Die Geschichte eines neuen Namens (Buch)

Roman

Elena Ferrante

Übersetzung: Karin Krieger

Buch
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Lila und Elena sind sechzehn Jahre alt, und sie sind verzweifelt. Lila hat noch am Tage ihrer Hochzeit erfahren, dass ihr Mann sie hintergeht - er macht Geschäfte mit den allseits verhassten Solara-Brüdern, den... (weiter)

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Details
AutorIn Elena Ferrante
Übersetzung Karin Krieger
Seiten 623
EAN 9783518425749
Sprache deutsch
erschienen bei Suhrkamp Verlag AG
Erscheinungsdatum 30.01.2017
Ursprungstitel Storia del nuovo cognome
Stichwörter Muttertagsgeschenk
Freundinnen
21. Jahrhundert
Spiegelbestseller
Meine geniale Freundin
Rezensionen
Gesamtmeinung:
Ø4.2 | 107 Meinungen

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Fortsetzung einer schwierigen Freundschaft
»Was liest Du?«-Rezension von Arbutus, am 12.04.2018

Hart und schmerzvoll wird mein Wissen wieder auf den Stand gebracht, den es gegen Ende des ersten Bandes hatte - dies ist jetzt leider ein Jahr her, so dass ich mich zur Sicherheit mal durch den Prolog der Personenbeschreibungen quäle. Diesmal ist es aber, im Gegensatz zu dem im ersten Band, durchaus hilfreich, dieses Verzeichnis. Ich gebe zu, dass ich im Folgenden hin und wieder spicken musste, um nicht den Überblick zu verlieren.

Lilas Ehe beginnt mit einem katastrophalen Fehlstart. Noch in der Hochzeitsnacht zieht sie, die allzeit Kompromisslose, die sich verraten und verkauft fühlt, den Schlussstrich der inneren Emigration. Stefano reagiert in seiner Hilflosigkeit mit der einzigen Verhaltensregel, die man im Rione lernt: Prügel und Vergewaltigung. Als Leser hat man in diesem Band eine Menge zu schlucken. Auch Lenú beschreibt als Ich-Erzählerin wieder ihre eigenen egoistischen Gemütszustände, die jeder andere normalerweise halb unwissend ganz tief in sich verbergen würde. Dabei ist sie dermaßen direkt, dass einem vor Ekel schon mal die Luft wegbleibt, besonders, wenn Lenú mitten im derbsten Sex mit Antonio daran denkt, dass sie dies eigentlich nur tut, um Lila eifersüchtig zu machen.

Aus der unheilvollen Abhängigkeit wird eine missbräuchliche Freundschaft. Lila benutzt Lenú und ihre Bedürfnisse, um diese noch dümmer und hässlicher dastehen zu lassen. Und ausgerechnet in dem Augenblick, in dem Elena (Lenú) sich ihrer eigenen missgünstigen Gedanken gegenüber ihrer Freundin bewusst wird und sich dafür schämt, hat Lila so übertrieben mit dem Ausspielen ihrer Hochbegabtenkarte, dass Elena dringend eine Lila-Pause einlegen sollte. Dies wird aber ihr schlechtes Gewissen verhindern. Stattdessen beginnt sie, ihre Freundin besser zu verstehen, analysiert mit scharfem Blick deren Furcht davor, so zu werden wie die älteren Frauen des Rione, und sieht auf einmal selber alle Frauen mit völlig neuen Augen. Das alles ist so genial erzählt (und übrigens auch übersetzt), dass es, wie ich finde, die gewöhnliche Sterne-Bewertung sprengt.

Wenn man diesen zweiten Band liest, ahnt man, warum die Autorin unter Pseudomym schrieb (das leider von einem trotteligen, sensationsgeilen Journalisten aufgedeckt wurde). Mafiöse Strukturen der Heimatgosse, genannt Rione, treten nun klarer hervor. Es wird sehr spannend.

Mir gefällt es, dass Personen nie einseitig charakterisiert werden. Wenn man gerade angefangen hat, sie zu verabscheuen, zeigen sie plötzlich andere Seiten ihres Charakters, die einen versöhnlich stimmen. Nur mit Lila wird es von Kapitel zu Kapitel schwerer. Aber gerade für sie hat die Autorin ein schier unendliches Verständnis. Der Leser wird schon manchmal wütend auf die Handelnden, die Autorin nie.

Lila, der eine bessere Bildung verwehrt blieb, tritt nun, als wohlhabende Ehefrau, als Lenús Förderin auf. Diese Lila-Lenú-Lerngemeinschaft hat durchaus etwas Guerillamäßiges. Wenn sie Lenú nicht schon wieder in diese ungesunde Abhängigkeit treiben würde. Ein erster Wendepunkt kommt mit der Party bei Prof. Galiani. Auf einmal wird Elena wertgeschätzt. Sie blüht geradezu auf. Sogar Nino, ihr heimlicher Schwarm, wird auf sie aufmerksam. Und, wie könnte es anders sein, Lila kann ihr diese Freunde nicht gönnen. So traurig. Und um Elena macht man sich als mitfühlender Leser allmählich Sorgen. Anstatt ständig für Lila den Fußabtreter zu geben, sollte sie endlich anfangen, ihr eigenes Leben zu leben. Argumentationsketten junger Menschen sind nicht immer logisch. Oft möchte man Elena an den Schultern packen und fest rütteln. Es wird immer mehr die Geschichte eine Missbrauchs. Und gleichzeitig eines unerträglichen Mitläufertums.

Lila ist schwer einzuordnen. Sie entzieht sich jeder Schublade. Die Verwandten rätseln vergeblich, ob sie auf der Seite ihrer Familie oder auf der Seite der Solaras steht. Ist alles, was Lila tut, nur eine billige Vergeltungsmaßnahme? Um sich dafür zu rächen, dass sie es nie aus dem Rione herausschaffen wird? Lenú aber schon? Aber mit dieser Konsequenz hat sich Lila ihr eigenes unerbittliches Urteil gesprochen.

Warum es am Ende trotzdem ein wunderbares Buch ist? Am Ende haben beide Freundinnen endlich etwas kapiert. Mehr muss ich hier wohl nicht verraten.

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Kein Bella Vita
»Was liest Du?«-Rezension von ulrike rabe, am 25.02.2018

Der zweite Band der Neapolitanischen Saga schließt lückenlos an den Vorgänger an. Lila findet sich mit 16 Jahren in einer lieblosen Ehe mit Stefano wieder, während Elena sich auf den Schulabschluss im Gymnasium vorbereitet. Während einer Sommerfriische auf Ischia, wo sich Lila von einer Fehlgeburt erholen soll, beginnt sie eine verhängnisvolle Affäre mit Nino Sarratore, dem jungen Studenten, in den Elena schon als Mädchen verliebt war. Aber auch für Elena bleibt dieser Aufenthalt auf Ischia nicht ohne Folgen. Die Freundschaft zwischen den beiden jungen Frauen erlebt eine schwere Zerreißprobe.

Aus Elena und Lila sind nun erwachsene Frauen geworden. Ihre Leben entwickeln sich völlig unterschiedlich. Elena schafft es dem Rione zu entkommen und in Pisa zu studieren. Sie emanzipiert sich, schafft sich ein neues Leben. Lila hingegen erlebt einen Abstieg in desolate Verhältnisse, die man sich kaum vorstellen mag.

Auch in diesem Buch legt Elena Ferrante den Finger auf wunde Punkte in der italienischen Geschichte. Das Leben ist nicht so wie wir es gerne aus Italienurlauben kennen würden, Klassen- und Existenzangst herrscht in den Arbeitervierteln Neapels. Politische, oft brutale Auseinandersetzungen zwischen Faschisten und Kommunisten sind an der Tagesordnung, Gewerkschaft und Camorra, Korruption, Ausbeutung und Revolution im ständigen Widerstreit. Und Lila ist mittendrin, in diesem Geschehen. Elena anderseits bleibt in ihrem Wesen die angepasste, nach außen hin selbstbestimmt, ist sie immer nur dabei, Erwartungen anderer zu erfüllen. Mit einem Buch, das sie schreibt, erfährt ihr Leben allerdings wiederum eine Wendung.

Es ist dieses ständige Wechseln der Möglichkeiten im Leben dieser beiden Frauen, dass diese Lektüre so ansprechend macht. Wie ein Sog zieht es einen beim Lesen in die Geschichte. Man darf auch nach dem dieses Bandes weiterlesen, zwei Bände gibt es noch!

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Lila und Elena sind sechzehn Jahre alt, und sie sind verzweifelt. Lila hat noch am Tage ihrer Hochzeit erfahren, dass ihr Mann sie hintergeht - er macht Geschäfte mit den allseits verhassten Solara-Brüdern, den lokalen Camorristi. Für Lila, arm geboren und durch die Ehe schlagartig zu Geld und Ansehen gekommen, brechen leidvolle Zeiten an. Elena hingegen verliebt sich Hals über Kopf in einen jungen Studenten, doch der scheint nur mit ihren Gefühlen zu spielen. Sie ist eine regelrechte Vorzeigeschülerin geworden, muss aber feststellen, dass das, was sie sich mühsam erarbeitet hat, in ihrer neapolitanischen Welt kaum etwas gilt. Trotz all dieser Widrigkeiten beharren Lila und Elena immer weiter darauf, ihr Leben selbst zu bestimmen, auch wenn der Preis, den sie dafür zahlen müssen, bisweilen brutal ist. Woran die beiden jungen Frauen sich festhalten, ist ihre Freundschaft. Aber können sie einander wirklich vertrauen? Elena Ferrante hat einen Weltbestseller geschrieben. Ein Gipfelwerk der zeitgenössischen Literatur. Und einen Roman, den man erschüttert und begeistert liest!