Froschperspektive

Froschperspektive (Taschenbuch)

Roman

Taschenbuch
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Ein abgeliebter, zerschlissener kleiner Frosch aus Plüsch ist Ich-Ersatz, Sprachrohr und Gefühls-Ventil für den innerlich zutiefst verletzten Ronny: Was mit der Schilderung einer Kindheit in zerrütteten... (weiter)

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Details
AutorIn Seb Hofmann
Seiten 233
EAN 9783961114597
Sprache deutsch
erschienen bei NOVA MD
Erscheinungsdatum 10.08.2018
Stichwörter coming of age
ddr
frosch
jugend
kindheit
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø5 | 4 Meinungen

davon Rezensionen:
Ø 5 |  3 Rezensionen
davon Bewertungen:
Ø 5 |  1 Bewertung

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Einblick in die Psyche eines Täters
»Was liest Du?«-Rezension von SunshineBaby5, am 15.09.2018

Froschperspektive handelt von dem Protagonisten Ronny. Beginnend bei seiner Kindheit, bis hinein ins Erwachsenenalter schilder Seb Hofmann seine Erlebnisse, Gefühle und Versuche mit der erlebten Vernachlässigung und ständigen Enttäuschungen umzugehen. Ronnys engster und einzig wahrer Freund ist ein Plüschfrosch, der ihm nicht nur Trost in der Einsamkeit spendet, sondern auch seine einzige Möglichkeit ist, emotionales der Außenwelt mitzuteilen.

Der Sprachstil ist sehr flüssig und gut lesbar. Die Sätze sind kurz und wie abgehackt, wodurch alles rasant und oberflächlich wirkt. Ebenso fehlen detaillierte Beschreibungen emotionaler Zustände Ronnys, was sich perfekt in die Geschichte und die Stimmung einfügt. Denn genauso fühlt sich Ronny. Leer oder im Gefühlschaos, das er gar nicht auszudrücken vermag. Die Stimmung zu transportieren ist dem Autor grandios gelungen, denn genau das spiegelt die Welt von Ronny wider. Die Story ist von der ersten Seite an mitreißend und man will unbedingt wissen wie es weiter geht. Der Werdegang, bzw. genauer gesagt, der Abstieg Ronnys kann der Leser von Seite zu Seite mitverfolgen und nachvollziehen wie aus misshandelten Kindern misshandelnde Erwachsene werden.

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absolut gelungenes Debüt
»Was liest Du?«-Rezension von jhaeusler, am 09.09.2018

Ronny Winkler, Baujahr 1985, ist geboren in Karl-Marx-Stadt. In seiner Erzählung in der Ich-Form schildert er dem Leser sein Leben von der Kindheit über Schule bis zum Studium.

Bereits im Kindergarten erlebt er seelische Misshandlungen und Demütigungen, zudem ist seine allein erziehende Mutter hoffnungslos mit ihm überfordert. Derart geprägt, tritt er seiner Umwelt gegenüber aggressiv und abnorm auf. Trost und Halt findet er in seinem Plüschfrosch Gerd, liebevoll Gerdi genannt. Dieser fungiert nicht nur als reines Kuscheltier, sondern artikuliert die Gefühle, zur deren Ausdruck Ronny selbst nicht fähig ist.  Außerdem ist er das Mittel, um sich den Kontakt zu Elisa zu erschleichen. Sie ist seine große Liebe, von der er nicht mehr lassen kann.

Diese Fixierung auf Elisa begleitet ihn auch auf seinem weiterhin, nachdem sich ihre beiden Wege getrennt haben und der Kontakt nur noch sporadisch erfolgt. Nach dieser Trennung sucht Ronny nach dem Glück, das ihm seiner Meinung nach zusteht. Allerdings setzt er Glück mit Triebbefriedigung gleich, und ein negativer Ausgang der Geschichte scheint vorprogrammiert.

Ronnys Charakter ist derart kaputt, dass es schwierig ist, ihm auf emotionaler Ebene zu folgen. Auf der einen Seite ist er ein Opfer, auf der anderen Seite ein egoistischer manipulativer Geselle, der nicht nur die Frauen für seine Zwecke missbraucht. Seine Geschichte ist meiner Meinung nach eine absolut gelungene Fallstudie für Psychologen.

Seb Hofmann hat es meisterhaft verstanden, diese kaputte Seele zu zeichnen. Und dafür braucht es keine langen, ausschweifenden Satzgebilde. Der Schreibstil ist angesichts Tiefe der Geschichte kurz und knapp, mitunter auch dissoziativ und gerade zum Ende hin vulgär, aber immer punktgenau.

“Froschperspektive” verlangt dem Leser Einiges ab. Ronny Entwicklung ist manchmal schwierig zu ertragen. Aber genau das ist das große Plus hier, denn es wühlt auf und lässt dem Leser ausgiebig Raum, seine eigenen Gedanken zu entwickeln.

Und wenn ein Buch bei mir auch noch eine Woche nach Beendigung noch nachhallt, so wie in diesem Fall, bleibt nur zu sagen: absolutes Knaller-Debüt! Ich hoffe inständig, dass der Autor mit Ronny nur das Geburtsjahr und das Bundesland der Geburt gemein hat.

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Ein abgeliebter, zerschlissener kleiner Frosch aus Plüsch ist Ich-Ersatz, Sprachrohr und Gefühls-Ventil für den innerlich zutiefst verletzten Ronny: Was mit der Schilderung einer Kindheit in zerrütteten Verhältnissen zu Zeiten der niedergehenden DDR beginnt, entwickelt sich zu einer albtraumhaften Irrfahrt durch Ängste, Illusionen und Süchte, durch verhängnisvolle Obsessionen und durch ein komplexes Spektrum gelebter und ungelebter Emotionen. Was ist, wenn uns unsere Fantasien, Sehnsüchte und Triebe einholen, nach und nach von uns Besitz ergreifen und schließlich unser Handeln steuern? Was geschieht mit uns, wenn wir dadurch nicht mehr selbst über unsere Gefühle und über unser Tun bestimmen können? "Froschperspektive" ist ein dichter, temporeicher Roman über die tiefe menschliche Sehnsucht nach Liebe, Zuwendung und Geborgenheit - und über die Schmerzen, die Einsamkeit und Mangel an Mitgefühl verursachen können.

Hofmann, Seb Seb Hofmann wurde 1985 in Sachsen geboren, er studierte Jura, Politikwissenschaften und Kommunikation in Jena, Leipzig und Wien. Zudem absolvierte der Autor eine Schauspielausbildung und verfügt neben dem Zweiten juristischen Staatsexamen auch über einen US-Pilotenschein. "Froschperspektive", seinen ersten Roman, schrieb Seb Hofmann 2017 als Pilger auf dem Jakobsweg in sein Tagebuch. Bis auf die Pflichtlektüre in der Schule hat Seb Hofmann nach eigener Aussage noch nie einen Roman gelesen, allerdings verfasste er seit seiner Jugend Gedichte, Geschichten und auch Songtexte für seine Band. Seine Begeisterung gilt zudem Drehbüchern, deren komprimierte und aufs Wesentliche reduzierte Stilistik ihn fasziniert und bei seinem eigenen Schreiben inspiriert. Seb Hofmann lebt in Wien.