Frau im Dunkeln

Frau im Dunkeln (Buch)

Roman

Elena Ferrante

Übersetzung: Anja Nattefort

Buch
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Leda ist fast fünfzig, geschieden, sie unterrichtet Englisch an der Universität in Florenz. Die erwachsenen Töchter sind jetzt beim Vater in Kanada, und Leda muss sich eingestehen, dass sie statt der erwarteten... (weiter)

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Details
AutorIn Elena Ferrante
Übersetzung Anja Nattefort
Seiten 187
EAN 9783518428702
Sprache deutsch
erschienen bei Suhrkamp Verlag AG
Erscheinungsdatum 11.02.2019
Ursprungstitel La figlia oscura
Stichwörter Bücher Bestseller 2019
Mutterschaft
Scheidung
Frau und Mutter
Spiegel-Bestsellerliste
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4 | 27 Meinungen

davon Rezensionen:
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Regretting Motherhood
»Was liest Du?«-Rezension von AnnBee, am 07.06.2019

Die Hauptperson dieses kurzen Romans ist Leda, eine 48-jährige Universitätsprofessorin, deren erwachsene Töchter gerade ausgezogen sind. Leda erinnert stark an Elena aus der neapolitanischen Saga, sowohl was ihren Lebenslauf als auch die schonungslose Innenschau und Beschreibung des Charakters angeht. Nach dem Auszug ihrer Kinder stellt Leda fest, dass sie sie nicht vermisst – im Gegenteil, sie fühlt sich befreit und verjüngt. Gleich nutzt sie diese Freiheit, um alleine in den Urlaub zu fahren. Sie verbringt einige Wochen an einem Badeort an der ionischen Küste. Dort beobachtet sie eine neapolitanische Großfamilie, vor allem eine junge Mutter (Nina) mit ihrer kleinen Tochter (Elena). Gleichzeitig fasziniert und abgestoßen, findet Leda sich schnell in einem emotionalen Strudel wieder. Sie projiziert ihre eigene Vergangenheit auf Nina und verzettelt sich zunehmend, nachdem sie Elenas Puppe klaut.

Immer mehr stellt sich heraus, wie stark ihre Beziehung zu ihren Töchtern durch Schuldgefühle geprägt ist. Schon früh hatte sie das Gefühl, diese nicht genug lieben zu können, und fühlt sich eingesperrt in der Mutterrolle. Sie will mehr vom Leben als Hausfrau und Mutter zu sein, und schließlich verlässt sie Mann und Kinder für einige Jahre, in denen sie sich ihrer wissenschaftlichen Karriere widmet.

So richtig wird sie sich diesen Schritt jedoch nie verzeihen. Dabei ist natürlich sie für alle die Böse in dieser Geschichte, nicht etwa ihr Mann, der sich in den ersten Lebensjahren kaum um Frau und Kinder, dafür umso mehr um seine beruflichen Angelegenheiten gekümmert hat und die Töchter als alleinerziehender Vater auch ständig für Monate an die Schwiegermutter abschiebt. Für mich ist das ein mutiges Buch darüber, dass vielleicht nicht jede Frau ihr Glück ausschließlich in der Mutterrolle findet, und wie schwer es für solche Frauen emotional ist, von gängigen Idealen abzuweichen. Umso wichtiger ist es, strukturelle Faktoren wie etwa die Möglichkeit der Kinderbetreuung und Karriere trotz Kind zu reflektieren, was hier leider nicht wirklich geschieht. Schnörkellos und doch atmosphärisch und treffend geschrieben.

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Keine Urlaubsidylle, aber lesenswer
»Was liest Du?«-Rezension von Marta, am 10.05.2019

Dieses Buch ist von der geheimnisvollen Autorin Elena Ferrante bereits vor der neopolitanischen Saga geschrieben worden und keine ganz einfache Kost.

Leda , fast 50 und an der Uni in Florenz unterrichtend, verbringt ihren Sommerurlaub alleine in einem italienischen Urlaubsort. Ihre beiden Töchter sind erwachsen und leben inzwischen bei ihrem Ex-Mann in Kanada. 
Am Strand sind jeden Tag die gleichen Urlauber, hier beobachtet Leda eine italienische Großfamilie. Von einer jungen Frau und ihrer kleinen Tochter ist sie regelrecht besessen.  Aber allmählich schlägt die positive Grundstimmung um.

Leda ist keine Sympathieträgerin und ihre Handlungsweisen – sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart - lassen einen den Kopf schütteln. Doch dann begann ich nachzudenken. Warum wird von Müttern in unserer Gesellschaft so viel mehr erwartet als von Vätern? Das identische Verhalten wäre bei einem Vater auch bei mir ganz anders gewertet worden als bei Leda als Mutter. 
Wirklich spannend, was die Autorin hier ziemlich schonungslos beleuchtet. 

Aber nicht nur die Rolle Ledas, auch die der jungen Mutter vom Strand, auch im Zusammenhang mit dem italienischen Familienverbund fand ich überzeugend geschildert. Generell hat mir der Schreibstil gut gefallen, das Buch liest sich sehr flüssig, die Sprache ist klar und bildhaft.

Das Motiv einer Puppe ist mir nun schon zum zweiten Mal in einem Werk von Ferrante begegnet, es gibt auch ein Kinderbuch über eine Puppe, immer verstörend. 

Kein Buch über italienische Urlaubsidylle, aber sehr lesenswert.

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Leda ist fast fünfzig, geschieden, sie unterrichtet Englisch an der Universität in Florenz. Die erwachsenen Töchter sind jetzt beim Vater in Kanada, und Leda muss sich eingestehen, dass sie statt der erwarteten Sehnsucht vor allem Erleichterung empfindet. Den heißen Sommer verbringt sie in einem süditalienischen Küstenort: Bücher, Sonne, das Meer, was könnte friedlicher sein? Am Strand macht sich neben ihr allerdings eine übermütig lärmende neapolitanische Großfamilie breit, darunter eine noch junge Mutter und deren kleine Tochter. Leda beobachtet die beiden über Tage, zunächst fasziniert, wohlwollend. Allmählich aber schlägt ihre Stimmung um, irgendwann folgt sie einem Impuls und tut dem kleinen Mädchen und der Familie etwas Unbegreifliches an. Und wird selber heimgesucht, von lange verdrängten Erinnerungen - an gravierende Entscheidungen, die sie zu treffen hatte, ganz zum Leidwesen ihrer eigenen Töchter ... Was bedeutet es, eine Frau und Mutter zu sein? Mit frappierender Ehrlichkeit ergründet Elena Ferrante die widersprüchlichen Gefühle, die uns an unsere Kinder binden.

Ferrante, Elena Elena Ferrante hat sich mit dem Erscheinen ihres Debütromans im Jahr 1992 für die Anonymität entschieden. Ihre vierbändige Neapolitanische Saga - bestehend aus Meine geniale Freundin, Die Geschichte eines neuen Namens, Die Geschichte der getrennten Wege und Die Geschichte des verlorenen Kindes - ist ein weltweiter Bestseller. Zuletzt erschienen im Suhrkamp Verlag auch Ferrantes frühere Romane Lästige Liebe, Tage des Verlassenwerdens und Frau im Dunkeln, sowie der Band Frantumaglia, der Briefe, Aufsätze und Interviews versammelt.