Der Zopf meiner Großmutter (Buch)

Roman

Buch
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Meine Großmutter, mein Großvater, seine Geliebte und ich. "Ich kann mich genau an den Moment erinnern, als mein Großvater sich verliebte. Es war klar, dass die Großmutter nichts davon mitkriegen sollte.... (weiter)

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Details
AutorIn Alina Bronsky
Seiten 224
EAN 9783462051452
Sprache deutsch
erschienen bei Kiepenheuer & Witsch GmbH
Erscheinungsdatum 09.05.2019
Stichwörter Demenz
Entwurzelung
Jugend
Humor
Identitätssuche
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.1 | 134 Meinungen

davon Rezensionen:
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Die Familientyrannin: Ernste Themen hinter humoristischer Fassade
»Was liest Du?«-Rezension von anushka, am 08.08.2019

Maxim ist mit seinen Großeltern aus der ehemaligen Sowjetunion geflüchtet. Juden sind der Großmutter zwar suspekt, aber als Tarnung sind sie allemal gut. Denn die Großmutter hat die Familie als Juden ausgegeben um als Kontingentflüchtlinge angenommen zu werden, Seine Eltern kennt Maxim nicht. Die Mutter ist tot, den Vater braucht er nicht zu kennen. Hat die Großmutter beschlossen. Überhaupt braucht Maxim nicht alles zu wissen. Schließlich ist er ein Trottel, wie die Großmutter nicht müde wird zu betonen. Ihr Schicksal ist doppelt und dreifach schwer, erzählt sie jedem, der es nicht hören will, denn sie muss sich um diesen "Trottel" kümmern. Der noch dazu alle möglichen Krankheiten hat und der deswegen nur pürierte Schonkost essen darf. Die Großmutter führt in dieser kleinen Familie ein strenges Regiment, inmitten des Flüchtlingsheims und einem fremden Land, in dem die Ärzte völlig inkompetent sind (genauso übrigens wie die Lehrer), weil sie Maxim für gesund erklären. So merkt sie schließlich als letzte, dass der Großvater sich verliebt hat.

Der Humor in diesem kleinen Büchlein ist schon recht bissig und vordergründig vermittelt es den Eindruck, dass es darum geht, sich über eine "wunderliche Alte" lustig zu machen. Doch so oft man auch den Kopf über diese tyrannische Frau schütteln will, deren Markenzeichen der hennagefärbte lange Zopf ist, hat das Buch auch seine nachdenklichen Töne. Die Großmutter ist gefangen in ihrer Weltsicht, die nicht selten alle anderen, deren Religionen und Lebensweisen abwertet. Doch man merkt auch immer wieder, dass sie in diesem Land, dessen Sprache sie nicht versteht, die Maxim in Eltern-Lehrer-Gesprächen großzügig frei interpretiert übersetzt, ziemlich verloren ist. Damit diese Familie nicht auseinander bricht, geht sie schließlich eine ungewöhnliche Konstellation ein. Was die Großmutter allerdings nicht weniger herrisch macht. Letztlich zeigt sich aber, dass die Großmutter die Menschen in ihrem Umfeld liebt, dies aber oft auf ihre ziemlich eigene Art zeigt.
Die Autorin hat die Figuren interessant gezeichnet, wenn auch viele davon überspitzt dargestellt sind, vor allem die Großmutter, die mir zwischenzeitlich ordentlich auf die Nerven ging. Manchmal ging es meiner Meinung nach auch zu oft darum, die Großmutter unmöglich zu machen, während mitunter eigentlich ernstere Themen wie Verlustängste oder Angst vor dem Unbekannten dahinter standen.
 
Stilistisch hat mir das Buch sehr gut gefallen. Die Autorin hat einen tollen Stil und arbeitet die Figuren sehr ausführlich aus. Die Geschichte wird aus Maxims Sicht erzählt, sodass man auch immer eine Gegenperspektive zur Wahrnehmung der Großmutter bekommt und daher nicht selten den Kopf über ihre Ansichten schüttelt. Inhaltlich war mir die tiefere Bedeutung oft zu versteckt und der humoristische Anteil zu vordergründig, sodass die Geschichte manchmal trivial und wenig substanziell wirkte, obwohl sie es gar nicht war. Für meinen Geschmack ist es einfach ein Augenzwinkern zu viel, aber das ist reine Geschmackssache.

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ein alter Zopf
»Was liest Du?«-Rezension von Venice, am 04.08.2019

Maxim kommt mit seinen Großeltern als jüdische Kontingentflüchtlinge von Russland nach Deutschland. Die Großmutter behütet den kleinen Maxim und dichtet ihm jede Menge Krankheiten an und füttert ihn nur mit salzlosem Haferschleim. Dem Urteil des deutschen Arztes, der Junge sei kerngesund, kann sie nicht akzeptieren. An dem Kuchen zu seinen Geburtstagen darf er nur riechen aber nichts essen. Die Großmutter hat eine jüdische alleinerziehende Frau mit ihrer Tochter eingeladen. Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf. Der Großvater verliebt sich in die junge Frau und zeugt ein Kind mit ihr.

Als der kleine Tschingis geboren wird kann niemand den Vater leugnen. Da die junge Frau überfordert ist, zieht Margo den Kleinen mit auf, das Schicksal der beiden Familien vermischt sich.

Die Personen werden gut dargestellt, die Geschichte aus Sicht von Maxim erzählt ist teilweise sehr humorvoll wird gegen Ende aber zusehends abstrus und sehr überzeichnet und anstrengend zu lesen.

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Meine Großmutter, mein Großvater, seine Geliebte und ich. "Ich kann mich genau an den Moment erinnern, als mein Großvater sich verliebte. Es war klar, dass die Großmutter nichts davon mitkriegen sollte. Sie hatte schon bei geringeren Anlässen gedroht, ihn umzubringen, zum Beispiel, wenn er beim Abendessen das Brot zerkrümelte." Kaum jemand kann so böse, so witzig und rasant von eigenwilligen und doch so liebenswerten Charakteren erzählen wie Alina Bronsky: Max' Großmutter soll früher einmal eine gefeierte Tänzerin gewesen sein. Jahrzehnte später hat sie im Flüchtlingswohnheim ein hart-herzliches Terrorregime errichtet. Wenn sie nicht gerade gegen das deutsche Schulsystem, die deutschen Süßigkeiten oder ihre Mitmenschen und deren Religionen wettert, beschützt sie ihren einzigen Enkel vor dem schädlichen Einfluss der neuen Welt. So bekommt sie erst als Letzte mit, dass ihr Mann sich verliebt hat. Was für andere Familien das Ende wäre, ist für Max und seine Großeltern jedoch erst der Anfang. Ein Roman über eine Frau, die versucht, in einer Gesellschaft Fuß zu fassen, die ihr entgleitet. Über einen Mann, der alles kontrollieren kann außer seine Gefühle. Über einen Jungen, der durch den Wahnsinn der Erwachsenen navigiert und zwischen den Welten vermittelt. Und darüber, wie Patchwork gelingen kann, selbst wenn die Protagonisten von so einem seltsamen Wort noch nie gehört haben.

Alina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinburg/Russland, lebt seit Anfang der Neunzigerjahre in Deutschland. Ihr Debütroman »Scherbenpark« wurde zum Bestseller, fürs Kino verfilmt und ist inzwischen beliebte Lektüre im Deutschunterricht. Es folgten die Romane »Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche« und »Nenn mich einfach Superheld«. »Baba Dunjas letzte Liebe« wurde für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert und ein großer Publikumserfolg. Die Rechte an Alina Bronskys Romanen wurden in zwanzig Länder verkauft. Sie lebt in Berlin.