Neujahr (Audio-CD)

Ungekürzte Ausgabe, Lesung

Audio-CD
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Nach Unterleuten und Leere Herzen der neue Bestseller von Juli Zeh Lanzarote am Neujahrsmorgen: Henning will mit dem Fahrrad den Steilaufstieg zum Pass von Fermés bezwingen. Während er gegen Wind und Steigung... (weiter)

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Details
AutorIn Juli Zeh
Edition Ungekürzte Lesung
EAN 9783844529791
Sprache deutsch
erschienen bei Hoerverlag DHV Der
Erscheinungsdatum 10.09.2018
Stichwörter Lanzarote
Psychologische Spannung
Eheroman
"Nullzeit"
"Unterleuten"
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.4 | 5 Meinungen

davon Rezensionen:
Ø 4.5 |  2 Rezensionen
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Ø 4.3 |  3 Bewertungen

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Spannender Thriller
»Was liest Du?«-Rezension von EmmaZecka, am 01.11.2018

Kommen wir zuerst zum Inhalt: Juli Zeh erzählt Hennings Geschichte in Neujahr aus zwei Perspektiven:

Wir lernen Henning im ersten Teil der Geschichte als Erwachsenen kennen. Er ist verheiratet und hat zwei kleine Kinder. Im Familienleben läuft es nicht immer rund. Aber die Probleme möchte die Familie im Urlaub auf Lanzarote hinter sich lassen und die gemeinsame Zeit genießen. Und wie das nun mal an Neujahr so ist, setzt sich Henning ein Ziel: Er möchte regelmäßig Sport treiben und beginnt den Vorsatz mit einer Radtour auf einen Berg. Und als er an seinem Ziel angekommen ist, sieht er eine Hütte und stellt fest, dass er hier schon einmal war. 

Da setzt die zweite Perspektive ein: Henning erinnert sich, dass er als Kind gemeinsam mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester seine Ferien in der Hütte verbracht hat. Doch an den gemeinsamen Urlaub mit seiner Familie verbindet er keine guten Erinnerungen. 

 

Beide Perspektiven dienen dazu, Henning als Protagonisten besser verstehen zu können: Als Kind erlebt er mit seiner Schwester eine Situation, die niemand erleben möchte. Er muss früh lernen, Verantwortung zu übernehmen und versucht Antworten auf das Unerklärliche zu finden. Und diese Antworten folgen einer Logik, die für Kinder ziemlich einleuchtend klingt.

Der erwachsene Henning schlägt sich mit Sorgen herum, die zu Beginn der Geschichte völlig unbegründet zu sein scheinen. Doch als wir mit ihm in seine Vergangenheit reisen, wird uns bewusst, was womöglich für seine Ängste gesorgt hat. Juli Zeh schafft es, Henning als Protagonisten vielschichtig darzustellen und nicht nur an der Oberfläche hängen zu bleiben.

 

An der Gestaltung des Hörbuchs ist mir sofort positiv aufgefallen, dass das Hörbuch wieder ungekürzt produziert wurde. Und ich hätte bei dieser Geschichte wirklich nicht gewusst, welche Stellen gestrichen werden könnten. Man braucht hier das Ganze um Henning als Charakter vollständig erfassen zu können.

Das Hörbuch befindet sich in einer Schachtel, die aufgeklappt werden muss, um an die CDs zu kommen. Nach dem Aufklappen steht der Deckel aber nicht ab, sodass sich die Schachtel wieder gut verschließen lässt.

In die Rolle des Henning schlüpft Florian Lukas. Er muss hier zwei Perspektiven meistern: Zum einen Henning als Erwachsenen darstellen und sich dann zum anderen mit ihm auf eine Reise zurück in seine Kindheit begeben. Hier muss Florian Lukas dem Hörer die Erwachsenen- und die Kindheitslogik näherbringen. Und beides ist ihm sehr gut gelungen. Er zeigt uns auf der einen Seite Hennings Härte, aber auch die Verzweiflung, die gerade in der Kindheitsperspektive, die durch Florian Lukas Interpretation deutlich spürbar wird.

Besonders gut gefallen haben mir die Interpretationen von den Gedankenkreisläufen in denen sich Henning befindet.

 

Juli Zehs Schreibstil hat mich in Neujahr wieder sehr beeindruckt. Sie schafft es, eine Geschichte spannend zu erzählen, ohne dafür viele Schauplätze zu benötigen. Sie arbeitet die Gefühlswelt von Henning so gut heraus, dass allein das Bröckeln seiner Fassade ausreicht, um den Spannungsbogen oben zu halten. Und als wir dann in Hennings Kindheit reisen, bringt sie uns die Logik eines Kindes nahe, ohne, dass wir augenrollend da sitzen und denken, dass dieser Abschnitt wohl ziemlich unrealistisch und unlogisch sein könnte.

Juli Zeh erzeugte bei mir immer wieder das Gefühl der Fassungslosigkeit gefolgt von der Frage, wie Henning aus diesem Drama wohl wieder herauskommt.

 

Gesamteindruck

In Neujahr zeigt Juli Zeh, was verdrängte Situationen bei einem Menschen auslösen können. Während die Handlung noch harmlos beginnt, spitzt sich die Geschichte nach und nach zu. Als wir aber am Höhepunkt angekommen sind und es wieder etwas ruhiger wird, hätte ich mir tatsächlich noch etwas mehr an Auflösung gewünscht. Für Henning gibt es zwar einen Weg, aber wir erfahren nicht, ob dieser Weg auch wirklich der Richtige für ihn ist.

 

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Florian Lukas gelingt es in der hier vorliegenden ungekürzten Lesung des Buches für den Hörverlag in München hervorragend sich in den Protagonisten Henning hineinzuversetzen
»Was liest Du?«-Rezension von Winfried Stanzick, am 27.09.2018

Juli Zeh, Neujahr (Hörbuch), der Hörverlag 2018, ISBN 978-3-8445-2979-1

Henning ist ein moderner Mann. Ein Mann, für den Gleichberechtigung nicht nur ein wohlfeiler Slogan ist. Er, der seinen Beruf als Lektor eines Sachbuchverlags liebt, hat sich zusammen mit seiner Frau Theresa für ein Familienmodell entschieden, wie es nach wie vor nur wenige praktizieren. Beide haben sie ihre gut dotierten Arbeitsstellen halbiert und sich auf dem Dachgeschoß ihres Hauses ein Homeoffice eingerichtet, in dem sie zusätzlich (unentgeltlich natürlich) arbeiten können, wenn die Kinder schlafen. Sie kümmern sich im gleichen Maß um die Familie und die Kinder. Eigentlich sind sie zufrieden mit ihrer jeweiligen Situation.

Doch Henning geht es zunehmend schlecht. Sein Leben überfordert ihn. Familienernährer soll er sein, Ehemann und begehrenswerter Liebhaber und liebevoller Vater seiner Kinder. Jede dieser Rollen möchte er gerne füllen und findet sich in keiner wirklich und befriedigend wieder. Seit sein zweites Kind, seine Tochter Bibbi vor etwa zwei Jahren geboren wurde, leidet er unter schweren Angstzuständen und Panikattacken. Später, als das Buch zu Ende ist, wird dem Leser deutlich werden, warum diese Begegnungen mit dem, was er „ES“ zu nennen gelernt hat, nicht vorher begonnen haben.

 

Seine Frau Theresa versucht ihm zunächst aufrichtig zu helfen, sie probieren Vieles, doch dann gibt sie auf. Henning ist mit seinen Attacken allein und verbirgt sie.

„Manchmal geht er ins Bad und guckt in den Spiegel. Unfassbar, dass man ES nicht sieht. Während das Herz einen irrsinnigen Tanz mit tödlichen Pausen tanzt, sieht sein Gesicht aus wie immer. Natürlich merkt Theresa, was mit ihm los ist. Aber sie sagt nichts dazu. ES ist zu Hennings Privatsache geworden.“

 

Vielleicht hofft er durch den Urlaub, den er heimlich im Internet über Weihachten und Neujahr 2017/2018 für seine Familie gebucht hat, davon loszukommen, wieder Kraft zu schöpfen. Schon während er wochenlang nach Unterkünften auf Lanzarote sucht, erfasst ihn eine seltsame Erregung.

 

Theresa erklärt sich nach einigen Widerständen einverstanden und so verbringen sie die Weihnachtstage in einem kleinen „Scheibenhaus“ in Playa Blanca. Doch Erholung ist das alles nicht. Die Kinder müssen dauernd beschäftigt werden und nur spät am Abend kommen die Eheleute zu sich selbst.

 

Auch ein spontan wenige Tage vor Silvester gebuchtes Silvestermenü stellt sich als Flop heraus, zumal Theresa dort mit einen Franzosen tanzt, und heftig mit ihm flirtet.

 

Nach einer unruhigen und kurzen Nacht steht Henning am Neujahrsmorgen sehr früh auf und fährt mit einem geliehenen Fahrrad den steilen Anstieg nach Femes hinauf. Er hat kaum gefrühstückt, der Sekt von Silvester steckt ihm noch in den Knochen und er hat weder Proviant noch etwas zu trinken mitgenommen.

Auf der Fahrt blickt er in Gedanken zurück auf die Zeit, seit ES ihn besucht. Er weiß, es ist verrückt, kaum zu schaffen. Doch irgendetwas, was während der Fahrt immer stärker wird, treibt ihn nach oben, als hoffe er dort etwas zu finden, was ihn rettet.

 

Als Henning dann endlich, nach langer Qual das 500 m hoch gelegene Femes erreicht, da trifft es ihn wie einen Schlag und er erkennt, dass er schon einmal hier gewesen ist.  Er schiebt sein Fahrrad bis zu einem hoch über dem Ort gelegenen Haus, das ihn magisch anzieht.

 

Dort oben, so erkennt er, war er einmal mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester Luna im Urlaub, zu der ihn bin heute eine ganz besonders enge, aber auch komplizierte Beziehung verbindet. Und er erinnert sich daran, wie sich damals etwas ganz Schreckliches zugetragen hat - so schlimm, dass er es bis heute verdrängt hat, bis ES nach der Geburt von Bibbi wieder hoch kommt.  Was damals geschehen ist, von Juli Zeh über weite Strecken des Buches gekonnt beschrieben, verfolgt ihn  bis heute.

 

Juli Zeh beschreibt in einem gut aufgebauten Familienroman, wie stark unsere Kindheit unser Lebensgefühl bestimmt. Ein Roman, der in der zweiten Hälfte zu einem regelrechten Thriller sich verwandelt, den man atemlos verschlingt. Gekonnt und fast spielerisch arbeitet sie immer wieder mit verschiedenen Ebenen von Zeit und Wahrnehmung. Ihr Psychogramm einer modernen und emanzipierten Ehe und Familie geht unter die Haut, weil es so nahe am eigenen Leben sich abspielt.

 

Auch mit „Neujahr“ zeigt Juli Zeh wieder neu, dass man einen unterhaltsamen Roman schreiben kann, ohne die literarische Qualität aus dem Auge zu verlieren. Ich wünsche mir, dass viele berufstätige Familienmänner und – frauen dieses Buch lesen, sowohl zur Unterhaltung, als auch als Anregung, öfter einmal darüber nachzudenken, wie ihre Kindheit und ihre vielleicht ungeklärte Beziehung zu den Großeltern ihrer Kinder ihr eigenes Leben umschattet und behindert.

Florian Lukas gelingt es in der hier vorliegenden ungekürzten Lesung des Buches für den Hörverlag in München hervorragend sich in den Protagonisten Henning hineinzuversetzen und setzt sowohl das Psychogramm seiner Geschichte und Persönlichkeit als auch die schrecklichen Erlebnisse seiner Kindheit gekonnt und spannend in Szene.

 

 

 

 

 

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Nach Unterleuten und Leere Herzen der neue Bestseller von Juli Zeh Lanzarote am Neujahrsmorgen: Henning will mit dem Fahrrad den Steilaufstieg zum Pass von Fermés bezwingen. Während er gegen Wind und Steigung kämpft, denkt er über sein Leben nach. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Er liebt seine Frau, hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Aber Henning geht es schlecht. Familienernährer, Ehemann, Vater - in keiner Rolle findet er sich wieder. Er leidet unter Angstzuständen und Panikattacken, die ihn regelmäßig heimsuchen. Als Henning schließlich den Pass erreicht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: Er war als Kind schon einmal hier. Damals hat sich etwas Schreckliches zugetragen, das er bis heute verdrängt hat ... Gelesen von Florian Lukas. (4 CDs, Laufzeit: 5h 4)

Zeh, Juli Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, studierte Jura in Passau und Leipzig. Schon ihr Debütroman "Adler und Engel" (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Ihr Gesellschaftsroman "Unterleuten" (2016) stand über ein Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013), dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015) und dem Bruno-Kreisky-Preis (2017) sowie dem Bundesverdienstkreuz (2018). 2018 wurde sie zur ehrenamtlichen Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt. Lukas, Florian Florian Lukas, 1973 geboren, hat seine Karriere am Theater begonnen, sich dann aber bald einen Namen mit Filmrollen gemacht. Nach den Kinoerfolgen Absolute Giganten und St. Pauli Nacht (beide 1998) erhielt er bereits erste Auszeichnungen. Für seine Darstellung in Goodbye, Lenin! (2003) folgten der Deutsche Filmpreis sowie ein Bambi. In dem preisgekrönten Fernsehmehrteiler Weissensee spielt Florian Lukas die Hauptrolle, auch in vielen weiteren Kino- und TV-Produktionen ist er zu sehen. Daneben bestreitet er Lesungen und spricht Hörbücher.