Nachts ist es leise in Teheran (Buch)

Roman

Buch
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Eine aufrüttelnde Familiengeschichte zwischen Revolution, Flucht und deutscher Gegenwart Vier Familienmitglieder, vier Jahrzehnte, vier unvergessliche Stimmen. Aufwühlend und anrührend erzählt Shida Bazyar... (weiter)

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Details
AutorIn Shida Bazyar
Seiten 283
EAN 9783462048919
Sprache deutsch
erschienen bei Kiepenheuer & Witsch GmbH
Erscheinungsdatum 18.02.2016
Stichwörter Persien
Familiengeschichte
Revolution
Flucht
Iran
Rezensionen
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Informativ und berührend
»Was liest Du?«-Rezension von Yvonnen, am 30.05.2017

Dieser Roman ist eine aufrüttelnde Familiengeschichte zwischen Revolution, Flucht und deutscher Gegenwart. Erzählt wird er aus den Ich-Perspektiven von vier iranischen Familienmitgliedern in einem Zeitfenster von 40 Jahren.

1979 kämpft Behsad, ein junger kommunistischer Revolutionär nach der Vertreibung des Schahs für eine neue Ordnung.

„Seit der Revolution, seit Khomeinis Rückkehr, seit seiner nagenden, wachsenden Macht sind es für mich Warnungen aus der vorrevolutionären Zeit, die sich anfühlt, als wäre sie Jahrzehnte her. Wir hätten früher anfangen sollen, sie uns genau anzuhören, hätten, noch bevor wir sagten: Sie sind der erste Schritt!, überlegen sollen, ob sie nicht der erste Schritt in die falsche Richtung sind, und ob wir den Schritt nicht doch auch ohne sie gehen können.“ (S. 42)

1989 wird aus Nahid’s Sicht von ihrer Flucht mit Behsad und ihren gemeinsamen Kindern erzählt. Sie wollen zurückkehren in den Iran, suchen aber zugleich in Deutschland eine neue Heimat.

„Ein Paket von meiner Mutter, mit Geburtstagsgeschenken für Laleh und mit Trostgeschenken für Morad, mit getrockneten Kräutern und Pistazien, getrockneten Limonen und Berberitzen. Und eine Tüte schwarzen Tees, der nicht in Beuteln versteckt wurde, der nach Zimt und Karadamom riecht, den Behsads Mutter meiner Mutter geschickt hat, damit sie ihn uns schickt. Kein Brief von ihr, aber der Tee war Gruß genug, Sorge und Vorwurf und Liebkosung in einem.“ (S. 111)

1999 reist ihre gemeinsame Tochter Laleh mit ihrer Schwester und ihrer Mutter nach Teheran zu Besuch und lernt ein Land kennen, das sich nur schwer mit den Erinnerungen ihrer Kindheit und ihrer iranisch-deutschen Mentalität deckt.

„Ich würde einiges dafür geben, diese Dinge nicht zu wissen. Die Drogen kosten hier weniger als ein Liter Milch, hat mein Onkel abfällig gesagt, Das ist ein Mittel, die Leute dumm zu halten. Religion ist Opium für das Volk, aber dieses Volk braucht das Opium, um vor der Religion zu flüchten. Dann nicken alle, und das sind Informationen, die nichts mit mir und meinen Erlebnissen hier zu tun haben. So wenig wie die Folterungen in den Gefängnissen, so wenig wie die Zerstörung von Persepolis, so wenig wie die altpersischen Dichter.“ (S. 184/185)

2009 beobachtet ihr Bruder Mo skeptisch die pseudoengagierten Demos deutscher Studenten, während die Grüne Revolution in Teheran ausbricht und seine Welt auf den Kopf stellt.

„Wer weiß, was nicht vielleicht schon in den nächsten Stunden passieren wird. Vielleicht etwas so Brisantes und Aufregendes, dass es die Veränderung direkt hierher zu uns bringt, dass unsere Eltern vielleicht endlich ihren Frieden finden, denn irgendwie war das doch immer das, was zu ihrem Glück fehlte: am Ende doch zu gewinnen, gegen das, was sie hierherschickte. Wie muss es sich wohl anfühlen, wenn man Eltern hat, die plötzlich vom Warten erlöst werden? Eltern, die auch einmal gewonnen haben?“ (S. 223)

Aufwühlend und anrührend erzählt Shida Bazyar eine Geschichte, die ihren Anfang 1979 in Teheran nimmt und den Bogen spannt bis in die deutsche Gegenwart. Der Autorin gelingt ein dichtes, zartes und mitreißendes Familienmosaik. Und ein hochaktueller, bewegender Roman über Revolution, Unterdrückung, Widerstand und den unbedingten Wunsch nach Freiheit.

Vor allem aber konnte mich dieser Roman überzeugen, weil er die Gelegenheit bietet, sich in die Gefühlswelt der vier Protagonisten hineinzuversetzen. Geschichtliches Umfeld, Tradition, Erziehung, Gefühls- und Gedankenwelt erlebt man als Leser hautnah mit. Durch die Art der Erzählung setzt sich nach und nach ein Bild zusammen, das von Hoffnungen und Ängsten durchsetzt ist und auch Unterschiede zwischen iranischer und deutscher Mentalität aufzeigt. Dieser Roman bewirkt ein gewisses Verstehen und manchmal auch ein Verständnis für die Personen, für ihre Probleme und ihre Verhaltensweisen.

Einige iranische Begriffe wurden nicht im Text übersetzt, sind dafür jedoch am Ende des Buches im Glossar erklärt, was ich als völlig ausreichend empfand. Störend für den Lesefluss war allerdings für mich, dass Anfang und Ende der wörtlichen Rede nicht immer ersichtlich sind. Der Roman war allerdings so interessant und anschaulich geschrieben, dass dies den Lesegenuss nicht gravierend schmälern konnte.

„Nachts ist es leise in Teheran“ ist ein Buch, das ich jedem empfehlen kann, der etwas über den Iran und die Menschen erfahren möchte – ein Buch, das einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal erhält.

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Diffuses Heimatgefühl
»Was liest Du?«-Rezension von wandagreen, am 07.07.2016

Eine Familie emigriert von Teheran in Iran nach Deutschland. Die Eltern fliehen mit ihrer kleinen Tochter Laleh über die Türkei, nachdem sie in ihrer Jugend gegen den Schah demonstrierten, sich politisierten und radikalisierten und sich statt der erhofften Liberalisierung einem zunehmend restriktiv verhaltenden Gottesstaat gegenüber sehen, der – oh Wunder – gar nicht so viel anders ist als das, was die Menschen vorher hatten. Nur, dass die Unterdrückung anders ist und sich vornehmlich gegenüber den Intellektuellen und den Frauen ausrichtet.

Der Ehemann Behsad (1979) erzählt, die Ehefrau Nahid (1989), Laleh, die Tochter (1999) sowie die Kinder Mo und Tara für die Neuzeit.

Fand ich schon die Berichte der ersteren beiden merkwürdig diffus im Hinblick auf die politische Ausrichtung und das Bewusstein der beiden jungen Leute, so waren die Eindrücke, die Laleh von einer Besuchsreise nach Teheran, dem Land ihrer Eltern, mit brachte schwammig bis belanglos, denn Körperkult und stundenlanges Rumsitzen auf Teppichen und das Aufzählen von verschiedenen Verwandten haben mich nicht im Geringsten interessiert. Mo und Tara hatten nun gar nichts Erhellendes mehr beizutragen.

Die Erzählweise ist dumpf, es gibt keine Absätze, was das Lesen erschwert, der Zugang zur Mentalität der Erzählenden blieb mir verschlossen. Es gibt kaum klare Aussagen. Wo die Protagonisten innerlich und politisch nun stehen und warum, ich habe es nicht gecheckt. Was rüberkam, war ein diffuses Heimatgefühl, sonst nichts. Über den Iran erfährt man nichts, was man nicht durch Funk und Fernsehen sowie so schon weiß.

 Diffuses Heimatgefühl plus langatmige blumige Erzählweise. Hat mich nicht erreicht.

Verlag: Kiepenheuer & Witsch, 2016
Kategorien:
Anspruchsvolle Literatur:   2 Punkte / Gute Unterhaltung: 2 Punkte

 

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Eine aufrüttelnde Familiengeschichte zwischen Revolution, Flucht und deutscher Gegenwart Vier Familienmitglieder, vier Jahrzehnte, vier unvergessliche Stimmen. Aufwühlend und anrührend erzählt Shida Bazyar eine Geschichte, die ihren Anfang 1979 in Teheran nimmt und den Bogen spannt bis in die deutsche Gegenwart. 1979. Behsad, ein junger kommunistischer Revolutionär, kämpft nach der Vertreibung des Schahs für eine neue Ordnung. Er erzählt von klandestinen Aktionen, funkenschlagender Hoffnung und davon, wie er in der literaturbesessenen Nahid die Liebe seines Lebens findet. Zehn Jahre später in der deutschen Provinz: Behsad und Nahid sind nach der Machtübernahme der Mullahs mit ihren Kindern geflohen. Stunde um Stunde verbringen sie vor dem Radio und hoffen auf Neuigkeiten von den Freunden, die untertauchen mussten. Sie wollen zurückkehren, unbedingt, und suchen zugleich eine Heimat in der Fremde. 1999 reist deren Tochter Laleh gemeinsam mit ihrer Mutter nach Teheran. Zwischen "Kafishaps", Schönheitsritualen und geflüsterten Geheimnissen lernt sie ein Land kennen, das sich nur schwer mit den Erinnerungen aus der Kindheit deckt. Ihr Bruder Mo beobachtet ein Jahrzehnt später belustigt die pseudoengagierten Demos der deutschen Studenten. Doch dann bricht die Grüne Revolution in Teheran aus und stellt seine Welt auf den Kopf. Shida Bazyar gelingt ein dichtes, zartes und mitreißendes Familienmosaik. Und ein hochaktueller, bewegender Roman über Revolution, Unterdrückung, Widerstand und den unbedingten Wunsch nach Freiheit.