Herkunft (Buch)

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2019 und dem Eichendorff-Literaturpreis 2020. Nominiert für den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2019 (Shortlist)

Buch
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- Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2019 - HERKUNFT ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt. HERKUNFT ist ein Buch über meine Heimaten, in der... (weiter)

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Details
AutorIn Sasa Stanisic
Seiten 368
EAN 9783630874739
Sprache deutsch
erschienen bei Luchterhand Literaturverlag
Erscheinungsdatum 14.03.2019
Stichwörter Eichendorff Literaturpreis
Gewinner Deutscher Buchpreis 2019
Großmutter
Heidelberg
Oskorusa
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4 | 16 Meinungen

davon Rezensionen:
Ø 4 |  8 Rezensionen
davon Bewertungen:
Ø 4.1 |  8 Bewertungen

5 Sterne
( 3 )
4 Sterne
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3 Sterne
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2 Sterne
1 Stern

Sehr ungewöhnlich
»Was liest Du?«-Rezension von brauneye29, am 30.10.2019

Zum Inhalt:

Eigentlich fällt es mir schwer etwas zum Inhalt zu schreiben. Nennen wir es am besten eine Art Sammelsurium an Geschichte, die sicher mit der Herkunft des Autoren zu tun haben, vielfach aber auch nur mit Erlebnissen. In wie weit es sich da wirklich um eigenen Erlebnisse handelt, vermag ich nicht zu sagen.

Meine Meinung:

Eins ist mal klar, das Buch ist ungewöhnlich. Es hat einen sehr interessanten Sprachgebrauch, der sehr wortgewandt ist und einen auch in den Bann zieht. Was mich aber irgendwie immer wieder aus dem Lesefluss gebracht hat ist, dass zumindest für mich kein roter Faden da war und mich die vielen Zeitsprünge oftmals verwirrt haben. Ein bisschen als hätte irgendwer die Kapitel willkürlich aneinander gereiht. Dennoch fand ich das Buch insgesamt schon gut und kann auch verstehen, warum das Buch prämiert wurde.

Fazit:

Sehr ungewöhnlich

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Mosaik
»Was liest Du?«-Rezension von FIRIEL, am 25.10.2019

Dieses Buch bietet eine Fülle von Mosaiksteinchen: Erinnerungen an die Kindheit in Jugoslawien, an die Jugend als Flüchtling in Deutschland, an Studium und Sorge um Aufenthaltsgenehmigung, an eine Reise zum Heimatdorf der Großeltern; Episoden aus der Gegenwart wie Begegnungen mit der dementen Großmutter und Szenen mit dem dreijährigen Sohn; ein Briefentwurf an die Ausländerbehörde, Drachen und vieles mehr. Zusammengesetzt ergeben sie ein Leben: Wenn auch literarisch bearbeitet, so sind es wohl die Eindrücke des Autors selbst, Sasa Stanisic, der als Vierzehnjähriger mit seinen Eltern vor dem Krieg in Jugoslawien nach Deutschland floh, hier studierte und als Schriftsteller Erfolg hat. Das Puzzle habe ich gern zusammengesetzt und die Erzählung hat mich auch in ihren Sprüngen mitgenommen. Auffällig: Es gibt so viele ganz persönliche Erinnerungen, und gleichzeitig ist da so viel allgemein Menschliches: Auch wenn wohl nur wenige der Leser einmal in einem Flüchtlingsheim gelebt haben, können doch Erfahrungen wie Zusammenhalt in einer Jugendclique und die Sorge um hilfebedürftige Angehörige von vielen Menschen geteilt werden. 

Dass das Buch auf der Nominierungsliste zum Deutschen Buchpreis stand, hat mich gefreut; ich finde es verdient. Nun hat es tatsächlich auch den Preis gewonnen. Warum wohl? Ist es diese Möglichkeit, im Besonderen das Allgemeine zu erkennen, das übergreifend Menschliche? Und damit auch die Gelegenheit, sich Randgruppen wie häufig abgelehnten Flüchtlingen anzunähern? Das wäre gesellschaftspolitisch gedacht, doch diesen Aspekt bezieht der Preis ja anscheinend ein. Ich hätte mir dafür dann doch auch die Schilderung negativerer Erfahrungen gewünscht: Vom Krieg in Jugoslawien erfährt der Leser nicht viel, und Sasa hat (im Gegensatz zu seinen Eltern) wenig Probleme, sich im neuen Land einzufinden. Echte Integration oder Inklusion gibt es in meinen Augen erst dann, wenn Unterschiede auch anerkannt und wertgeschätzt werden. Nun ja, das ist wohl Ansichtssache. Oder ist der Grund für den Preis literarisch? Auch hier ist mein Votum gemischt: Ja, Stanisic kann erzählen, und seine Sprache nimmt mich mit und lässt mich dem Protagonisten nahekommen. Innovativ ist das aber nicht; auch die Form der "Mosaiksteinchen" ist nicht neu. Formal ungewöhnlich ist der letzte Abschnitt: Stanisic schreibt im Stil eines Spielbuches, in dem der Leser nach einem Abschnitt mehrere Wahlmöglichkeiten hat und so den Fortlauf der Geschichte selbst bestimmt. Das ist zwar keine neue Erfindung, aber in einem literarischen Werk auf jeden Fall überraschend. Aber welchen Sinn hat diese Form? Will der Autor damit vermitteln, dass zwar die Herkunft vorgegeben ist, aber der weitere Fortgang des Lebens in der eigenen Hand liegt? Das berücksichtigt aber nicht, dass für manche Menschen die Wahlmöglichkeiten sehr gering sind; Herr über ihr Schicksal sind sie nur sehr begrenzt. Der Sinn dieses abschließenden Buchteils hat sich mir nicht erschlossen.

Fazit: Ich habe das Buch sehr gern gelesen und freue mich über seinen Erfolg. Den Buchpreis hätte ich ihm allerdings nicht zugesprochen. Wer ihn stattdessen hätte erhalten sollen, kann ich noch nicht sagen; zunächst einmal möchte ich die anderen Kandidaten der Liste zu Wort kommen lassen und mich dann entscheiden.

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- Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2019 - HERKUNFT ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt. HERKUNFT ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem die Bundesregierung die Grenzen nicht schloss und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh. HERKUNFT ist ein Abschied von meiner dementen Großmutter. Während ich Erinnerungen sammle, verliert sie ihre. HERKUNFT ist traurig, weil Herkunft für mich zu tun hat mit dem, das nicht mehr zu haben ist. In HERKUNFT sprechen die Toten und die Schlangen, und meine Großtante Zagorka macht sich in die Sowjetunion auf, um Kosmonautin zu werden. Diese sind auch HERKUNFT: ein Flößer, ein Bremser, eine Marxismus-Professorin, die Marx vergessen hat. Ein bosnischer Polizist, der gern bestochen werden möchte. Ein Wehrmachtssoldat, der Milch mag. Eine Grundschule für drei Schüler. Ein Nationalismus. Ein Yugo. Ein Tito. Ein Eichendorff. Ein Sasa Stanisic.

Stanisic, Sasa Sas_a Stanis_ic wurde 1978 in Vis_egrad (Jugoslawien) geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Sein Debütroman »Wie der Soldat das Grammofon repariert« wurde in 31 Sprachen übersetzt. Mit »Vor dem Fest« gelang Stanis_ic_ erneut ein großer Wurf; der Roman war ein SPIEGEL-Bestseller und ist mit dem renommierten Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden. Für den Erzahlungsband »Fallensteller« erhielt er den Rheingau Literatur Preis sowie den Schubart-Literaturpreis. Sas_a Stanis_ic_ lebt und arbeitet in Hamburg.