Maschinen wie ich (Buch)

Roman

Ian McEwan

Übersetzung: Bernhard Robben

Buch
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Charlie ist ein sympathischer Lebenskünstler Anfang 30. Miranda eine clevere Studentin, die mit einem dunklen Geheimnis leben muss. Sie verlieben sich, gerade als Charlie seinen 'Adam' geliefert bekommt, einen der ersten... (weiter)

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Details
AutorIn Ian McEwan
Übersetzung Bernhard Robben
Seiten 404
EAN 9783257070682
Sprache deutsch
erschienen bei Diogenes Verlag AG
Erscheinungsdatum 22.05.2019
Ursprungstitel Machines Like Me
Stichwörter Bestseller
Bestsellerautor
Dreiecksgeschichte
England
Liebe
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
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Wenn ein Roboter das Liebesglück bedroht
»Was liest Du?«-Rezension von milkysilvermoon, am 27.06.2019

London im Jahr 1982: Der Falkland-Krieg ist für Großbritannien verloren, doch dank der Forschung von Alan Turing gibt es inzwischen Internet, Handys und selbstfahrende Autos. Auch bei der Entwicklung von Robotern ist man in der alternativen Vergangenheit schon weit fortgeschritten: Künstliche Menschen, die täuschend echt anmuten, sind käuflich zu erwerben. Charlie Friend, ein 32-jähriger Lebenskünstler, wagt die teure Investition und kauft Adam, einen der ersten Androiden, die auf den Markt kommen. Bald aber merkt Charlie, dass Adam für ihn ein Rivale dargestellt, denn er kommt ihm bei der 22-jährigen Studentin Miranda in die Quere, in die er verliebt ist…

„Maschinen wie ich“ von Ian McEwan ist ein vielschichtiger Roman über das Thema Künstliche Intelligenz.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus zehn recht langen Kapiteln. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Charlie – in chronologischer Reihenfolge, aber mit einigen Rückblenden. Dieser Aufbau wirkt gut durchdacht.

Der Schreibstil ist recht nüchtern, schnörkellos und wenig emotional, aber anschaulich und sprachlich sehr gelungen. Der Einstieg in die Lektüre erfordert Aufmerksamkeit vom Leser, um sich in der alternativen Vergangenheit zurechtzufinden. Dennoch lässt sich die Geschichte ohne Probleme nachverfolgen.

Einen wirklichen Sympathieträger gibt es für mich in diesem Roman nicht. Mit den beiden Protagonisten, Charlie und Miranda, kann ich mich nicht identifizieren. Allerdings wirken sie durchaus authentisch. Adam wird ebenfalls recht ambivalent dargestellt, da er zwar über viele positive Eigenschaften und Fähigkeiten verfügt, aber auch eine unheimliche, dunkle Seite zu haben scheint.

Die mehr als 400 Seiten bleiben kurzweilig, denn der Autor hat eine Fülle an Aspekten in den Roman gepackt. Bisweilen wirkt die Handlung ein wenig konstruiert und übertrieben, was mich aber nicht gestört hat.

Die große Stärke des Romans ist einerseits, dass er ein brisantes und aktuelles Thema in den Mittelpunkt rückt. Die literarische Bearbeitung des Themas Künstliche Intelligenz (KI) gibt die Möglichkeit, sich mit den Chancen und Risiken moderner Technologien auseinanderzusetzen und Szenarien aufzuzeigen, wie unsere Zukunft in Teilen aussehen könnte. Dabei werden wichtige Fragen aufgeworfen wie: Worin werden sich ein Mensch und eine hochentwickelte Maschine künftig unterscheiden? Kann eine KI ein Bewusstsein oder sogar Gefühle haben? Wie muss eine Maschine beschaffen sein, um dem Menschen nicht zu schaden? Wie lassen sich diese Roboter kontrollieren? Andererseits ist es ein weiteres Plus des Romans, moralische und ethische Konflikte und Grenzfälle zu behandeln. Dies verleiht der Geschichte zusätzlich an Tiefe. Beide Aspekte sorgen dafür, dass der Roman immer wieder zum Nachdenken anregt und interessante Impulse liefert. Trotzdem wird die Geschichte nicht zu düster und schwerfällig, denn auch humorvolle Passagen fehlen nicht.

Das vom Verlag gewohnt reduzierte Cover passt inhaltlich ganz gut, was die drei Hauptpersonen angeht, stellt aber leider keinen Bezug zur Künstlichen Intelligenz her. Erfreulicherweise hat man sich beim deutschen Titel jedoch eng an der Originalausgabe („Machines like me“) orientiert.

Mein Fazit:
Mit „Maschinen wie ich“ ist Ian McEwan ein komplexer und lesenswerter Roman gelungen, der nachdenklich macht und noch eine Weile nachhallen wird.

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Künstliche Intelligenz - Bedrohung oder Chance?
»Was liest Du?«-Rezension von parden, am 26.06.2019

London, 1982: Großbritannien hat gerade den Falkland-Krieg verloren, und dank der Forschung von Alan Turing gibt es Anfang der achtziger Jahre schon Internet, Handys und selbstfahrende Autos - und die ersten täuschend echten künstlichen Menschen. Charlie, ein sympathischer Lebenskünstler Anfang dreißig, ist seit seiner Kindheit von künstlicher Intelligenz fasziniert, Turing ist sein Idol. Auch wenn es ihn ein kleines Vermögen kostet, kauft er sich sofort einen der ersten Androiden, die auf den Markt kommen. Charlie wünscht sich einen Freund, einen Helfer, einen interessanten Gesprächspartner. Er erhält viel mehr als das: einen Rivalen um die Liebe der schönen Miranda und eine moralische Herausforderung, die ihn bis zum Äußersten reizt.


Charlie hätte eigentlich lieber eine 'Eve' gehabt, aber die waren schon ausverkauft. Doch auch der 'Adam' verspricht eine gehörige Veränderung in seinem Leben, das bislang von wenig konstanten Berufs- und Liebeserfahrungen geprägt ist. Mit seinen gerade einmal dreißig Jahren hat Charlie seinen Weg noch nicht so recht gefunden, ist aber heimlich in seine Nachbarin Miranda verliebt. Charlie erhofft sich, dass sich die Beziehung zu Miranda positiv entwickelt, wenn er sie in das Abenteuer 'Adam' mit einbezieht. Gemeinsam programmieren sie daher die letzten gewünschten Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen des Androiden, bevor dieser tatsächlich an den Start geht.

Zu Beginn ahnt Charlie nur, welch ein Potential in Adam steckt, doch nach und nach zeigt sich das Spektrum, bei dem der Androide brilliert. Nachts wird er an das Stromnetz angeschlossen, das gleichzeitig den Zugang zum Internet ermöglicht - und in einem schlafähnlichen Zustand versorgt sich Adam so nicht nur mit der notwendigen Energie, sondern auch mit immer mehr Informationen. Sein neuronales Netz verzweigt und verknüpft sich zunehmend, und bald schon hat er auch sein Verhalten so angepasst, dass er von einem Menschen kaum noch zu unterscheiden ist. Als sich Adam dann auch noch in Miranda verliebt, sieht Charlie größere Probleme auf sich zukommen.


Natürlich beschränkt Ian McEwan das Geschehen nicht allein auf die Triangularität der Liebesbeziehungen. Dies ist nur ein kleiner Aspekt der Themen, die hier einfließen. Er präsentiert die Möglichkeiten, die eine gut entwickelte künstliche Intelligenz bietet - aber eben auch die damit verbundenen Schwierigkeiten, womöglich gar Gefahren. Denn deutlich wird rasch: Adam ist Charlie hinsichtlich Intelligenz und Kraft bald schon weit überlegen.

Ein besonderes Dilemma bietet bei der Erzählung die Emotionalität. Während Charlie und Miranda in ihrem Handeln und ihren Entscheidungen oftmals (menschlich eben) von ihren Emotionen und einer gewissen Moralvorstellung beeinflusst werden, orientiert sich Adam rein rational. Richtig ist richtig und falsch ist falsch, und dazwischen gibt es nichts. Mögliche Konsequenzen erkennt der Androide zwar, aber diese beeinflussen - wie auch immer sie ausfallen - seine Entscheidungen nicht. Das Zusammenleben der drei gerät durch diese Unterschiedlichkeit doch einige Male in gehörige Schieflage.

McEwan gelingt es, dass der Leser Charlie in seinen Empfindungen Adam gegenüber sehr empathisch folgt. Anfangs gleichermaßen fasziniert wie befremdet, schleicht sich allmählich das Gefühl einer möglichen Bedrohung ein. Wenn die künstliche Intelligenz wie bei Adam so rasant an Wissen und Können hinzugewinnt und bald schon alle menschlichen Möglichkeiten übersteigt - wird der Mensch dann nicht überflüssig? Und dann kommt ein Moment des Staunens und des Innehaltens - gefolgt von einem Gefühl von Wehmut und Nachdenklichkeit. Die Erzählung entwickelte sich jedenfalls eindeutig anders als ich es vorher erwartet hatte - grandios.


Der Autor hat hier eine dystopische Science Fiction in die Vergangenheit katapultiert, nämlich ins Jahr 1982. Dadurch kommt dem Leser vieles bekannt vor, durch die veränderte historische Entwicklung, die McEwan hier aber präsentiert, gleichzeitig auch wieder nicht. Alan Turing beispielsweise, der seinerzeit einen großen Teil der theoretischen Grundlagen für die moderne Informations- und Computertechnologie schuf, dann aber aufgrund einer chemischen Kastrierung wegen seiner Homosexualität in Depressionen verfiel und sich 1954 schließlich umbrachte, wird von McEwan als wichtigster Entwickler der künstlichen Intelligenz ins Jahr 1982 transportiert und gesteht ihm immer wieder einmal einen Auftritt zu.


"Von einem gewissen Standpunkt aus gesehen besteht die einzige Möglichkeit, dem Leiden ein Ende zu setzen, in der kompletten Auslöschung der Menschheit." (S. 95 f.)



Neben dem spannenden Experiment KI beschäftigt sich der Autor - zuweilen doch recht essayhaft - mit moralisch-philosophischen Fragestellungen, die sich bei der Beschäftigung mit dem Thema KI fast zwangsläufig aufdrängen. Was macht einen Menschen zum Menschen, wo ist die Grenze Mensch-Maschine anzusiedeln beim Thema KI, ist der Mensch irgendwann einmal überflüssig und wird durch seine eigene Erfindung abgeschafft, was ist richtig und was ist falsch, kann man Lügen lernen, kann ein künstlicher Mensch Emotionen empfinden u.v.m.? Spannende Fragen, mit denen der Autor auch für den Leser reichlich Denkanstöße bereithält.

Gleichzeitig lässt McEwan durch die Verlegung der Erzählung in die Vergangenheit auch viele gesellschaftskritische Elemente einfließen. Die Thatcher-Regierung, der Falkland-Krieg, die mögliche Abspaltung Großbritanniens von Europa - viele auch aktuell kritische Bezüge, die das ganze für mich zuweilen ein wenig überladen wirken ließen, McEwan aber offensichtlich ein großes Anliegen waren. Manche Passagen in dem Roman waren mir persönlich auch zu technik-/wissenschaftslastig, da ich mich mit der Materie KI ansonsten nicht beschäftige.

Alles in allem ein beeindruckender Roman mit viel Stoff zum Nachdenken. Hier schlägt man nicht das Buch zu und gut ist - hier hallt etwas nach. Viele Fragen werden aufgeworfen - moralisch, ethisch, gesellschaftlich -, auf die es keine wirklichen Antworten gibt. Und das macht unruhig...

McEwan hat mit diesem Roman einmal mehr sein großes Können gezeigt!

© Parden

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Und hier noch - mal abseits vom Buch - eine interessante Dokumentation zum Thema KI:
 

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Charlie ist ein sympathischer Lebenskünstler Anfang 30. Miranda eine clevere Studentin, die mit einem dunklen Geheimnis leben muss. Sie verlieben sich, gerade als Charlie seinen 'Adam' geliefert bekommt, einen der ersten lebensechten Androiden. In ihrer Liebesgeschichte gibt es also von Anfang an einen Dritten: Adam. Kann eine Maschine denken, leiden, lieben? Adams Gefühle und seine moralischen Prinzipien bringen Charlie und Miranda in ungeahnte - und verhängnisvolle - Situationen.

Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt bei London. 1998 erhielt er den Booker-Preis und 1999 den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung. Seit seinem Welterfolg 'Abbitte' ist jeder seiner Romane ein Bestseller. Zuletzt kamen Verfilmungen von 'Am Strand' (mit Saoirse Ronan) und 'Kindeswohl' (mit Emma Thompson) in die Kinos. Ian McEwan ist Mitglied der Royal Society of Literature, der Royal Society of Arts und der American Academy of Arts and Sciences.