Mauersegler (Buch)

Roman

Buch
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Fünf Männer gründen eine Alten-WG in einer Villa am See. Zusammen wollen sie die verbleibenden Jahre verbringen, zusammen noch einmal das Leben genießen. Für den letzten - selbstbestimmten - Schritt... (weiter)

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Details
AutorIn Christoph Poschenrieder
Seiten 219
EAN 9783257069341
Sprache deutsch
erschienen bei Diogenes Verlag AG
Erscheinungsdatum 26.08.2015
Kategorie Senioren
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.2 | 9 Meinungen

davon Rezensionen:
Ø 5 |  2 Rezensionen
davon Bewertungen:
Ø 4.1 |  7 Bewertungen

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1 Stern

Ein ganz bemerkenswerter Erzähler gibt hier mit viel feinsinnigem Humor eine besondere Geschichte zum Besten
»Was liest Du?«-Rezension von sommerlese, am 03.04.2016

Poschenrieder lässt Carl die Geschichte der fünf Freunde erzählen. Carl, ehemaliger Journalist und Philosoph bringt dem Leser die Personen nahe und philosophiert über dies und das. Schnell wird klar, das diese Männer, die unterschiedlicher nicht sein können, etwas ganz Besonderes verbindet. Es ist der kleine Martin, der vor Jahren unter ungeklärten Umständen ertrunken ist. Er bringt die Männer alljährlich zusammen und hat sie über die Jahre nie den Kontakt zueinander verlieren lassen.

Gemeinsam beschließen sie beim jährlich stattfindenden "Martinstreffen", dem Todestag ihres Jugendfreundes Martin, die Gestaltung einer eigenen Alten-WG für ihren Lebensabend.

Zitat S. 71:
Es war wie im Kindergarten. Nur ohne die Kindergartentanten. Jeder machte, wozu er Lust hatte.

So wagen sie das Zusammenleben, fühlen sich frei und wohl und starten ihr selbstbestimmtes Todesengelprogramm.
Als der erste in ihren Reihen zum Pflegefall wird, umsorgen sie ihn kameradschaftlich, stellen eine Pflegekraft ein und starten ihr computergesteuertes Programm zum selbstbestimmten Sterben. Gespannt fiebert man als Leser dem ersten tragischen Ereignis entgegen: Wann wird der sogenannte "Totmannknopf" zum ersten Mal gezündet?

Der Autor vermag diese makabere Situation mit erfrischender Situationskomik zu beschreiben, verliert aber nie den melancholischen Anklang und bringt die Thematik des selbstbestimmten Sterbens mit sehr viel Tiefgang nahe.
Man beginnt sich während des Lesens nach den eigenen Wünschen des Sterbens zu fragen. Ein Roman, der aufwühlt, gut unterhält und nachdenken lässt über ein Sterben in Würde.
  
Doch warum heißt der Roman Mauersegler?

Zitat Seite 61:
Nach Brehms Tierleben ist ein Mauersegler: herrschsüchtig, zänkisch, stürmisch und übermütig, ein Geselle, der nicht einmal mit seinesgleichen in Frieden lebt.
Carl bemerkt trocken: Wie wir!
 
Ich habe es bewundert, wie leicht Poschenrieder mit dem Thema Sterbehilfe umgeht und wie geschickt er seine Sprachkraft einsetzt. Dieser Roman wühlt auf, amüsiert mit Witz und lässt den Leser nachdenken über ein Sterben in Würde. Ein wunderbares Lesehighlight! 

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Leben ist Eins und Tod ist Null
»Was liest Du?«-Rezension von Elke, am 16.09.2015

Altwerden ist nichts für Feiglinge, so sind die Lebenserinnerungen eines bekannten deutsche Schauspielers betitelt – und er hat recht. Diese Erfahrung teilen auch fünf ältere Männer, die deshalb beschließen, den letzten Lebensabschnitt gemeinsam zu begehen, bis zum bitteren Ende. Sie kennen sich gut, sind Freunde seit Kindertagen und haben so manches erlebt. Das schweißt zusammen. Aus den Augen haben sie sich nie verloren, mögen ihre Lebenswege auch noch so unterschiedlich verlaufen sein. Nicht zuletzt, weil sie sich die Schuld an dem Unfall geben, bei dem ihr Freund„ der kleine Martin“ auf tragische Weise ums Leben kam. Und damals waren sie noch Kinder.

Nun also verbringen sie die letzte Zeit ihres Daseins miteinander, und jeder von ihnen hat seine Eigenheiten: Wilhelm, der Jurist, der mittlerweile im Rollstuhl sitzt. Heinrich, der Food Designer, der jahrzehntelang seinen Mitmenschen den größten Dreck als Nahrungsmittel verkauft und nun die Seiten gewechselt hat. Siegfried, Dramaturg und Ladykiller, zieht nun ehrenamtlich die Fäden an der Provinzbühne. Ernst, Software-Entwickler mit einem beträchtlichen Vermögen und Eigentümer der Villa am See. Und Carl, Philosoph und Journalist, ehemaliger Chefredakteur eines wenig erfolgreichen Magazins, durch dessen Augen wir das Zusammenleben dieser Seniorentruppe betrachten.

Im Großen und Ganzen ist das Zusammenleben der Freunde stressfrei, zumindest solange alle gesund sind. Als aber allmählich die ersten Zipperlein auftreten und Wilhelm durch die Amputation seines Raucherbeines Betreuung fast rund um die Uhr benötigt, rückt das Thema Pflegebedürftigkeit und selbstbestimmter Tod in ihren Fokus. Ernst, der Software-Entwickler, hat die Idee. Er programmiert den „Todesengel“, ein entsprechendes Programm, mit dem jeder selbst bestimmen kann, wer ihm auf der letzten Etappe des Weges unterstützend zur Seite stehen soll. Zusätzlich stellen die Senioren Katarina, eine kirgisische Pflegekraft, ein, die ihnen im Alltag helfend unter die Arme greifen soll. Und plötzlich ist wieder Leben im Haus, denn Katarina hat so eine Idee…

Es ist wunderbar und selten in der Literatur zu finden, wie leicht Poschenrieder mit diesem ernsten Thema umgeht, das unsere Gesellschaft die nächsten Jahrzehnte beschäftigen wird. Gelungene Charakterisierungen mit ironischen Untertönen, jeder Menge Situationskomik, alltagsphilosophischen Einsprengseln sowie einer Prise Melancholie machen aus diesem Roman ein absolutes Lesehighlight.

 

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Fünf Männer gründen eine Alten-WG in einer Villa am See. Zusammen wollen sie die verbleibenden Jahre verbringen, zusammen noch einmal das Leben genießen. Für den letzten - selbstbestimmten - Schritt zählen sie auf die Hilfe der Mitbewohner. Denn es kommt nicht darauf an, wie alt man wird, sondern wie und mit wem man alt wird.

Christoph Poschenrieder, geboren 1964 bei Boston, studierte Philosophie in München und Journalismus in New York. Seit 1993 arbeitet er als freier Journalist und Autor von Dokumentarfilmen. Heute konzentriert er sich auf das literarische Schreiben. Sein Debüt 'Die Welt ist im Kopf' wurde vom Feuilleton gefeiert und war auch international erfolgreich. Mit 'Das Sandkorn' war er 2014 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Christoph Poschenrieder lebt in München.