenundsechzig Männer, doch nur einen hat sie geliebt. Und einer dachte: Man müsste mal raus hier. Doch dann blieb er. In Robert Seethalers neuem Roman geht es um das, was sich nicht fassen lässt. Es ist ein Buch der Menschenleben, jedes ganz anders, jedes mit anderen verbunden. Sie fügen sich zum Roman einer kleinen Stadt und zu einem Bild menschlicher Koexistenz.

Seethaler, Robert Robert Seethaler, geboren 1966 in Wien, ist ein vielfach ausgezeichneter Schriftsteller und Drehbuchautor. Seine Romane "Der Trafikant" (2012) und "Ein ganzes Leben" (2014) wurden zu großen internationalen Publikumserfolgen. 2018 ist sein neuer Roman "Das Feld" erschienen. Robert Seethaler lebt in Wien und Berlin.