Die Welt im Rücken

Die Welt im Rücken (eBook)

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Auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2016 «Wenn Sie bipolar sind, hat Ihr Leben keine Kontinuität mehr. Die Krankheit hat Ihre Vergangenheit zerschossen, und in noch stärkerem Maße bedroht sie Ihre Zukunft. Mit... (weiter)

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Details
AutorIn Thomas Melle
Edition 1. Auflage
Seiten 352
EAN 9783644100022
Sprache deutsch
erschienen bei Rowohlt Verlag GmbH
Erstverkaufsdatum 26.08.2016
Stichwörter manisch-depressive Erkrankung
Heilung
Wahnvorstellungen
Bipolare Störung
Befreiung
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Kopierschutz social-drm
Dateigröße 1.01 MB
Veröffentlichungsjahr 2016
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Beeindruckend wirklichkeitsnah
»Was liest Du?«-Rezension von Yvonnen, am 15.05.2017

Thomas Melle wurde 1975 in Bonn geboren, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie in Tübingen, Austin (Texas) und Berlin. Er ist Autor von erzählerischen Werken und Theaterstücken, daneben übersetzt er aus dem Englischen. Sein Debütroman ‚Sickster‘ (2011) war für den Deutschen Buchpreis nomiert und wurde mit dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. 2014 folgte der Roman ‚3000 Euro‘, der ebenso wie „Die Welt im Rücken“ (2016) auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand.

Aufmerksam geworden bin ich auf Thomas Melle jedoch durch seinen Erzählband „Raumforderung“, der 2007 erschienen ist. Mich hatten sein Sprachstil und seine Wortgewalt schon damals tief beeindruckt und so stand ich seinem autobiografischen Buch „Die Welt im Rücken“ gespannt, aber auch eher ängstlich gegenüber, befürchtete ich doch, dass der Autor über seine (und meine) manisch-depressive Erkrankung – auch Bipolare Störung genannt – in einer Form schreiben könnte, die mir zu nahe geht. Und so dauerte es einige Zeit, bis ich dieses Buch endlich zur Hand nahm, weil ich mich gesundheitlich gefestigt genug fühlte, mich mit dem Thema intensiver auseinander zu setzen.

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Belohnt wurde ich mit einem Leseerlebnis der ganz besonderen Art. Thomas Melle erzählt von persönlichen Dramen und langsamer Besserung – und gibt einen außergewöhnlichen Einblick in das, was in einem Erkrankten so vorgeht. Die fesselnde Chronik eines zerrissenen Lebens, ein autobiografisch radikales Werk von höchster literarischer Kraft. Ihm gelingt auf authentische Weise auszudrücken, wofür mir bislang die Worte fehlten und was ich in der Form auch bisher noch nicht gelesen hatte. Einiges, das ich kaum in der Therapie wagte anzusprechen, hatte ich nun verschriftlicht vor mir und fand mich in manchen Gedankengängen und Feststellungen wieder. Anderes habe ich glücklicherweise nicht durchleben müssen, konnte es aber aufgrund der anschaulichen Darstellungsweise nachvollziehen. Es gab mitunter auch Stellen, denen ich nicht ganz folgen konnte, fühlte mich jedoch in die konfuse Gedankenwelt eines Bipolaren stimmig hineinversetzt.

Thomas Melle schreibt über ‚Die Welt im Rücken‘:

„Hier geht es nicht um Abstraktion und Literatur, um Effekt und Drastik. Hier geht es um eine Form von Wahrhaftigkeit, von Konkretion, jedenfalls um den Versuch einer solchen. Es geht um mein Leben, um meine Krankheit in Reinform.“ (S. 56)

Dieses Bestreben halte ich persönlich für sehr gelungen. Außerdem erklärt er:

„Von daher ist dieses Buch ein Versuch, mich von diesem ewigen Wiedergängertum freizuschreiben. Wenn ich mich nämlich nicht freischreibe, bleibe ich stecken, das weiß ich, und meine Texte würden weiter von diesen Doppelgängern bevölkert und beschwert sein, die letztendlich stets nur auf mich verwiesen, mich bloßstellten und gleichzeitig verbärgen. […] Wenn ich nicht wirklich versuche, meine Geschichten einzusammeln, sie zurückzuholen, die Stimme in eigener Sache unverstellt zu erheben, bleibe ich, auch und gerade im Leben, ein Zombie, ein Wiedergänger meiner selbst, genau wie meine Figuren. Gleichzeitig schreibe ich mich natürlich noch weiter ins Abseits, als ich eh schon stehe. Dann bin ich endgültig als ‚der Manisch-Depressive‘ festgesetzt und stehe alleine in der Ecke. […] Und doch ist es auch genau andersherum: Ich stand seit Jahren schon in der Ecke und verlasse sie jetzt.“ (S. 227)

Ein Buch, das mir vielfach aus dem Herzen spricht und mir das Gefühl gibt, mit meinem Bipolaren Wahnsinn nicht allein auf der Welt zu sein…

Vielen Dank, Thomas Melle!

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Großartige Literatur
»Was liest Du?«-Rezension von Sarahs Bücherregal, am 23.10.2016

Der Erzähler in Thomas Melles Roman „Die Welt im Rücken“ beschreibt sein Leben mit bipolarer Störung. Bekannter ist die Krankheit als manische Depression und so empfindet es auch der Erzähler als den passenderen Begriff. Manische Phasen, die bei ihm bis zu einem Jahr oder länger dauern könne, wechseln sich ab mit tiefen Depressionen ab, die  ihn quasi handlungsunfähig machen. Immer tiefer rutscht er ab und kann Hilfe nur schwer akzeptieren. 

Der Autor Thomas Melle leidet selbst an der bipolaren Störung und auch wenn das Buch als Roman veröffentlicht wird, ist wohl vieles davon schlicht eigene Erfahrung. Dennoch habe ich das Buch als Roman, als -zumindest teilweise- Fiktion gelesen und mich hat es wirklich begeistert. Melle begeistert mit seiner Sprache, er reißt einen als Leser vollkommen mit, man kann sich von den Erfahrungen des Erzählers nicht mehr lösen und ist unmittelbar mit betroffen. All dies schafft er, ohne auf die simple Sensationslust zu setzen, es hat vielmehr etwas geradezu therapeutisches, dem Krankheitsverlauf zu folgen. Ob es für diese Geschichte und für diesen beschriebenen Menschen ein wirklich gutes Ende geben kann, lässt sich für mich nicht sagen. Es ist auch nicht unbedingt Sympathie für den Erzähler, die die Geschichte so nahe an einen heranbringt, es ist vielmehr die direkte und teilweise verstörende Sprache des Autors Melle, die einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt. 

Thomas Melles „Die Welt im Rücken“ ist ein herausragendes Stück Literatur, das es meiner Meinung nach vollkommen zu Recht auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat. Es ist so nah und unmittelbar, dass es einen auch nach Ende der Lektüre nicht loslassen will, es muss etwas sacken und man braucht etwas Zeit, das Gelesene zu verarbeiten und zu verstehen. Doch meiner Meinung nach ist dieses Buch einfach großartig, bewegend, mitreißend und sollte unbedingt viele Leser finden. 

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Auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2016
«Wenn Sie bipolar sind, hat Ihr Leben keine Kontinuität mehr. Die Krankheit hat Ihre Vergangenheit zerschossen, und in noch stärkerem Maße bedroht sie Ihre Zukunft. Mit jeder manischen Episode wird Ihr Leben, wie Sie es kannten, weiter verunmöglicht. Die Person, die Sie zu sein und kennen glaubten, besitzt kein festes Fundament mehr. Sie können sich Ihrer selbst nicht mehr sicher sein. Und Sie wissen nicht mehr, wer Sie waren. Was sonst vielleicht als Gedanke kurz aufleuchtet, um sofort verworfen zu werden, wird im manischen Kurzschluss zur Tat. Jeder Mensch birgt wohl einen Abgrund in sich, in welchen er bisweilen einen Blick gewährt; eine Manie aber ist eine ganze Tour durch diesen Abgrund, und was Sie jahrelang von sich wussten, wird innerhalb kürzester Zeit ungültig. Sie fangen nicht bei null an, nein, Sie rutschen ins Minus, und nichts mehr ist mit Ihnen auf verlässliche Weise verbunden.»
Thomas Melle leidet seit vielen Jahren an der manisch-depressiven Erkrankung, auch bipolare Störung genannt. Nun erzählt er davon, erzählt von persönlichen Dramen und langsamer Besserung - und gibt so einen außergewöhnlichen Einblick in das, was in einem Erkrankten vorgeht. Die fesselnde Chronik eines zerrissenen Lebens, ein autobiografisch radikales Werk von höchster literarischer Kraft.

Thomas Melle, 1975 geboren, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie in Tübingen, Austin (Texas) und Berlin. Er ist Autor vielgespielter Theaterstücke und übersetzte u. a. William T. Vollmanns Roman «Huren für Gloria». Sein Debütroman «Sickster» (2011) war für den Deutschen Buchpreis nominiert und wurde mit dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. 2014 folgte der Roman «3000 Euro», der auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand. 2015 erhielt Thomas Melle, der in Berlin lebt, den Kunstpreis Berlin.

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