Dunkelgrün fast schwarz

Dunkelgrün fast schwarz (Buch)

Roman

Buch
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Raffael, der Selbstbewusste mit dem entwaffnenden Lächeln, und Moritz, der Bumerang in Raffaels Hand: Seit ihrer ersten Begegnung als Kinder sind sie unzertrennlich, Raffael geht voran, Moritz folgt. Moritz und seine... (weiter)

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Details
AutorIn Mareike Fallwickl
Seiten 475
EAN 9783627002480
Sprache deutsch
erschienen bei Frankfurter Verlags-Anst.
Erscheinungsdatum 05.03.2018
Serien Debütromane in der FVA
Stichwörter Abhängigkeit
Aufwachsen
Bergdorf
Berlin
Bloggerin
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.4 | 20 Meinungen

davon Rezensionen:
Ø 4 |  5 Rezensionen
davon Bewertungen:
Ø 4.6 |  15 Bewertungen

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Unbequemer Roman über eine ungesunde Freundschaft, der eine Faszination erzeugt und mit Sogwirkung geschrieben ist
»Was liest Du?«-Rezension von schnaeppchenjaegerin, am 07.09.2019

Moritz und Raffael sind in einem Dorf in der Nähe Salzburgs aufgewachsen und haben sich im Kindergartenalter angefreundet. Als Kinder und Jugendliche sind sie unzertrennlich, auch wenn Moritz' Mutter Marie die Freundschaft missbilligt. In ihren Augen ist Raffael ein "Arschlochkind", das ihrem Sohn nicht gut tut. Als Johanna als Neue in die Klasse der beiden kommt, wird aus der Jungenfreundschaft ein Dreiergespann und Moritz spürt das Ungleichgewicht in der Freundschaft noch deutlicher. 
16 Jahre später sucht Raffael Moritz überraschend auf und nistet sich regelrecht in der Wohnung von ihm und seiner Freundin ein. Als dann auch noch Johanna vor der Tür steht, wird die Vergangenheit noch einmal aufgerollt und Moritz in seinem Glauben an die Freundschaft erschüttert. 

Der Roman wird aus der Sicht von drei Charakteren geschildert: Kindheit und Jugend der Freunde in den 1980er- und 1990er-Jahren aus den Perspektiven von Marie und Moritz sowie in der Gegenwart aus den Perspektiven von Johanna und Moritz. Die Perspektiven wechseln dabei nicht zu häufig, so dass man sich gut auf einen Charakter einlassen kann, auch wenn die Autorin in den Zeiten sprunghaft hervorgeht. Dies trägt jedoch zur Spannung bei, da somit immer wieder kleine Cliffhanger entstehen. 

Es ist eine Geschichte über eine ungleiche Freundschaft, in der nur einer das Sagen hat: Raffael. Er ist von Kleinauf geschickt darin, andere Menschen für sich einzunehmen und zu manipulieren. Dabei schreckt er auch vor Gewalt und Erpressung nicht zurück. Eltern und Lehrer sind machtlos dagegen und auch Moritz kommt nicht von ihm los, selbst als er erkennt, dass Raffaels Freundschaft eher fragwürdig ist. 
Moritz ist ein sensibler Mensch, ein Kind, das Farben sieht und später Künstler werden möchte und braucht die Freundschaft, um nicht einsam zu sein. 
Marie war ungewollt mit Moritz schwanger, hat früh geheiratet und musste notgedrungen von Wien aufs Land ziehen. Dort findet sie kaum Anschluss, nur zu Raffaels Mutter Sabrina hat sie Kontakt, fühlt sich von deren Ehemann angezogen. 
Johanna hat ihre Eltern verloren, ist eine Waise, die voller Wut steckt und sich untertänig an Raffael klammert. 

"Dunkelgrün fast Schwarz" ist in unbequemer Roman, der von einer ungesunden Freundschaft und den Folgen erzählt. Während Raffaels Einfluss als Kind vergleichsweise harmlos, steigert sich sein Verhalten mit dem Heranwachsen, was aber erst am Ende des Romans in Gänze deutlich wird. Hier tun sich Abgründe auf, vor allem als auch noch Johannas Rolle zutage tritt, jahrelange Lügen aufgedeckt werden und Moritz sein bisheriges Leben in Frage stellen muss. 

Der Roman ist spannend und unvorhersehbar geschrieben, und auch wenn ich vor allem die Abschnitte aus Johannas Sicht ungern gelesen habe, weil mir nicht vorstellen wollte, wie sich eine junge Frau so erniedrigen kann, entwickelte der Roman vor allem auch durch die Wortgewalt der Autorin eine unheimliche Faszination und Sogwirkung.  

"Ich hätte Raffael abbrechen müssen wie einen faulenden Ast, an dem der gesamte Baum krankt. Nun taumeln wir alle durch dieses Labyrinth aus Fäden und bluten aus unsichtbaren Wunden."

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"Irgendwann wirst du erkennen, dass manche Menschen nur leuchten, indem sie andere ins Dunkel schubsen."
»Was liest Du?«-Rezension von yvy, am 07.08.2019

Ein kleines Bergdorf wird zum Schauplatz einer großen Geschichte, die äußerst beklemmend ist und dem Leser auch einiges abverlangt. Nein, ich spreche hier nicht von Horror und Gewalt, sondern vielmehr von einer Intensität, die beim Lesen beinahe schmerzt. "Dunkelgrün fast schwarz" ist der Debütroman einer jungen Autorin, die einen ungewöhnlichen und beindruckenden Stil zeigt. Ihre Sprache trifft auf den Punkt und ist dabei sowohl poetisch bildhaft, als auch markig und provokant. Mareike Fallwickl findet hier Worte, die den Leser auf unterschiedlichste Weise bewegen. Und so ist man dieser Achterbahn der Gefühle ausgesetzt, gefangen im Sog der Geschichte, um letztendlich dann irgendwie verändert wieder entlassen zu werden. Man hat das Gefühl, ein Stück von sich selbst bei der Lektüre eingebüßt zu haben, denn dieser Roman ist unbequem, sperrig, hallt lange nach, kurzum es braucht eine Weile bis man sich davon erholt.

"Es ist wie mit allen Dingen, von denen wir uns wünschen, wir hätten sie nie erfahren, sie zersetzen unser Leben wie Säure."

Doch worum geht es eigentlich? Fallwickl zeigt in ihrem Roman ein vergiftetes Beziehungsgeflecht, beschreibt dessen Entstehung und die Auswirkungen auf die in ihm gefangenen Menschen. Konkret sind das hier Moritz, Johanna und Marie, die selbst zu Wort kommen sowie Raffael, der wohl die tragendste Rolle innehat aber niemals selbst spricht. Moritz und Raffael lernen sich als Kinder auf einem Spielplatz kennen und von diesem Moment an, sind sie Freunde. Doch diese sogenannte Freundschaft krankt von Anfang an, denn sie ist geprägt von Abhängigkeit, Kontrolle und Manipulation. Raffael lenkt, Moritz folgt. Marie, Moritz' Mutter erkennt die Gefahr zwar schon früh, findet aber keinen Weg, sie zu bannen. Als sich dann später noch die Außenseiterin Johanna zu den beiden mittlerweile herangewachsenen Jungen gesellt, verläuft die Geschichte in immer dunkleren Pfaden.

"Wenn du siebzehn bist, weißt du manchmal mehr als später mit fünzig, und doch nützt dieses Wissen dir nichts, weil dir der Rahmen fehlt, weil du es nicht einspannen kannst in den Kontext der Erfahrung."

Lässt man sich auf die Lektüre ein, so muss man wissen, dass die Autorin diese Geschichte keineswegs stringent erzählt. Vielmehr serviert sie viele kleine Puzzleteilchen, die sich der Leser zunächst sortieren und dann richtig zusammensetzen muss. Das vollständige Bild sieht man erst am Schluss und es ist die Summe aus allem: Verschiedene Blickwinkel, (falsche) Entscheidungen aus den vielleicht richtigen Beweggründen, Liebe, Angst, Kontrolle, Hass, Trauer, Wut, Seelenschmerz, Lügen und Worte, die nicht gesagt wurden.
Man kann und will sich nicht mit den Figuren in diesem Roman identifizieren und es gibt auch keine Sympathieträger, und doch kann man zumindest ansatzweise bekannte Muster erkennen, die sich womöglich auch schon einmal im eigenen Leben abgezeichnet haben. Natürlich nicht in diesem Ausmaß (hoffentlich nicht) aber da ist diese leise Stimme, die beständig flüstert und warnt. Jeder kennt Abhängigkeit und Kontrollverlust, womöglich hat man auch schon die Erfahrung machen müssen, dass Freundschaften oder Beziehungen nicht aus Liebe, Vertrauen und Respekt gewachsen sind, sondern aus niederen, falschen Gründen. Deshalb schmerzt die Lektüre ja auch so, stimmt traurig und lässt nachdenklich zurück.

"Keine Liebe war einsamer als jene, die unerwidert blieb."

Für mich war "Dunkelgrün fast schwarz" eine beeindruckende und faszinierende Lektüre, die mich sprachlich begeistert und noch lange beschäftigt hat. Gleichermaßen war es aber definitiv kein Lesevergnügen, sondern eher ein unbequemes und erschütterndes Leseerlebnis, das mich Kraft gekostet hat. Nun, auch das ist ein Indiz für ein gutes Buch.

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Raffael, der Selbstbewusste mit dem entwaffnenden Lächeln, und Moritz, der Bumerang in Raffaels Hand: Seit ihrer ersten Begegnung als Kinder sind sie unzertrennlich, Raffael geht voran, Moritz folgt. Moritz und seine Mutter Marie sind Zugezogene in dem einsamen Bergdorf, über die Freundschaft der beiden sollte Marie sich eigentlich freuen. Doch sie erkennt das Zerstörerische, das hinter Raffaels stahlblauen Augen lauert. Als Moritz eines Tages aufgeregt von der Neuen in der Schule berichtet, passiert es: Johanna weitet das Band zwischen Moritz und Raffael zu einem fatalen Dreieck, dessen scharfe Kanten keinen unverwundet lassen. Sechzehn Jahre später hat die Vergangenheit die drei plötzlich wieder im Griff, und alles, was so lange ungesagt war, bricht sich Bahn - mit unberechenbarer Wucht. Mareike Fallwickl erzählt von Schatten und Licht, Verzweiflung und Sehnsucht, Verrat und Vergebung. Ihr packendes Debüt bringt alle Facetten der Freundschaft zum Leuchten, die Leidenschaft, die Sanftheit - und die Liebe, in ihrer heilsamen, aber auch funkelnd grausamen Pracht.

Fallwickl, Mareike Mareike Fallwickl, 1983 in Hallein bei Salzburg geboren, arbeitet als freie Texterin und Lektorin, schreibt für eine Salzburger Zeitung eine wöchentliche Kolumne und betreibt seit 2009 einen Literaturblog. Für ihr literarisches Debüt »Dunkelgrün fast schwarz« erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Bundeskanzleramts Österreich. Mareike Fallwickl lebt im Salzburger Land.