Nach Hause schwimmen

Nach Hause schwimmen (Buch)

Roman. Ausgezeichnet mit dem Schweizer Buchpreis 2008

Buch
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Wilbur, gerade mal 1,50 Meter groß, ist wirklich kein Glückskind: Seine irische Mutter stirbt bei der Geburt, sein schwedischer Vater macht sich aus dem Staub, und sein erstes Zuhause ist der Brutkasten. Erst als... (weiter)

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Details
AutorIn Rolf Lappert
Edition 11. Aufl.
Seiten 544
EAN 9783446209923
Sprache deutsch
erschienen bei Hanser, Carl GmbH + Co.
Erscheinungsdatum 02.2008
Rezensionen
Autorenportrait
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Leben lernen...
»Was liest Du?«-Rezension von parden, am 01.01.2017


Wilbur Sandberg ist gerade einmal zweiundzwanzig Jahre alt, als er als suizidgefährdet in eine Klinik eingewiesen wird. Der festen Überzeugung, dort fälschlicherweise eingeliefert worden zu sein, beobachtet Wilbur zunächst einmal das Geschehen und versucht, sich an die Ereignisse vor dem Krankenhaus zu erinnern. Was hatte er als Nichtschwimmer und mit einer fast panischen Angst vor Wasser im Meer verloren? Wilbur merkt, dass ihm die Auszeit vom Alltag gut tut und beschließt, erst einmal in der Klinik zu bleiben.


"Ich bin nicht mehr und nicht weniger ein Fall für den Psychiater als die meisten Menschen, denen ich begegnet bin (...) Für mein Alter besitze ich eine umfangreiche Sammlung von Macken. Ich bin komplex, nicht verrückt (...) Mein Leben hat einen starken Hang zum Tragischen, nicht ich."


Wilbur ist in seinem bisherigen Leben tatsächlich nicht vom Glück verfolgt worden. Seine Mutter starb gleich bei seiner viel zu frühen Geburt, sein Vater war darüber so geschockt, dass er auf Nimmerwiedersehen verschwand. Nach Wochen im Brutkasten kam Wilbur für einige Zeit in ein Kinderheim, bis die Eltern seiner Mutter ihn zu sich nach Irland holten. Dort fasste der verschlossene aber hochintelligente Junge ganz allmählich Vertrauen zu seiner Großmutter Orla, die für ihn einige Jahre lang den Mittelpunkt der Welt darstellte. Die Schule behagte Wilbur dagegen nicht. Immer kleiner geraten als die anderen Kinder, war es für ihn schwer, Anschluss zu finden, und seine geistigen Fähigkeiten waren dem Schulstoff weit voraus. Ausgerechnet sein einziger Freund Conor verursachte schließlich auch noch einen Unfall, bei dem Wilburs Großmutter starb. Der Freund kam in die Erziehungsanstalt, Wilbur zu Pflegeeltern, in Kinderheime, schließlich auch in die Jugendbesserungsanstalt.


"Er war elf Jahre alt. Und das Leben schien ihm nicht mehr der Mühe wert zu sein (...) Nichts von dem, was jetzt noch geschehen mochte, würde von Bedeutung sein. Den Monaten und Jahren, die vor ihm lagen, fehlte alle Wärme und jeder Funke Hoffnung."


In wechselnden Zeitsträngen erzählt Rolf Lappert die Geschichte dieses zu klein geratenen jungen Mannes (ohne Schuhe ist er gerade einmal 1,62 m groß), der auch im Leben stets zu kurz gekommen ist. In der Gegenwart erfährt der Leser von Wilburs Erlebnissen nach der Einweisung in die Klinik, in der Vergangenheit rollt der Autor chronologisch die Kindheit des Jungen vor den Augen des Lesers auf. Doch obwohl Wilbur eindeutig auf der Verliererseite des Lebens steht, ist dies kein bedrückender Roman. Im Gegenteil - Wilbur hadert nie mit den Menschen, die in sein Schicksal verstrickt sind, nur mit dem Schicksal selbst, das es oftmals nicht gut mit ihm meint. Tragikomisch und in einem ruhigen Erzählfluss lässt der Autor Wilburs Geschichte entstehen, starke Bilder prägen die Erzählung, und bis hin zu den Nebenfiguren sind die Charaktere fein gezeichnet, so dass beim Lesen Verständnis für alle Figuren entseht.


"Aber die Zeit hatte längst aufgehört unendlich zu sein und voller Versprechen."


Rolf Lappert schildert die Notlage einer menschlichen Seele, doch gelingt es ihm dabei gleichzeitig stets, seinen unbeschwerten Erzählstil beizubehalten. Andere Rezensenten vergleichen Lapperts Stil mit dem von John Irving, doch da ich immer noch kein Buch des Amerikaners gelesen habe, kann ich zu diesem Vergleich nichts sagen. In jedem Fall nahm mich der melancholisch-heitere Ton der Erzählung gefangen, berührte mich vieles von dem, was ich da las, und ich hätte seitenweise Zitate herausschreiben können, da viele der Formulierungen so unglaublich poetisch-kraftvoll waren.

Ein Zufallsfund, der mich darin bestärkt, Bücher nach dem Bauchgefühl auszuwählen. Titel und Klappentext sprachen mich an, und der Inhalt hielt, was ich mir davon versprach. Erst nachdem ich mit dem Lesen begonnen hatte, erfuhr ich, dass der Roman den Schweizer Buchpreis 2008 gewann und auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2008 stand.

Für mich eines der Lese-Highlights des Jahres!


© Parden

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Wilbur, gerade mal 1,50 Meter groß, ist wirklich kein Glückskind: Seine irische Mutter stirbt bei der Geburt, sein schwedischer Vater macht sich aus dem Staub, und sein erstes Zuhause ist der Brutkasten. Erst als seine Großeltern ihn nach Irland holen, erfährt er, was Heimat ist. Doch das Glück währt nicht lang: Sein bester Freund kommt in die Erziehungsanstalt, und seine Großmutter Orla stirbt bei einem Unfall. Auch wenn er gern so stark wäre wie Bruce Willis: Er ist und bleibt ein Verlierer. Erst die charmante Aimee bringt ihm etwas anderes bei: Wilbur muss endlich lernen, zu leben - ob er will oder nicht. Rolf Lappert hat einen großen Roman über das Erwachsenwerden eines kleinen, an der Welt verzweifelnden Jungen geschrieben, der durch seine bezwingende Komik mitreißt.

Lappert, Rolf Rolf Lappert wurde 1958 in Zürich geboren und lebt in der Schweiz. Er absolvierte eine Ausbildung zum Grafiker, war später Mitbegründer eines Jazz-Clubs und arbeitete zwischen 1996 und 2004 als Drehbuchautor. Bei Hanser erschien 2008 der Roman Nach Hause schwimmen, der 2008 mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde, und Auf den Inseln des letzten Lichts (Roman, 2010). Pampa Blues ist im Frühjahr 2012 erschienen.