Die Letzten ihrer Art (Buch)

Roman

Maja Lunde

Übersetzung: Ursel Allenstein

Buch
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Über Mensch und Tier und das Tier im Menschen: Vom St. Petersburg der Zarenzeit über das Deutschland des Zweiten Weltkriegs bis in ein Norwegen der nahen Zukunft erzählt Maja Lunde von drei Familien, dem... (weiter)

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Details
AutorIn Maja Lunde
Übersetzung Ursel Allenstein
Seiten 636
EAN 9783442757909
Sprache deutsch
erschienen bei Btb
Erscheinungsdatum 21.10.2019
Ursprungstitel Przewalskis hest
Stichwörter Romane Bestseller 2019
Die Geschichte der Bienen
Die Geschichte des Wassers
Buchmesse Frankfurt 2019
Weihnachtsgeschenk
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.1 | 36 Meinungen

davon Rezensionen:
Ø 4.4 |  12 Rezensionen
davon Bewertungen:
Ø 3.9 |  24 Bewertungen

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Ein aufregendes Leseerlebnis, das noch lange nachhallt
»Was liest Du?«-Rezension von Janine2610, am 08.04.2020

"Die Geschichte der Bienen" fand ich gut, "Die Geschichte des Wassers" noch viel besser. Mit "Die Letzten ihrer Art" hat Maja Lunde einen weiteren Klima-Roman geschaffen, der mich ausgesprochen begeistern konnte.

In diesem Buch gibt es wieder drei Zeitstränge: 1881, 1992 und 2064. Diesmal dreht es sich um eine Tierart, die man verzweifelt versucht, am Leben zu erhalten: um Wildpferde. Da Pferde nicht zu meinen Lieblingstieren zählen, habe ich mir anfangs noch gedacht: "Oh, nein! Es geht um Pferde ..." Wider Erwarten hat mich die Geschichte aber dennoch sehr mitgenommen und ich habe durchaus interessiert alles über diese Tiere gelesen. In Lundes bisherigen Büchern geht es vor allem darum, wie die Menschen in gewissen Zukunftsszenarien versuchen am Leben zu bleiben. In "Die Letzten ihrer Art" versucht man nun aber, neben dem Menschen, auch eine andere Spezies überleben zu lassen. Nun fragt man sich wahrscheinlich: Warum gerade Pferde? Gibt es nicht unzählige andere Arten, die ebenfalls am Aussterben sind und Hilfe beim Überleben benötigen würden? Warum also Pferde? Maja Lunde gibt auf diese Frage vor allem im 1992er-Strang eine einleuchtende Antwort, die mir heute noch manchmal im Kopf umgeht ...

Wie in den anderen Büchern habe ich auch hier einen Lieblingsstrang gehabt. Der Zukunftsteil hat mich hier wahrlich am meisten beschäftigt und mitgerissen, denn die dortigen Geschehnisse sind wirklich spannend und teilweise sehr nervenaufreibend. Hierbei handelt es sich um ein dramatisches Zukunftsszenario, das man einfach gebannt verfolgen muss. Man fragt sich ständig: Wie geht's da jetzt weiter? Die Kapitel sind nicht immer besonders lang, weswegen man schnell mal ein paar Kapitel mehr liest als ursprünglich geplant waren.
Immer wieder aufmerksam festgestellt habe ich, dass Lunde ähnliche Umstände in den verschiedenen Zeitsträngen eingebaut hat. Das hat die drei Geschichten zusätzlich miteinander verbunden, was mir sehr gefallen hat. Und was ich noch als sehr positiv und lesenswert angeben muss, ist Lundes feines Gespür für Zwischenmenschliches und ihre Fähigkeit, Kleinigkeiten und Details so bildhaft niederzuschreiben. Das, was sie über die Gefühlswelt, das Innenleben und das, was zwischen den Charakteren "in der Luft schwebt" schreibt, ist dermaßen eindringlich und faszinierend. Diese Geschichte geht wahrlich in die Tiefe und berührt zutiefst. Den einen Protagonisten liebt man, den anderen findet man durch und durch unsympathisch, und trotzdem möchte man am liebsten nie von dem Roman ablassen.

Wer die ersten beiden Klima-Romane von Lunde gemocht hat, wird auch von "Die Letzten ihrer Art" begeistert sein. Die aufwühlenden Geschehnisse, Lundes geschickt feinfühlige Erzählkunst und nicht zuletzt das nicht weit hergeholte Klimaszenario aus 2064, das uns alle in unserer Zukunft so oder so ähnlich betreffen könnte, machen diesen Roman zu einem aufregenden Leseerlebnis, das man so schnell nicht wieder aus dem Kopf bekommt.

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Wo bleibt der Appell?
»Was liest Du?«-Rezension von ulrike rabe, am 28.02.2020

Es ist ein bedeutender Fund, den der russische Forschungsreisende Oberst Przewalski im Jahre 1878 in der Mongolei macht. Es ist der Schädel und das Fell eines Takhi, dem Urpferd. Der Petersburger Zoologe Michail Alexandrowitsch Kowrow reist daraufhin gemeinsam mit dem deutschen Tierfänger in die mongolische Steppe, um lebende Tiere aufzustöbern und für den Zoo einzufangen.

Mehr als hundert Jahre später begibt sich die Tierärztin Karin mit ihrem erwachsenen Sohn Matthias in die Mongolei, um eine Herde Przewalski-Pferde, wie man Takhis dann zu nennen pflegt,  auszuwildern.

In einer nicht mehr ganz so fernen Zukunft, kämpfen Eva und Isa, Mutter und Tochter in Norwegen Europas ums tägliche Überleben. Ihr Tiergarten hat schon längst kein Publikum mehr, die wenigen verblieben Tiere dienen der eigenen Versorgung. Nur die beiden Takhis erfüllen diesen Zweck nicht und trotzdem setzt Eva viel auf Spiel, diese Pferde am Leben zu erhalten.

Die norwegische Autorin Maja Lunde folgt auch in ihrem dritten Band des Klimaquartetts ihrem Muster, mehrere Stränge aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – diesmal vom Zaristischen Russland über den Zweiten Weltkrieg in die heutige Zeit bis in eine postapokalyptische Welt - zu verknüpfen. Alle drei Geschichten verbindet die Geschichte der Pferde, den letzten ihrer Art. Während Michails und Karins immer wieder auf historische Begebenheiten verweisen, ist die dystopische Welt, in der Eva und Isa leben fiktional und schließt an die Geschichte des Wassers an. So begegnen wir auch wieder Louise, dem kleinen Mädchen aus dem zweiten Band des Klimaquartetts. Europa hat die Dürreperiode überstanden, das Leben ist keineswegs gesichert. Die Landstriche sind entvölkert, die Felder liegen brach. Das Wenige zum Überleben wird verteidigt.

Maja Lunde erzählt die Geschichten von Michail, Karin und Eva nicht linear, springt zwischen den Zeitebenen hin und her, verzahnt diese und bringt sie in Beziehung zueinander. Um Beziehungen geht es auch sehr stark in allen drei Erzählsträngen. Da ist die verwirrende und verpönte Liebe Michails zu seinem Begleiter Wolff. Karin sieht ihren Lebensinhalt in der Aufzucht und im Erhalt der alten Pferde, dabei hat sie ihren Sohn schon lange verloren. Auch die Mutter-Tochter Beziehung zwischen Eva und Isa ist von Konflikten getragen. Isa, die 14-jährige will weg von zu Hause, weiter in den Norden, während Eva nicht loslassen kann.

Maja Lunde hat sich mit ihren Romanen zur Aufgabe gemacht, den Klimaschutz literarisch zu vertreten. Sie zeigt die Auswirkungen menschlicher Ignoranz gegenüber der Umwelt und allen schützenswerten Gütern und Lebewesen. Sie sensibilisierte den Leser über die Konsequenzen des Bienensterbens, schilderte eindrücklich wie schnell das Leben ohne Wasservorräte zur Katastrophe führt. Nun sind es die Przewalski-Pferde, die mongolischen Urpferde, wie auch immer man sie nennen mag, Thema im Klimaquartett. Aber welchen Einfluss nehmen denn diese Pferde auf das Ökosystem. Gibt es hier irgendeinen Anreiz für mich, für alle Leser, das eigene Verhalten zu überdenken? Rüttelt mich diese Geschichte auf?

Die Erhaltung von Arten ist eine berechtigte Forderung. Ich unterstütze Maja Lundes Anliegen, für den Klima-, Umwelt und Artenschutz einzutreten, unbedingt. Allerdings verblasst hier meiner Ansicht nach die Dringlichkeit des Appelles hinter der (Pferde)Romantik.

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Über Mensch und Tier und das Tier im Menschen: Vom St. Petersburg der Zarenzeit über das Deutschland des Zweiten Weltkriegs bis in ein Norwegen der nahen Zukunft erzählt Maja Lunde von drei Familien, dem Schicksal einer seltenen Pferderasse und vom Kampf gegen das Aussterben der Arten. Ein bewegender Roman über Freiheit und Verantwortung, die große Gemeinschaft der Lebewesen und die alles entscheidende Frage: Reicht ein Menschenleben, um die Welt für alle zu verändern?

Lunde, Maja Maja Lunde wurde 1975 in Oslo geboren, wo sie auch heute noch mit ihrer Familie lebt. Ihr Roman "Die Geschichte der Bienen" wurde mit dem norwegischen Buchhändlerpreis ausgezeichnet und sorgte auch international für Furore. Das Buch wurde in 30 Länder verkauft, stand monatelang auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste und war der meistverkaufte Roman 2017. Zuletzt erschien der zweite Teil ihres literarischen Klimaquartetts, "Die Geschichte des Wassers".