Ein wenig Leben

Ein wenig Leben (Buch)

Roman

Hanya Yanagihara

Übersetzung: Stephan Kleiner

Buch
Für Bewertung bitte einloggen!

"Ein wenig Leben" handelt von der lebenslangen Freundschaft zwischen vier Männern in New York, die sich am College kennengelernt haben. Jude St. Francis, brillant und enigmatisch, ist die charismatische Figur im Zentrum... (weiter)

€ 28,00 *
Preis
inkl MwSt.

  • sofort lieferbar
  • portofreie Lieferung innerh. Deutschland
  • Geschenkverpackung möglich

Details
AutorIn Hanya Yanagihara
Übersetzung Stephan Kleiner
Edition 9. Aufl.
Seiten 960
EAN 9783446254718
Sprache deutsch
erschienen bei Hanser Berlin
Erscheinungsdatum 02.2017
Ursprungstitel A Litlle Life
Stichwörter 21. Jahrhundert
Freundschaft
Krankheit
Liebesgeschichten
Mann
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.8 | 47 Meinungen

davon Rezensionen:
Ø 4.9 |  16 Rezensionen
davon Bewertungen:
Ø 4.7 |  31 Bewertungen

5 Sterne
( 13 )
4 Sterne
( 1 )
3 Sterne
2 Sterne
1 Stern

Hey Jude, don't back it bad
»Was liest Du?«-Rezension von Mara S., am 09.09.2019

Es gibt da einen roten Faden in meinem Leben als Leserin, der sich nicht länger ignorieren lässt. Wenn die Temperaturen nach oben steigen, suche ich mir möglichst dicke Bücher aus, die nicht leicht zu konsumieren sind. Keine Ahnung warum das so ist. Ich markiere den Anfang dieser Auffälligkeit während meiner ersten Jahre an der Uni, als ich in einer der sommerlichen Semesterpausen mit Hans Castorp auf den Zauberberg gezogen bin und dachte, nie wieder dort herunter zu kommen. Ein wirklich einschneidendes Leseerlebnis. Was hat sich Thomas Mann nur dabei gedacht? Ich brauchte drei Jahre, um für die Buddenbrooks Mut zu sammeln, hab das Buch vorsichtshalber im Winter gelesen und wurde nicht enttäuscht. Einen wirklich tollen Lesesommer hatte ich hingegen mit Nino Haratischwili und Das achte Leben. Im letzten Jahr war daher die Freude groß, als Die Katze und der General herauskam. Ein klassisches Sommerbuch, dachte ich und hab es nach der Hälfte einfach nicht geschafft, weiterzulesen. Von Hanya Yanagihara habe ich mich von der im Klappentext beschworenen lebenslangen Freundschaft einfangen lassen. Außerdem war das Buch über Monate in aller Munde. Der Sommer stand vor der Tür, die Neugierde war groß und von allen Seiten kamen positive Besprechungen. Ich bereue es nicht. Es ist ein grandioser Roman. Ich habe noch nie soviel geweint, wie bei der Lektüre dieses Buches. Und ich hatte noch nie soviel körperliche Schmerzen, wie bei der Lektüre dieses Buches. Ein wenig Leben nimmt dir zuweilen wirklich die Luft zum Atmen. An manchen Tagen musste ich das Buch ganz weit weglegen, vom Lesen pausieren und war dann doch den ganzen Tag damit beschäftigt, über die Figuren und die Menschen im allgemeinen nachzudenken.

Die Geschichte ist so dicht und so schön, wie es nur in der Literatur sein kann. Niemand kann so gut und warmherzig wie Willem sein. Dagegen nehme ich JB seine Exzentrik sofort ab. Malcolm bleibt ein wenig hinter den anderen zurück, scheint etwas farbloser und findet schließlich auch seinen Weg. Natürlich sind alle erfolgreich in dem, was sie tun. Gefeierter Schauspieler, hochdotierter Künstler, mit Preisen überschütteter Architekt und unter ihnen dann Jude, eine komplizierte, hochempfindliche, geschundene Seele. Staranwalt. Eiskalt im Gerichtssaal, akribisch und arbeitswütig in der Kanzlei, unsicher und einsam zuhause, verstümmelt an Körper und Seele. Umsorgt von seinen drei besten Freunden aus Unizeiten.

Yanagiharas Roman ist eine Ode an die Freundschaft und ein Abgesang auf die Menschheit. Im Mittelpunkt des Romans steht Jude. Um ihn kreist die Geschichte. Auch wenn er es nicht wollen würde. Auf 950 Seiten offenbart uns die Autorin ganz langsam die Schrecknisse und Grausamkeiten, die Jude als Kind erleiden musste. Es sind die unvorstellbarsten Dinge. Ungeheuerlich und widerwärtig. Jude verschließt die Schrecken ganz tief in sich drinnen, bekämpft sie mit Sturheit, Disziplin und Rasierklingen. Jeder Klingenschnitt tut mir als Leser körperlich weh. Ich verstehe, warum es sein muss und kann es doch nicht nachvollziehen, wie Schmerz heilsam wirken soll. Während es in Judes Jugend darum ging, einfach nur zu überleben, und in seinen Zwanzigern zu vergessen, spitzt sich mit den Lebensjahren die Situation zu. Sein Körper lässt ihn mehr und mehr im Stich. Die Traumata kämpfen sich zurück an die Oberfläche. Die Freundschaft zwischen den vier Männern als Kleeblatt verändert sich, wird schwieriger, droht auseinander zu brechen. Willem und Jude sind ein verschworenes Zweiergespann, aber auch ihre Beziehung verändert sich und stellt sowohl Jude als auch Willem auf eine harte Probe.

Man ist als Leser bei allem so dicht und unmittelbar dabei, dass es manchmal nur schwer auszuhalten ist. In dem Umgang miteinander und in den wechselnden Perspektiven offenbart sich das ganze Unvermögen unseres Menschseins. Wir wissen einfach nicht, was der Gegenüber gerade denkt und empfindet. Wir können immer nur Interpretationen darüber anstellen, und diese sind so eingefärbt von unseren Wünschen, Erwartungen, Vorurteilen und dem Bild, das wir von uns selbst haben. Ein Wunder, dass wir dennoch irgendwie miteinander leben können. Die Tragödie um Jude ist zum einen das, was ihm in seiner Kindheit und Jugend widerfahren ist und zum anderen, sind es die Nachwirkungen dieser Erfahrungen, die sich in jede einzelne kleine Kleinigkeit seines Lebens erstrecken und nicht abschütteln lassen. Er kämpft um ein wenig Leben für sich und ist nicht in der Lage, die vielen wunderbaren Menschen um sich herum, in ihrer Liebe zu ihm wahrzunehmen und anzunehmen. Das treibt mir auch jetzt wieder die Tränen in die Augen.

mehr zeigen ...

So viel Schmerz und Leid
»Was liest Du?«-Rezension von ulrike rabe, am 27.01.2019

Wo fängt man an bei diesem Buch, wie fängt man an. Es ist die Geschichte einer lebenslangen Freundschaft. Vier junge Männer, Jude, Willem, Malcolm und JB lernen sich am College kennen und auch wenn ihre Leben sich unterschiedlich entwickeln, bleiben sie einander verbunden. Zentrale Figur ist der kluge und charismatische Jude. Doch sein Leben ist überschattet von einer schrecklichen Kindheit, eine Vergangenheit, die so unaussprechlich ist, dass Jude sich niemanden anvertraut. Auch wenn es ihm gelingt, eine Karriere aufzubauen, tiefe Freundschaft zu erfahren und geliebt wird. All diese wunderbaren Dinge können nicht aufwiegen, was ihm als Kind angetan wurde. Es ist eine nicht enden wollende Spirale an Leid, Schmerz und Qual, aus der es kein Entkommen gibt.

Hanya Yanagihra seziert diese leidende Seele so präzise, die Worte schneiden so tief wie Klingen.  Dieser fremde und fiktive Kummer hat mich so mitgenommen, dass ich an manchen Stellen einfach nur wollte, dass es aufhört. Diese Ausweglosigkeit des Leides und die Hilflosigkeit der Menschen, die nur ihre Liebe und Zuneigung zu geben haben, die aber nicht ausreicht, den Schmerz zu lindern. Eigentlich glaube ich mit Entsetzen, so viel Leid kann man gar nicht erfinden. Es gibt nur ganz wenige Bücher, die mich nicht nur psychisch und auch physisch mitgenommen haben (eines davon war „Und es schmilzt“ von Lize Spit), dieses Buch gehört dazu.

Ich weiß, dass dieses Buch und vor allem die Gefühle, die mir beim Lesen entstanden noch ganz lange anhalten werden.  Ein wenig Leben ist ein Buch, das man  nicht leichtfertig empfehlen kann. Und trotzdem bin ich froh, es gelesen zu haben, auch wenn ich mir jetzt zum Ende nur mehr nach einem sehne: Trost

mehr zeigen ...

Alle Rezensionen ansehen

"Ein wenig Leben" handelt von der lebenslangen Freundschaft zwischen vier Männern in New York, die sich am College kennengelernt haben. Jude St. Francis, brillant und enigmatisch, ist die charismatische Figur im Zentrum der Gruppe - ein aufopfernd liebender und zugleich innerlich zerbrochener Mensch. Immer tiefer werden die Freunde in Judes dunkle, schmerzhafte Welt hineingesogen, deren Ungeheuer nach und nach hervortreten. "Ein wenig Leben" ist ein rauschhaftes, mit kaum fasslicher Dringlichkeit erzähltes Epos über Trauma, menschliche Güte und Freundschaft als wahre Liebe. Es begibt sich an die dunkelsten Orte, an die Literatur sich wagen kann, und bricht dabei immer wieder zum hellen Licht durch.

Yanagihara, Hanya Hanya Yanagihara, 1974 geboren, ist eine US-amerikanische Schriftstellerin und Journalistin. Mit ihrem Roman "Ein wenig Leben" gewann sie den Kirkus Award und stand auf der Shortlist des Man Booker Prize, des National Book Award und des Baileys Prize. "Ein wenig Leben" ist eines der bestverkauften und meistdiskutierten literarischen Werke der vergangenen Jahre. Eine TV-Serie, produziert von Scott Rudin (The Social Network, No Country for Old Men, Frances Ha, Grand Budapest Hotel), ist in Vorbereitung. Yanagihara ist Chefredakteurin des "T Magazine" der "New York Times".