Der Sommer meiner Mutter

Der Sommer meiner Mutter (Buch)

Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019 (Longlist)

Buch
Für Bewertung bitte einloggen!

Sommer 1969. Während auf den Straßen gegen den Vietnamkrieg protestiert wird, fiebert der elfjährige Tobias am Stadtrand von Köln der ersten Mondlandung entgegen. Zugleich trübt sich die harmonische... (weiter)

€ 19,95 *
Preis
inkl MwSt.

Auch erhältlich als:
eBook EPUB 15,99
  • sofort lieferbar
  • portofreie Lieferung innerh. Deutschland
  • Geschenkverpackung möglich

Details
AutorIn Ulrich Woelk
Edition 3. Aufl.
Seiten 189
EAN 9783406734496
Sprache deutsch
erschienen bei Beck C. H.
Erscheinungsdatum 25.01.2019
Stichwörter Roman
Literatur
Belletristik
Ulrich Woelk
Köln
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.4 | 15 Meinungen

davon Rezensionen:
Ø 4.4 |  8 Rezensionen
davon Bewertungen:
Ø 4.4 |  7 Bewertungen

5 Sterne
( 3 )
4 Sterne
( 4 )
3 Sterne
2 Sterne
1 Stern

Sommer 1969
»Was liest Du?«-Rezension von Giselle74, am 07.10.2019

Ulrich Woelks Roman über den einen, den besonderen Sommer, der ein ganzes Leben verändern kann, ist schmal, aber intensiv. Und schon der erste Satz gibt die Richtung vor, die alle Ereignisse nehmen werden:

"Im Sommer 1969, ein paar Wochen nach der ersten bemannten Mondlandung, nahm sich meine Mutter das Leben."

Der elfjährige Tobias kann es kaum erwarten, das erste Mal soll ein Mensch den Mond betreten. Fast genauso wie für die Mondlandung, interessiert er sich aber bald für die Tochter der neuzugezogenen Nachbarn. Und auch zwischen den Erwachsenen scheint es zu knistern...
Auf gerade einmal 189 Seiten läßt Woelk ein ganzes Jahrzehnt aufleben, vor allem das Spannungsfeld zwischen Emanzipation und der Hausfrau am heimischen Herd. Die Nachbarsfrau ist moderner, freier, geht zu Demonstrationen, trägt Jeans. Die zaghaften Versuche von Tobias' Mutter, es ihr gleich zu tun, werden in der Familie nicht gut aufgenommen. Die engen Grenzen, zwischen denen Frauen noch vor gar nicht so viel Jahren leben mussten, werden präzise aufgezeigt. Im Grunde geht es um nicht weniger als eine Revolution und ihre Opfer.
Woelks Konzept ist dabei ebenso einfach wie effektiv, wie nebenbei läßt er Mode, Design und Stil der Endsechziger einfließen. Der ganze Roman wirkt so wie ein Fotoalbum voller alter Polaroidbilder: der erste Wagen der Mutter, Schwarzweiß-Fernseher, Hosen mit Bügelfalten, griechisches Essen.
Hier sitzt jeder Satz, jedes Wort. Länger hätte der Roman nicht sein dürfen, nicht ohne wässriger zu werden. Ohne Abschweifungen und Umwege erzählt Tobias seine Geschichte, eine Geschichte von Liebe, Freiheit und Schuld, genauso schön wie beklemmend.
Für mich steht "Der Sommer meiner Mutter" zu Recht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis als einer der herausragenden Romane dieser Saison.

mehr zeigen ...

Sommer 1969 - was für eine Zeit!
»Was liest Du?«-Rezension von Yexxo, am 28.09.2019

Wie wahrscheinlich die meisten Menschen auf der Welt fiebert der 11jährige Tobias 1969 der ersten Mondlandung entgegen. Doch für ihn ist dies nicht das einzig Aufregende in dieser Zeit: Bei ihnen daheim sind nebenan neue Nachbarn eingezogen, die sich bald gut mit seinen Eltern verstehen. Und Tobias sich mit deren 13jähriger Tochter. Trotz der jeweilig sehr unterschiedlichen Ansichten vertiefen sich die Beziehungen und nicht nur Tobias macht neue Erfahrungen.
Eigentlich sind diese knapp 190 Seiten eine Tragödie, die bereits mit dem ersten Satz dargestellt wird. Doch wie es dazu gekommen ist, schildert der erwachsene Ich-Erzähler im Namen seines elfjährigen Alter Ego so abwechslungsreich und interessant, dass ich immer wieder vergessen habe, welch ein dramatisches Ende das Ganze nimmt. Vielleicht empfinden es jüngere Lesende nicht ganz so, denn vermutlich liegt es daran, dass es für mich auch eine Reise in meine Kindheit war. Ulrich Woelk lässt Tobias diese Zeit so detailgetreu beschreiben, dass ich beinahe auf jeder Seite Aha-Effekte hatte. Die typische Klein-Familie, in der die Frau Hausfrau ist, weil der Mann genug verdient und sie es nicht nötig hat zu arbeiten. Wo das Tragen einer Jeans für eine erwachsene Frau fragwürdig ist. Wo man E605 sorglos in die Obstbäume sprüht. Kaum zu glauben, dass all dies gerade einmal 50 Jahre her ist.
Tobias erzählt in kurzen Sätzen, schnörkellos und geradeheraus, so wie ich mir vorstellen kann, wie ein Junge in diesem Alter erzählen würde. Auch die Eingeengtheit seiner Mutter wird überdeutlich; wie sie gefangen ist durch die Erwartungen, die (nicht nur) ihr Sohn an sie hat und damit ihren eigenen persönlichen Wünschen nur sehr eingeschränkt gerecht werden kann. Es war keine gute Zeit für Menschen, die eine andere Vorstellung vom Leben hatten als die Mehrheit der Gesellschaft.
Insgesamt ein schönes Buch: für die Einen als Erinnerung wie es einmal war (und hoffentlich nie wieder sein wird). Und für die Anderen um zu erfahren, wie ihre Eltern aufgewachsen sind.

mehr zeigen ...

Alle Rezensionen ansehen

Sommer 1969. Während auf den Straßen gegen den Vietnamkrieg protestiert wird, fiebert der elfjährige Tobias am Stadtrand von Köln der ersten Mondlandung entgegen. Zugleich trübt sich die harmonische Ehe seiner Eltern ein. Seine Mutter fühlt sich eingeengt, und als im Nachbarhaus ein linkes, engagiertes Ehepaar einzieht, beschleunigen sich die Dinge. Tobias, eher konservative Eltern freunden sich mit den neuen Nachbarn an, und deren dreizehnjährige Tochter, Rosa, eigenwillig und klug, bringt ihm nicht nur Popmusik und Literatur bei, sondern auch Berührungen und Gefühle, die fast so spannend sind wie die Raumfahrt. Auch die Eltern der beiden verbringen viel Zeit miteinander, zwischen den Paaren entwickelt sich eine wechselseitige Anziehung - "Wahlverwandtschaften" am Rhein. Und während Armstrong und Aldrin sich auf das Betreten des Mondes vorbereiten, erleben Tobias und seine Mutter beide eine erotische Initiation... Ulrich Woelk erzählt spannend, atmosphärisch dicht und herzzerreißend von einem Aufbruch, persönlich und politisch, der tragisch endet.

Ulrich Woelk, geboren 1960, studierte Physik und Philosophie in Tübingen. Sein erster Roman, "Freigang", erschien 1990 und wurde mit dem Aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet. Woelk lebt als freier Schriftsteller und Dramatiker in Berlin. Seine Romane und Erzählungen sind unter anderem ins Englische, Französische, Chinesische und Polnische übersetzt.