In Zeiten des abnehmenden Lichts (Buch)

Roman einer Familie. Ausgezeichnet mit dem Aspekte-Literatur-Preis 2011 u. dem Deutschen Buchpreis 2011

Buch
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International gefeiert, ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis - ein halbes Jahrhundert gelebter Geschichte, ein Familienroman voller überraschender Wendungen: groß durch seine Reife, seinen Humor, seine... (weiter)

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Details
AutorIn Eugen Ruge
Edition 9. Aufl.
Seiten 425
EAN 9783498057862
Sprache deutsch
erschienen bei Rowohlt, Reinbek
Erscheinungsdatum 30.08.2011
Stichwörter Utopie
Deutscher Buchpreis
Individualität
eschichte
DDR
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.5 | 12 Meinungen

davon Rezensionen:
Ø 4.5 |  2 Rezensionen
davon Bewertungen:
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Ein Stück Zeitgeschichte
»Was liest Du?«-Rezension von Stefanie, am 06.06.2014

Aufmerksam auf das Buch bin ja tatsächlich durch den Titel geworden, den ich einfach toll finde. Und er gibt wirklich gut die Stimmung des Buches wider. Aber auch der Roman  hat es mir letztendlich angetan und mich sehr begeistert. Es ist ein Familienroman und auch ein Stück Zeitgeschichte. Über fast vier Generationen hinweg schildert Ruge den schleichenden Untergang der DDR-Diktatur und das Schicksal einer Familie in der DDR. Von den Großeltern, die noch für den Kommunismus brannten und nach der Machtergreifung Hitlers ins Exil nach Mexiko gehen mussten über den Sohn, der ins russische Arbeitslager geriet und nach Jahren mit einer russischen Frau heimkehrt bis hin zum Enkel, der noch vor dem Mauerfall in den Westen flieht – zurück lässt er einen Sohn im Teenager-Alter, der bereits zu einer ganz anderen Generation gehört. Erzählt wird der Roman nicht chronologisch, sondern vielmehr in Montagetechnik. Zentrum der Geschichte ist der 90. Geburtstag des Großvaters im Jahr 1989. Faszinierend fand ich es, wie Ruge es schafft diese komplexe Geschichte, die ja immerhin um die 50 Jahre umfasst und in drei Ländern spielt, auf eigentlich recht wenigen Seiten zu erzählen. Man vermisst inhaltlich nichts und kann der Geschichte trotz der vielen Zeitsprünge sehr gut folgen. Den Schreibstil fand ich anfangs ein wenig eigenwillig, viele Stellen lesen sich wie eine Art innerer Monolog. Aber genau das macht den Roman aus. Die Stimmung des Romans ist sehr melancholisch, fast schon morbide und ein wenig negativ – ganz leicht meint man aber hier und da auch ein wenig Ironie zu spüren. Das passt natürlich wieder gut zum Inhalt. Ein ganz toller, interessanter Roman über ein Stück neuere Geschichte, der nichts verherrlicht, nichts beschönigt, aber auch keine Schuldigen sucht.        

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solide aber nicht überragend
»Was liest Du?«-Rezension von Sabrina, am 14.09.2013

Eugen Ruges "In Zeiten des abnehmenden Lichts" schildert die Geschichte einer DDR-Familie über vier Generationen hinweg und gleichzeitig den Untergang der DDR, weniger anhand makanter historischer Daten, als vielmehr in den Köpfen seiner Protagonisten, die sich von Generation zu Generation stärker von Ideologie und Staat distanzieren.

Die erste Generation bilden Charlotte und Wilhelm, durch und durch überzeugte Sozialisten, die die Nazi-Zeit im mexikanischen Exil verbrachten und 1952 in die DDR zurückkehren. Charlotte ist eine gebildete und ehrgeizige Frau, die unter der mangelnden Anerkennung ihres Mannes leidet und zunehmend in Verachtung und Hass auf ihn versinkt.
Wilhelm dagegen ist der klassische Proletarier, weniger gebildet, aber aufgestiegen als Parteilfunktionär (seit 1919 in der Partei), mit Geheimdienstvergangenheit und bis zum Schluss überzeugt von der DDR und auch von sich selbst.

Charlottes Söhne, Kurt und Werner, wurden unter Stalin ins Arbeitslager ins Ural verbannt. Kurt kehrt später mit seiner russischen Frau Irina zurück nach Ost-Berlin und wird zu einem führenden, linientreuen Historiker, während Irina - immer unglücklicher geworden durch die Schwiegermutter, die eigene Mutter, die sie aus Russland zu sich geholt hat, Kurts Untreue und den Streitereien zwischen Kurt und ihrem Sohn Alexander - sich durch Alkohol tröstet und stark abhängig wird. Kurts Bruder Werner dagegen hat die Verbannung nicht überlebt und wird zum Tabu-Thema in der Familie.

Alexander ist die eigentliche Hauptfigur des Romans. Um ihn dreht sich die Geschichte nach der Wende, 2001, als Kurt bereits demenzkrank ist und Alexander von seiner eigenen Krebserkrankung erfährt. Alexander lehnt sich als erster offenen gegen seine Eltern und das System. Er bricht das Studium ab, streitet ständig mit dem Vater, verlässt Frau und Kind und flieht zu guter Letzt 1989 nach Westdeutschland. 2001 reist Alexander nach Mexiko, wo er in Anbetracht des nahenden eigenen Todes noch einmal in die Welt der Großeltern abtaucht.

Sein eigener Sohn Markus hat sich nach der Trennung der Eltern immer mehr vom Vater entfremdet und steckt gleichzeitig fest im Konflikt mit dem neuen Partner der Mutter, den er nicht als Vater akzeptieren kann. Zudem hat er Drogenprobleme. Mit Parteifunktionären will er nichts mehr zu tun haben, auch nicht auf der Beerdigung seiner eigenen Großmutter Irina.

Der Roman erzählt die Geschichte unchronologisch, beginnt 2001, als Alexander den demenzkranken Kurt besucht, und wechselt dann zwischen Protagonisten und Jahren ohne erkennbare Regel.
Besonders gelungen ist die Struktur des Romans durch ein zentrales Ereignis, dem 90. Geburtstag Wilhelms und gleichzeitig Tag Alexanders Flucht aus der DDR am 1. Oktober 1989, der insgesamt sechsmal aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird und dem Roman so ein außergewöhnliches Zentrum bietet, das ihn von anderen linear erzählten Familiengeschichten abgrenzt.
Die Sprache des Romans ist schlicht, beinahe unauffällig, und sehr klar.

Was mir weniger gefallen hat, war, dass mit Ausnahme von Irina alle Charaktere sehr eindimensional gezeichnet waren. Der Autor gibt sich alle Mühe möglichst viel "schlechtes" in die Familie zu stecken, von diversen Krankheiten, Verfehlungen und persönlichen Schicksalen bis hin zu gegenseitiger tiefer Verachtung und Hass. Dadurch erschafft er ein für DDR-Geschichten oft typisches und leider auch klischeehaftes Bild von Dunkelheit und Unglück mit einer in jeder Beziehung zerrütteten Familie, aber leider wenig Tiefe und vor allem kaum Emotionen. Nur Irina ist abwechslungsreicher und nur für sie konnte ich mich begeistern, während der Rest mir blass und oft langweilig erschien.
Leider konnte der Roman die Faszination des ersten Kapitels, das mich noch beeindruckt hat, auch nicht über die gesamte Länge aufrecht erhalten. Vor allem Alexanders Zeit in Mexiko zog sich für mich etwas langatmig dahin.

Als Fazit würde ich daher ziehen, dass ich mit "in Zeiten des abnehmenden Lichts" einen guten, soliden Roman vorgefunden habe, der durch seine schlichte Sprache gut, aber nicht ereignis- oder emotionsreich zu lesen war und von dem am Ende durch die Farblosigkeit der meisten Protagonisten auch nicht so viel hängen blieb, wie ich es mir erhofft hatte.
Ein insgesamt gelungenes, aber für mich kein überragendes Buch.

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International gefeiert, ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis - ein halbes Jahrhundert gelebter Geschichte, ein Familienroman voller überraschender Wendungen: groß durch seine Reife, seinen Humor, seine Menschlichkeit. Die Großeltern haben noch für den Kommunismus gebrannt, als sie aus dem mexikanischen Exil kamen, um ein neues Deutschland aufzubauen. Der Sohn kehrte aus der Sowjetunion heim: mit einer russischen Frau, der Erinnerung ans Lager und doch in dem Glauben an die politische Idee. Dem Enkel bleibt nur ein Platz in der Realität der DDR, und er flieht - an eben dem Tag, an dem sich Familie, Freunde und Feinde versammeln, um den neunzigsten Geburtstag des Patriarchen zu begehen. Von den Jahren des Exils bis ins Wendejahr 1989 und darüber hinaus reicht diese wechselvolle Geschichte einer deutschen Familie. Sie führt von Mexiko über Sibirien bis in die neu gegründete DDR, führt über die Gipfel und durch die Abgründe des 20. Jahrhunderts. So entsteht ein weites Panorama, ein großer Deutschlandroman, der, ungeheuer menschlich und komisch, Geschichte als Familiengeschichte erlebbar macht. 2009 erhielt Eugen Ruge für In Zeiten des abnehmenden Lichts den Alfred-Döblin-Preis. 2011 wurde der Roman mit dem Aspekte-Literaturpreis und mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Er verkaufte sich bisher in 28 Länder, stand mehr als 40 Wochen auf der Bestsellerliste und wurde von Matti Geschonneck nach einem Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase fürs Kino verfilmt.

Ruge, Eugen Eugen Ruge wurde 1954 in Soswa (Ural) geboren. Der diplomierte Mathematiker begann seine schriftstellerische Laufbahn mit Theaterstücken und Hörspielen. Für "In Zeiten des abnehmenden Lichts" wurde er unter anderem mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen die Bände "Theaterstücke" und "Annäherung" sowie die Romane "Cabo de Gata" und "Follower".