Das Ungeheuer (Buch)

Roman. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2013

Buch
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Eine der wichtigsten Gegenwartsautorinnen Ausgezeichnet mit dem Georg-Büchner-Preis 2018. "Solche Geschichten gibt's, zu Hauf. Ingenieur gewesen, Job verloren, Frau verloren, auf der Straße gelandet": Kein... (weiter)

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Details
AutorIn Terézia Mora
Seiten 681
EAN 9783630873657
Sprache deutsch
erschienen bei Luchterhand Literaturvlg.
Erscheinungsdatum 02.09.2013
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø3.1 | 8 Meinungen

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Verbrannte Asche
»Was liest Du?«-Rezension von wal.li, am 02.11.2014

Einigen dürfte Darius Kopp schon aus „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ bekannt sein. Ein etwas oberflächlicher Typ, zunächst ein Wendegewinnler, doch nun eher ein Looser. Nicht besonders sympathisch, allerdings würde man ihm doch ein anderes Schicksal gönnen, denn seine Frau Flora hat sich vor fast einem Jahr umgebracht und über diesen Schlag kommt er nicht hinweg. Er verkriecht sich in seiner Wohnung und später wird er von einem Freund aufgenommen. Erst als er die Übersetzung von Floras Tagebuch, das sie in ihrer Muttersprache Ungarisch verfasst hat, rafft sich Kopp wieder etwas auf. Er will Floras Heimat besuchen und vielleicht herausfinden weshalb sie sich das Leben nahm.

 

Darius’ Leid am Tod seiner Frau lässt sich beim Lesen mitfühlen, keine Hilfe ist in Sicht. Gerade eine Selbsttötung ist für die Hinterbliebenen schwer zu verarbeiten. Oft macht man sich Vorwürfe, warum man nichts gemerkt oder getan hat. Man empfindet aber auch Wut, weil der Verstorbene nicht geredet hat, keine Hilfe suchte und schließlich seine Lieben einfach so im Stich ließ. Beinahe kann einem Darius Kopp sympathisch werden. Man meint ihm den Aufbruch gönnen zu wollen, seine Reise zu Flora und ihren Wurzeln. Ihre Depression, unter der sie wohl schon seit Ewigkeiten litt, ließ letztlich keine Heilung zu, eine chronische Krankheit, die mit dem Tode endete. Das Tagebuch bietet eine Einblick in ihren Kampf um psychische Gesundheit und ihr langsames Scheitern. Zu seiner Enttäuschung kommt Darius kaum darin vor, was also mag er ihr bedeutet haben. Doch auch Darius muss sein Tal durchwandern, manchmal könnte Hoffnung bestehen, dann wieder kommt eine Phase der Ziellosigkeit, des aus dem Auge verlieren des eigentlichen Zweckes. 

 

Beginnt die Erzählung zunächst wirklich hervorragend, einfühlsam die Trauerarbeit beschreibend, so wandelt sie sich im Verlauf auch nach mehrmaligen Lesens einiger Passagen in etwas Unverständliches, Verschwurbeltes. Sicher ist es wahrscheinlich genau das, was nach einem Suizid bleibt. Dennoch wünschte man als Leser etwas mehr Klarheit, um die Andeutungen eine Richtung zu geben. So ist dieser Roman zwar ergreifender als sein Vorgänger, lässt aber doch das letzte Quentchen vermissen. Die Art, die Seiten des Buches in einen oberen Darius-Teil und einen unteren Floras-Tagebuch-Teil aufzuteilen, gibt dem Buch etwas eigentümlich besonderes, was das Lesen zwar etwas verlangsamt, dafür aber die Aufmerksamkeit erhöht - ein echter Pluspunkt.

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Interessante Geschichte, schlechte Umsetzung
»Was liest Du?«-Rezension von Sarah, am 07.02.2014

"Das Ungeheuer". Der Titel und das Cover dieses Buches haben mich sofort neugierig gemacht. Ich hatte mich kurz vorab über das Buch informiert und habe mir eine Menge davon versprochen. Ich fand die Idee die hinter dem Ganzen steht unglaublich faszinierend. Leider wurde ich ziemlich enttäuscht.

Die Art und Weise wie das Buch geschrieben und gestaltet ist, macht es unglaublich mühsam der Geschichte zu folgen und alles zu greifen, was wichtig wäre um sich vollkommen in die Stor hineinzuversetzen. Diese Unterteilung in das "Roadmovie" und das "Tagebuch der Verrückten" ist nicht unbedingt etwas, an das sich jeder Leser gewöhnen kann und will. 

Das "Roadmovie" ist streckenweise ganz witzig zu lesen allerdings ist es wenn man es genau betrachtet totaler Schwachsinn. Ich meine da verliert ein durchschnittlicher Mann mittleren Alters seine Frau, da sie Selbstmord begeht. All die Zeit merkt er nicht, dass seine Frau an einer bipolaren Störung leidet. Letzten Endes fasst er den Entschluss den perfekten Ort für die Beisetzung der Asche zu finden und kutschiert diese verdammte Urne quer durch Europa (Anmerkung: Der Typ hat seinen Job verloren. Hat aber nie irgendwelche finanziellen Probleme.) und am Ende hat er eigentlich nichts erreicht. 

Die Gedankengänge seiner Frau ist konfus, unstrukturiert und nicht unbedingt verständlich. Ich habe keine Ahnung wie es im Kopf eines solchen Menschen ausschaut, aber es fiel mir unglaublich schwer aus diesem "Tagebuch" schlau zu werden. Der so ziemlich anstrengenste Teil des Romans.

Man merkt durchaus, dass sich die Autorin vorher eingehend mit dem thema auseinandergesetzt hat. Leider scheitert es an der Umsetzung der ganzen Geschichte. Alles in Allem eine wirklich spitzenmäßige Idee, aber die Idee kann noch so gut sein ... es bringt nichts wenn sie schecht umgesetzt ist und den Leser so gar nicht in seinen Bannzieht. Schade!

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Eine der wichtigsten Gegenwartsautorinnen Ausgezeichnet mit dem Georg-Büchner-Preis 2018. "Solche Geschichten gibt's, zu Hauf. Ingenieur gewesen, Job verloren, Frau verloren, auf der Straße gelandet": Kein außergewöhnliches Schicksal vielleicht auf den ersten Blick, doch Terézia Moras Romanheld Darius Kopp droht daran zu zerbrechen. Denn Flora, seine Frau, die Liebe seines Lebens, ist nicht einfach nur gestorben, sie hat sich das Leben genommen, und seitdem weiß Darius Kopp nicht mehr, wie er weiter existieren soll. Schließlich setzt er sich in seinen Wagen, reist erst nach Ungarn, wo Flora aufgewachsen ist, und dann einfach immer weiter. Unterwegs liest er in ihrem Tagebuch, das er nach ihrem Tod gefunden hat, und erfährt, wie ungeheuer gefährdet Floras Leben immer war - und dass er von alldem nicht das Geringste mitbekommen hatte. Arbeit und Schlaf, Arbeit, Arbeitsweg und Schlaf. So sah das erfolgreiche Leben von Darius Kopp aus. Bis er eines Tages den Job verlor. Und bis sich bald darauf seine Frau das Leben nahm und ihm zum zweiten Mal in kürzester Zeit der Teppich unter den Füßen weggezogen wurde. Seitdem lebt er apathisch dahin, tötet die Zeit mit stumpfem Fernsehen und Fertigpizzen. Sein Freund Juri versucht Darius zwar wieder zurück in sein altes Leben als IT-Experte zurückzubefördern, doch dieser beschließt, eigene Wege zu gehen. Er wollte doch das geheime Tagebuch seiner Frau lesen, und er muss auch noch ihre Urne beisetzen. Aber wo? In ihrem ungarischen Heimatdorf oder in Budapest oder an den Hängen des Ararat? Und so begibt sich Darius Kopp auf eine lange Reise - auf der Suche nach der Wahrheit über seine Frau. Über sich selbst. Und über diese dunkle und ungeheuere Welt.

Mora, Terézia Terézia Mora wurde 1971 in Sopron, Ungarn, geboren und lebt seit 1990 in Berlin. Für ihren Roman "Das Ungeheuer" erhielt sie 2013 den Deutschen Buchpreis. Ihr literarisches Debüt, der Erzählungsband "Seltsame Materie", wurde mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Für ihr Gesamtwerk wurde ihr 2018 der Georg-Büchner-Preis zugesprochen. Terézia Mora zählt außerdem zu den renommiertesten Übersetzern aus dem Ungarischen.