Mittagsstunde (Buch)

Roman. Ausgezeichnet mit dem Rheingau Literaturpreis 2019

Buch
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Die Wolken hängen schwer über der Geest, als Ingwer Feddersen, 47, in sein Heimatdorf zurückkehrt. Er hat hier noch etwas gutzumachen. Großmutter Ella ist dabei, ihren Verstand zu verlieren, Großvater Sönke hält in seinem alten Dorfkrug stur die Stellung. Er hat die besten Zeiten hinter sich, genau wie das ganze Dorf. Wann hat dieser Niedergang begonnen? In den 1970ern, als nach der Flurbereinigung erst die Hecken und dann die Vögel verschwanden? Als die großen Höfe wuchsen und die kleinen starben? Als Ingwer zum Studium nach Kiel ging und den Alten mit dem Gasthof sitzen ließ? Mit großer Wärme erzählt Dörte Hansen vom Verschwinden einer bäuerlichen Welt, von Verlust, Abschied und von einem Neubeginn.

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Comes a Time
»Was liest Du?«-Rezension von ulrike rabe, am 19.01.2019

Marret Feddersen sieht in allem Möglichen Zeichen des nahenden  Untergangs Schon als Kind war sie seltsam, „verdreiht“. Auf ihren Runden durch das Dorf Brinkebüll  erkennt sie jeder am Geräusch ihrer Klapperlatschen. „Marret Ünnergang“ wird sie nur mehr genannt. Als viel später ihr Sohn Ingwer nach jahrelanger Abwesenheit nach Brinkebüll zurückkehrt, zieht er Bilanz. Sein Leben, das Dorf, alles hat sich gewandelt. So nimmt auch er eine Auszeit, um seinen greisen Großeltern Sönke und Ella beizustehen.

Mittagsstunde, High Noon in Brinkebüll, nur dass sich hier nicht Gut und Böse im ewigen Kampf gegenüberstehen, sondern alt gegen neu, Tradition gegen Fortschritt.

Es sind viele berührende Szenen, die Dörte Hansen aus dem Dorfleben beschreibt. Die Handlung verläuft in zwei Zeitebenen. Zum einen befinden wir uns in den Nachkriegsjahren bis in die 60er, Jahre des Aufbaus, der Beginn einer neuen Zeit und zum anderen in der Gegenwart, in der Brinkebüll  fast wie eine Geisterstadt anmutet. Schule, Laden, die alten Höfe gibt es nicht mehr. Gerade noch Sönkes Wirtshaus besteht noch. Die Zeit der Feste im Brinkebüller Saal sind vorbei, kein Frühschoppen, kein Umtrunk bis zum Morgen. Es ist eine verkehrte Welt. Städter ziehen nach Brinkebüll, um die Ursprünglichkeit zu suchen, die die Landwirte im Zuge der Modernisierung abgeschafft haben. Es ist nicht nur das Dorfsterben, dass die Autorin beschreibt. Sie greift sehr viele Themen auf, sehr breit angelegt: Pflege der Familienangehörigen im Alter, Demenz, Inklusion, unbewältigte Kriegstraumata, die Bildungsschere zwischen Stadt und Land und vor allem die Einsamkeit und Isolation in unklaren oder ungeliebten Beziehungen. Paare, die jahrzehntelang mehr nebeneinander statt miteinander leben, die nicht miteinander reden, sondern übereinander, das macht die Geschichte über das Dorfleben hinaus universell. Es ist eine nostalgische Erzählung, durchsetzt mit wehmütigem Humor. Skurrile Figuren damals wie heute geben dem Buch eine zutiefst menschliche Seite. Aber Hansen erzählt auch von den Chancen eines Neuanfangs, einer Weiterentwicklung, der Suche und nach dem Platz im Leben.

 

 

Authentisches Hörvergnügen
»Was liest Du?«-Rezension von Annegreat, am 09.12.2018

In „Mittagsstunde“ beschreibt Dörte Hansen das ländliche Dorfleben im Norden mit seinen Bräuchen, Ritualen und Regeln, wie diese langsam verschwinden und sich das Leben wandelt. Dabei beschreibt sie die Landschaft so detailliert, dass man unwillkürlich Bilder vor Augen hat. Ihre Charaktere werden authentisch und lebensnah beschrieben und man bekommt im Laufe des Buches fast das Gefühl sie zu kennen. Die Dorfgemeinschaft wird dabei passend mit ihren Schwächen und Stärken beschrieben.

Das Buch wird in verschiedenen Zeitebnen erzählt. Durch den Wechsel zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart zieht es einen in seinen Bann und man erlebt die Geschichte des Dorfes über mehrere Jahrzehnte.

Ich habe das Buch als Hörbuch genossen. Gelesen wird es von Hannelore Hoger. Ihre dunkle, ruhige Stimme ist angenehm und passt zur Atmosphäre des Geschehens, allerdings muss man sich ein wenig konzentrieren, um nicht zu verpassen.