Dunkelgrün fast schwarz (Buch)

Roman

Buch
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Raffael, der Selbstbewusste mit dem entwaffnenden Lächeln, und Moritz, der Bumerang in Raffaels Hand: Seit ihrer ersten Begegnung als Kinder sind sie unzertrennlich, Raffael geht voran, Moritz folgt. Moritz und seine... (weiter)

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Details
AutorIn Mareike Fallwickl
Seiten 475
EAN 9783627002480
Sprache deutsch
erschienen bei Frankfurter Verlags-Anst.
Erscheinungsdatum 05.03.2018
Stichwörter Abhängigkeit
Aufwachsen
Bergdorf
Berlin
Bloggerin
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.4 | 16 Meinungen

davon Rezensionen:
Ø 3.5 |  3 Rezensionen
davon Bewertungen:
Ø 4.6 |  13 Bewertungen

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Gute Unterhaltung mit Trend nach oben
»Was liest Du?«-Rezension von wandagreen, am 02.09.2018

Moritz und Raffael sind Kindergartenfreunde. Moritz hat die Gabe, eine farbige Aureole um Menschen, Räume und Gegenstände zu sehen, auch Musik kann er als Farbe wahrnehmen. Synästhesie lautet der Fachbegriff dafür. Und das gibt es wirklich. Doch es ist Raffael, der Charisma hat.

Die Freundschaft der beiden tut ihnen nicht gut, sagt Marie, die Mutter von Moritz. Die Mutter von Raffael hat zuerst einmal keine Meinung.

Dieser Roman kommt sehr ruhig daher.

Der Stil ist frisch, es wird eine beunruhigende Atmosphäre aufgebaut, trotzdem passiert eigentlich nichts. Die Autorin benutzt sehr viele innovative Metaphern, wobei manche es auf den Punkt bringen und manche in die Hose gehen. So ist der Leser hin- und hergerissen. Obwohl es auch Abschnitte gibt, ohne dass die Autorin neue Bilder erfindet, und der Leser sich ausruhen kann davon, ist es insgesamt einfach zu viel des Guten. Zu viele Vergleiche, die alle neu sind, ermüden. Es hat einen Grund, warum eine richtig gute Erzählung mit Vertrautem arbeitet. Vertrautes gemischt mit ein bisschen Neuem, das ist gut. Neues, vermischt mit ein bisschen Vertrautem, funktioniert nur bei der jeweiligen Jury des Deutschen Buchpreises.

Die Figurenführung ist gut und nachvollziehbar. Das ist auch die Komposition des Romans.

Doch die interessanten Protagonisten sind in ihren Handlungen unglaubwürdig. Vor allem Marie ist merkwürdig passiv. Man kann doch nicht zu allem „ja und amen“ sagen. Marie ist immerzu beunruhigt, bespricht Probleme mit den Kindern aber niemals mit ihrem Mann. Oder sonst jemandem. Auch kann sie sich sehr schwer mit ihrem Leben in einem schönen Haus in einem Dorf arrangieren.

Bis in die Mitte des Romans bin ich sehr geduldig und warte. Doch dann gibt es einen Punkt, an dem ich mich zu langweilen beginne. Nicht, weil die Schreibe langweilig geworden wäre oder die Atmosphäre nachließe, nein, sie verdichtet sich sogar allmählich, sondern, weil ich die Personen nicht verstehe. Und dafür keine plausible Erklärung bekomme.

Ich verstehe Marie nicht, ich verstehe ihre Eltern nicht, die nie zu Besuch kommen, ich verstehe Alexander nicht, den Ehemann von Marie, ich verstehe Johanna nicht, eine weitere Kinderfreundin, die eine obsessive sexuelle Bindung entwickelt. Warum sind alle so, wie sie sind? So unnatürlich? Keinem von ihnen bin ich jemals begegnet in der Realität. 

Als ich den Roman deshalb gerade aufgeben möchte, beginnt ein sich schnell drehendes Karrussel an Auseinandersetzungen und Aussprachen: Es knallt.

Ist das, was uns Mareike Fallwickl kundtut, große Erzählkunst? Die Anhäufung von Seltsamkeiten, die sie braucht, um ihre Geschichte mit Plausibilität auszustatten, lässt mich zweifeln. Erzählkunst wäre es, aus Alltäglichkeiten, die wir alle kennen, eine Geschichte zu machen, die uns fesselt und in der wir uns doch wiederfinden. Aber Fallwickls Protagonisten sind zu abgedreht.

Dunkelgrün fast schwarz bietet dunkelgrüne, fast schwarze Unterhaltung mit rätselhaften Figuren, die sich nach und nach erklären, dabei aber in Klischees stecken bleiben. Gutes ist eben gut und Böses eben böse. Das muss man hinnehmen. Und daran krankt die ganze Geschichte.

Für die Königsklasse „Anspruchsvolle Literatur“ reicht es meiner Meinung nach nicht. Die Autorin muss zu tief in die Trickkiste greifen, um ihre Geschichte zu runden, doch im Sektor „Gute Unterhaltung“ bringt sie es aufgrund ihrer frischen Schreibweise und den gut ausgearbeiteten Figuren Moritz und Marie zu satten vier Punkten.

Fazit: Gute Unterhaltung mit Aufwärtstrend.

Kategorie: Gute Unterhaltung
Frankfurter Verlagsanstalt, 2018

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Spannende Unterhaltungsliteratur, nicht mehr und nicht weniger
»Was liest Du?«-Rezension von LySch, am 31.07.2018

Mit „Dunkelgrün fast schwarz“ legt Mareike Fallwickl ein Debüt vor, das schon vor seinem Erscheinen von der Presse als DIE Neuentdeckung des letzten Jahres angepriesen wurde und kurz nach seinem Erscheinen die sozialen Medien ordentlich durchrüttelte. Egal wo man hinsieht, die Begeisterung schlägt hohe Wellen. Mich haben weniger die Lobeshymnen, als vielmehr der düstere Sog, den diese Geschichte verströmt, angelockt. Fallwickls Debüt wird als anspruchsvoller Roman mit besonderem Schreibstil und einzigartigen Charakteren gehandelt, bekommen habe ich aber einen mittelmäßigen Thriller mit vorhersehbaren Elementen und Figuren, die sich strikt an ihre Rollenzuweisungen halten.

Raffael und Moritz sind beste Freunde seit ihrer Kindergartenzeit. Auf den ersten Blick scheint die beiden Jungs nichts zu verbinden: den schüchternen, freundlichen Moritz und den draufgängerischen und selbstbewussten Raffael. Trotzdem versinken die beiden komplett in ihrer eigenen Welt und nur Raffael weiß von Moritz‘ besonderem Talent, Menschen und Situationen in Farben wahrzunehmen. Als in der Oberstufe Johanna in die Klasse kommt und diese eingeschworene Konstellation aufbricht, entsteht mit der Zeit eine Dreiecksbeziehung mit zerstörerischer Sprengkraft.

Keine Frage, der Anfang ist unheimlich spannend und düster und hat mich sofort in die Geschichte um die drei Freunde hineingezogen. Fallwickl spielt mit Andeutungen, verschiedenen Perspektiven und Wechseln der Zeitebene und baut so den Spannungsbogen der Geschichte immer weiter auf. Innerhalb der ersten 100 Seiten entwickelt sich dadurch ein Lesesog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Das ist die große Stärke des Romans – Fallwickl zieht den Leser mitten hinein in die Gedankenwelt ihrer Figuren und hält ihn mit geschickten Perspektivwechseln und wie beiläufig platzierten Informationsbruchstücken bei der Stange. Wie geht es weiter und wer kommt auf den nächsten Seiten zu Wort? Hervorheben möchte ich außerdem den klaren, aber leicht poetischen Schreibstil der Autorin. Landschaftsbeschreibungen und Gefühlslagen werden häufig in Metaphern ausgedrückt und geben dem Leser dadurch Raum für die eigene Vorstellungskraft und Interpretation. Für meinen Geschmack wurde da manchmal etwas zu dick aufgetragen, wenn beispielsweise Hoffnungen zerplatzen wie rote Beeren, auf die man tritt; aber da gehen die Meinungen sicher auseinander.

Die großen Schwächen des Romans sind die vorhersehbaren, mittelmäßig spannenden Thriller-Bausteine, aus denen er zusammengesetzt ist. Bereits nach der Hälfte ahnte ich schon, wie die ganze Dreiecksbeziehung zusammenhängen und ausgehen könnte und dabei lese ich kaum Thriller und bin daher grundsätzlich relativ leicht zu überraschen! Hinzu kommen Charaktere, die (leider!) wie vom Figurenfließband zu kommen scheinen. Obwohl man hervorragend in der jeweiligen Perspektive der Charaktere versinken kann, bleiben sie dennoch seltsam blass und oberflächlich. Als würden sie sich zu 100% an ihre vorgeschriebenen Rollen halten, ohne die kleinste Abweichung zu dulden. Moritz ist einfach der Gute, Raffael der Schlechte und Johanna die Traumatisierte. Basta. Mir fehlten hier beim Lesen die Ausnahmen, die einen Romancharakter menschlich erscheinen lassen und ihm  die nötige Tiefe verleihen.

Ich habe mir von diesem Debüt leider etwas mehr versprochen und bin dementsprechend ein wenig enttäuscht. Den großen Hype um das Buch kann ich leider nicht nachvollziehen. Fallwickls Debüt ist in meinen Augen ein spannend zu lesender Thriller mit besonderem Schreibstil, aber 0815-Elementen. Tolle Unterhaltungsliteratur, aber den anspruchsvollen Roman sehe ich darin nicht. Nichtsdestotrotz habe ich ihn gerne gelesen.

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Raffael, der Selbstbewusste mit dem entwaffnenden Lächeln, und Moritz, der Bumerang in Raffaels Hand: Seit ihrer ersten Begegnung als Kinder sind sie unzertrennlich, Raffael geht voran, Moritz folgt. Moritz und seine Mutter Marie sind Zugezogene in dem einsamen Bergdorf, über die Freundschaft der beiden sollte Marie sich eigentlich freuen. Doch sie erkennt das Zerstörerische, das hinter Raffaels stahlblauen Augen lauert. Als Moritz eines Tages aufgeregt von der Neuen in der Schule berichtet, passiert es: Johanna weitet das Band zwischen Moritz und Raffael zu einem fatalen Dreieck, dessen scharfe Kanten keinen unverwundet lassen. Sechzehn Jahre später hat die Vergangenheit die drei plötzlich wieder im Griff, und alles, was so lange ungesagt war, bricht sich Bahn - mit unberechenbarer Wucht. Mareike Fallwickl erzählt von Schatten und Licht, Verzweiflung und Sehnsucht, Verrat und Vergebung. Ihr packendes Debüt bringt alle Facetten der Freundschaft zum Leuchten, die Leidenschaft, die Sanftheit - und die Liebe, in ihrer heilsamen, aber auch funkelnd grausamen Pracht.

Fallwickl, Mareike Mareike Fallwickl, 1983 in Hallein bei Salzburg geboren, arbeitet als freie Texterin und Lektorin, schreibt für eine Salzburger Zeitung eine wöchentliche Kolumne und betreibt seit 2009 einen Literaturblog. Für ihr literarisches Debüt »Dunkelgrün fast schwarz« erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Bundeskanzleramts Österreich. Mareike Fallwickl lebt im Salzburger Land.