Frau im Dunkeln

Frau im Dunkeln (Buch)

Roman

Elena Ferrante

Übersetzung: Anja Nattefort

Buch
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Leda ist fast fünfzig, geschieden, sie unterrichtet Englisch an der Universität in Florenz. Die erwachsenen Töchter sind jetzt beim Vater in Kanada, und Leda muss sich eingestehen, dass sie statt der erwarteten... (weiter)

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Details
AutorIn Elena Ferrante
Übersetzung Anja Nattefort
Seiten 188
EAN 9783518428702
Sprache deutsch
erschienen bei Suhrkamp
Erscheinungsdatum 05.02.2019
Ursprungstitel La figlia oscura
Stichwörter Florenz
Neapolitanische Saga
Mutter-Tochter-Beziehung
Sommer
Regretting Motherhood
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø3 | 4 Meinungen

davon Rezensionen:
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Reicht nicht an die Neapolitanische Saga heran
»Was liest Du?«-Rezension von jenvo82, am 16.02.2019

„Ich war sehr unglücklich. Ein Eindruck von Auflösung, als wäre ich ein ordentlicher Haufen Staub, der vom Wind kräftig aufgewirbelt worden war und nun formlos in der Luft hing.“

 

Inhalt

 

Leda möchte in ihrem Sommerurlaub entspannen, ihre Freiheit genießen und die wärmende italienische Sonne, zwar reist sie allein, doch gerade diese Unabhängigkeit ist es, die ihr gefällt. Einzig eine neapolitanische Großfamilie, die viel Platz und Raum am Strand beansprucht, wird ihr von Tag zu Tag lästiger. Zur Familie gehört auch die junge Nina mit ihrer kleinen Tochter Elena, die Leda bereits viele Stunden beobachtet hat und deren Einheit die Endvierzigerin angenehm an ihre eigenen Erfahrungen aus den Kindertagen der beiden mittlerweile erwachsenen Töchter erinnert. Aber natürlich sind es nicht nur die guten Gefühle, die dabei präsent sind, sondern auch die Unzulänglichkeiten einer jungen Frau, die ihrem Kind stellenweise nichts entgegenzusetzen hat und sich dem Geschrei und Gequengel des Kindes niedergeschlagen beugt. Leda selbst schwankt zwischen Neid, Bewunderung und Zweifeln und knüpft lockeren Kontakt zu Nina und ihrer Tochter, nur um dann zu erkennen, dass auch hinter der offensichtlich glücklichen Fassade dunkle Abgründe und geheimnisvolle Gefühlsregungen verborgen sind …

 

Meinung

 

Dieser frühe Roman der Autorin, deren Neapolitanische Saga ich mit viel Freude gelesen habe, kann nicht so ganz an dieses Werk heranreichen. Einerseits kommt mir die Thematik der Mutterrolle seltsam bekannt vor und bietet daher nur wenig Raum für Neues, zum anderen konfrontiert die Autorin uns hier mit einer unsympathischen, eigenwilligen Person, die dermaßen unzufrieden und verbittert wirkt, dass es mir schwerfiel, mich mit ihren Handlungen auch nur objektiv vertraut zu machen.

 

Das Augenmerk liegt vor allem auf den Bürden und Lasten, die ein Leben mit Kindern mit sich bringt, sei es die Entbehrung der eigenen Freizeitgestaltung, die Liebe zu einem Mann, der sich nun immer weiter distanziert, oder auch die kleinen und größeren Machtkämpfe die eine Mutter mit ihren Kindern führt, während sie sich bemüht ihnen das bestmögliche zu bieten und sie zu selbstsicheren, anständigen  Menschen zu erziehen. Nur bleibt Leda tatsächlich in diesen übereifrigen Bemühungen stecken. Denn obwohl sie zwei gesunde, gebildete Töchter großgezogen hat, sieht sie in deren Dasein immer noch eine Bedrohung und einen ganz wesentlichen Faktor, warum ihr eigenes Leben eine so elementare Wende genommen hat.

 

Beim Lesen habe ich mich sehr oft gefragt, warum Leda überhaupt Mutter geworden ist, wenn sie doch so wenig Liebe für ihre Kinder empfindet, dass sie sogar fremde Urlauber unter dem Fokus einer ähnlichen Beziehung beobachtet und deren Verhaltensweisen regelrecht seziert. Im Grunde genommen wirkt die Protagonistin egozentrisch, verbittert und anmaßend auf sehr dominante Art und Weise. Was mich aber vielmehr irritiert ist die scheinbare Allgemeingültigkeit, mit dem die Autorin nicht nur diese spezielle Familie ins Visier nimmt, sondern jedwede Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Und spätestens an dieser Stelle muss ich mich deutlich von den Aussagen des Buches distanzieren, weil sie mir so fremd und unvorstellbar erscheinen. Könnte man doch nach der Lektüre vermuten, das eigene Kinder die Mutter in die Opferrolle drängen und sich selbstbewusst alles nehmen, ohne jemals zu hinterfragen, wie sich die Frau, die sie „Mutter“ nennen fühlen könnte.

 

Positiv bewerten möchte ich hier den ganz entspannten, bildhaften Erzählstil, der gerade die Umgebung und das Strandleben aufs Beste einfängt, und die Stimmung vor Ort auch in die Geschichte selbst hineinbringt. Bedeutsame Formulierungen, viele aussagekräftige Momentaufnahmen und eine mit Leichtigkeit erzählte Handlung, die sehr gut vorstellbar und greifbar wird.

 

Fazit

 

Ich vergebe leicht zwiegespaltene 3 Lesesterne, denn eigentlich war das Leseerlebnis selbst wesentlich positiver, während mir der Inhalt und die Charaktere um einiges unsympathischer waren. Sicherlich kommt es auch auf die Erwartungshaltung an, die bei mir im oberen Bereich angesiedelt war und die durch die abermalige Wiederholung der Thematik Frau und Mutter in der Gesellschaft (die später wesentlich umfassender in der Neapolitanischen Saga verankert ist) schnell abgenutzt wird. Hervorragend getroffen hat die Autorin allerdings eine ganz bestimmte Sorte Mensch: nämlich diejenigen, die die Schuld immer bei anderen suchen und sich die eigenen Verfehlungen nicht eingestehen wollen, geschweige denn eine Charakterwandlung vollziehen und dieses Phänomen gibt es längst nicht nur bei Müttern …

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Frühwerk Ferrantes überzeugt nicht: kalt und leidenschaftslos
»Was liest Du?«-Rezension von wandagreen, am 09.02.2019

Leda, eine Professorin für englische Literatur, macht eine Ferienreise an einen kleinen südlichen Ferienort, gemütlich, alleine, mit Büchern, Sonnenlotion, gutem Essen, Wein, genießt Sonne, Sand und Strand und Freizeit. Alsbald macht sich an ihrem Lieblingsort jedoch eine typische italienische Familiensippe breit. Deren Gebaren und besonders eine junge Frau mit Kind darunter, erinnern Leda an ihre eigene Zeit als junge Mutter, die sie lieber vergessen würde: denn sie hat alles falsch gemacht. Doch plötzlich ist alles wieder gegenwärtig und bringt sie gehörig durcheinander.

 

Mit Leda hat die frühe Ferrante eine merkwürdig undifferenzierte und indifferente Figur geschaffen. Wollte Ferrante sich mit der Schaffung der Leda wirklich mit der Überhöhung der Mutterrolle befassen, die besonders in Italien fast einen Kultstatus innehat, also die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit aufzeigen? Falls ja, gelingt es der Autorin nur bedingt.

 

Zwar wird klar, dass Leda mit den verschiedenenen Bedürfnissen, die sie als Frau, Mutter, und intellektuelle öffentliche Person hat, nicht umgehen kann. Sie kann sie weder einordnen noch artikulieren und erlebt deshalb eine zunehmende Entfremdung von sich selbst und ihrer Umgebung.

 

Dennoch bleibt Ferrantes Leda in einer diffusen, ziellosen Innenschau stecken, im Selbstmitleid, in der Nichtartikulation und Nichtreflektion und ist nicht fähig, eine wie auch immer geartete Lösung anzulaufen. Alles, was geschieht, passiert aus purem Zufall.

 

Eine so hin- und hergeworfene schwache Persönlichkeit wie Leda leistet keinen adäquaten Beitrag zu dem spezifischen gesellschaftlichen Problem, nämlich dem Spagat, den viele Frauen hinlegen müssen, wenn sie beides wollen: Familie und Beruf. Das Problem wird zwar angerissen, aber nicht konsequent verfolgt. Der Leser hat eher den Eindruck, dass Leda überfordert und labil ist. Ergo: Frauen sind labile Geschöpfe und kriegen es nicht auf die Reihe: Vielen Dank, Frau Ferrante!

 

Wunderbar beschrieben dagegen ist die Atmosphäre am Urlaubsort. Man kann die lärmenden Italiener hören und fühlen, und sie nerven einen schon von weitem! Das Atmosphärische rettet den Roman, der auch mit weiteren schwachen Protagonisten wenig zu bieten hat, vor der völligen Pleite.

 

Fazit: Bezüglich des Inhalts mehr als wackelig aufgestellt, kann die Story atmosphärisch und mit der Darstellung italienischen Lebensgefühls punkten. Aber das ist insgesamt zu wenig! Man merkt, dass „Die Frau im Dunkeln“ ein Frühwerk der Autorin ist.

 

Kategorie: Anspruchsvolle Literatur

Verlag: Suhrkamp, 2018

 

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Leda ist fast fünfzig, geschieden, sie unterrichtet Englisch an der Universität in Florenz. Die erwachsenen Töchter sind jetzt beim Vater in Kanada, und Leda muss sich eingestehen, dass sie statt der erwarteten Sehnsucht vor allem Erleichterung empfindet. Den heißen Sommer verbringt sie in einem süditalienischen Küstenort: Bücher, Sonne, das Meer, was könnte friedlicher sein? Am Strand macht sich neben ihr allerdings eine übermütig lärmende neapolitanische Großfamilie breit, darunter eine noch junge Mutter und deren kleine Tochter. Leda beobachtet die beiden über Tage, zunächst fasziniert, wohlwollend. Allmählich aber schlägt ihre Stimmung um, irgendwann folgt sie einem Impuls und tut dem kleinen Mädchen und der Familie etwas Unbegreifliches an. Und wird selber heimgesucht, von lange verdrängten Erinnerungen - an gravierende Entscheidungen, die sie zu treffen hatte, ganz zum Leidwesen ihrer eigenen Töchter ... Was bedeutet es, eine Frau und Mutter zu sein? Mit frappierender Ehrlichkeit ergründet Elena Ferrante die widersprüchlichen Gefühle, die uns an unsere Kinder binden.

Ferrante, Elena Elena Ferrante hat sich mit dem Erscheinen ihres Debütromans im Jahr 1992 für die Anonymität entschieden. Ihre vierbändige Neapolitanische Saga - bestehend aus Meine geniale Freundin, Die Geschichte eines neuen Namens, Die Geschichte der getrennten Wege und Die Geschichte des verlorenen Kindes - ist ein weltweiter Bestseller. Ab 2018 erscheinen im Suhrkamp Verlag auch Ferrantes jüngster Band Frantumaglia sowie ihre früheren Romane Lästige Liebe, Tage des Verlassenwerdens und Frau im Dunkeln in neuer Übersetzung.