Nicht wie ihr

Nicht wie ihr (Buch)

Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019 (Shortlist)

Buch
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Ivo wusste immer schon, dass er besonders ist. Besonders cool, besonders talentiert, besonders attraktiv. Alle wussten es, seine Familie, seine Jugendtrainer, seine Freunde im Käfig. Jetzt ist er einer der bestbezahlten... (weiter)

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Details
AutorIn Tonio Schachinger
Seiten 304
EAN 9783218011532
Sprache deutsch
erschienen bei Kremayr und Scheriau
Erscheinungsdatum 09.2019
Stichwörter Fußball
Fußballstar
Sport
Profisport
Geld
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø3.9 | 19 Meinungen

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König Fußball regiert die Welt?
»Was liest Du?«-Rezension von FIRIEL, am 25.01.2020

Ivo ist "nicht wie ihr": Er verdient 100.000 Euro pro Woche, hat eine Frau mit perfekten Brüsten und wird ständig um Autogramme gebeten - Ivo ist Fußballspieler, ein Star. Dagegen können alle anderen nicht anstinken, sie sind Hurenkinder, Opfer, Trottel. Aber irgendetwas fehlt auch in seinem Leben...

Ein Jahr im Leben eines (fiktiven) Fußballstars: Der Debutroman von Tonio Schachinger bietet einige Einblicke in die Fußballwelt. Die großen Stars sind gar nicht so frei, wie wir (und vielleicht auch sie selbst) glauben. Da sind nicht nur die ständige Terminhetze, bei der sich alles um den Fußball und die Fitness dreht; der permanente Leistungsdruck, der kein Formtief verzeiht; das überall im Mittelpunkt-Stehen, mit den Augen der Öffentlichkeit immer auf sich. Fußball ist ein knallhartes Geschäft, bei einer Vertragsverlängerung oder Ablösung geht es um Millionen. Die Stars werden eingenordet, was sie zu sagen oder zu verschweigen haben, sie erhalten Kommunikationstraining oder vielleicht engagieren sie selbst einen Image-Manager. Eine neue Frisur oder ein neues Tattoo ist kein Ausdruck von persönlichem Lebensstil, sondern ein geplanter Schachzug in diesem Spiel um das Spiel. 

Und dann ist da noch die Persönlichkeit des Spielers: Ivo erfüllt all die Vorurteile, die sich an einen Fußballstar richten. Er ist ungebildet, ein Proll, hat es nicht so mit dem Reden, will immer im Mittelpunkt stehen und kann sich nicht in andere Menschen einfühlen. Köstlich die Szene, in der Ivo seiner sechsjährigen Tochter die griechische Sage von Narziss vorliest (s.u.). Viel später dämmert es ihm und er fragt sich, ob er vielleicht auch ein Narzisst sei. Der Mannschaftspsychologe beruhigt ihn mit Floskeln und Ivo findet, dass auch der Psychotyp selbst ein bisschen gestört ist. Damit ist die Selbsterkenntnis aber schon wieder vorbei. 

Ivo, der sich selbst als Mittelpunkt empfindet, wird mir als Leser nicht sympathisch; nahe kommt er mir nur da, wo die Maske etwas verrutscht und unter der Großspurigkeit die Verunsicherung hervorblitzt. Als Portrait eines Egomanen ist der Roman gelungen. Glaubwürdig ist auch die Sprache, mit der Schachinger Ivos Gedanken verfolgt: Einfaches Vokabular, Fußball-Jargon, viele Satzreihen, und dazu ungewöhnliche Ausdrücke, die vermutlich Österreicher Dialekt sind. Der Sprachstil hat mich amüsiert und gut unterhalten, aber das ständige Kreisen um Ivo hat mich gelangweilt. Daher mein Fazit: Ja, das Buch hat seine Stärken, aber es spricht mich dennoch nicht an.

Zum Abschluss ein Zitat (S. 191): "Also liest Ivo seiner Tochter die Geschichte von Narziss vor, einem schwulen Typen, der auf sich selber steht und eigentlich niemandem etwas Böses tut, außer irgendeine Frau nicht zu erhören, die auf ihn steht. Und weil die nicht mit der Ablehnung klarkommt, verflucht sie ihn. Was soll das seiner Tochter sagen? Dass man sich nicht zu oft in den Spiegel schauen soll, OK, aber das war ja nicht der Fehler. Der Fehler von Narziss war einfach, Pech zu haben und an eine böse Frau zu geraten, die, wenn man ehrlich ist, ihn sowieso verflucht hätte, wenn nicht deswegen, weil er sie nicht angeschaut hat, dann später, wenn sie draufgekommen wäre, dass er schwul ist, oder sie sich nach ein paar Jahren Ehe langweilt. Also, was hätte er machen sollen?"

Das Buch steht auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2019.

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Manche Geschichten sind nicht des Erzählens wert
»Was liest Du?«-Rezension von Yexxo, am 10.11.2019

Und meiner Meinung nach gehört diese dazu. Ein Jahr den (fiktiven) erfolgreichen und berühmten Fussballer Ivo zu begleiten und seine Gedanken zu teilen - dass hätte ich mir deutlich interessanter vorgestellt. Doch was hier über rund 300 Seiten ausgebreitet wird, hat einen Informations- und Unterhaltungswert, für den auch 100 Seiten ausgereicht hätten.
Ivo ist ein Egomane in Reinform und dazu von schlichtem Gemüt. Worte sind nicht so seins und am liebsten würde er allen aufs Maul oder sonstwohin schlagen, denn verdient hätten sie es allemal. Er ist ein richtiger Proll, der jedoch glaubt, der Einzige mit Ahnung zu sein von was auch immer und betrachtet praktisch alle als ihm völlig unterlegen. Doch wehe, man erkennt dies nicht an, dann ist Ivo kurz vorm Ausrasten und mit seiner mühsam antrainierten Gelassenheit ist es schnell vorbei. Denn tief in seinem Innern steckt er noch immer voller Minderwertigkeitskomplexe, die auf keinen Fall ans Tageslicht kommen dürfen.
Es ist wirklich grandios, wie überzeugend der Autor Tonio Schachinger diesen Tonfall darstellt und die kompletten 300 Seiten durchhält. Für mich wurde Ivo immer mehr zu einer realen, wenn auch unsympathischen Person. Doch es hat mir trotzdem nicht geholfen, denn auch der beste Stil macht eine lahme Geschichte nicht zu einer fesselnden Lektüre. Und lahm ist diese Geschichte. Es passiert nahezu nichts, ausser dass Ivo Fussball spielt, mit seiner Frau schläft und sie betrügt und mit ihr bei Familienfesten und Sponsorenveranstaltungen erscheint. Seine Gedanken kreisen überwiegend um sich selbst und seine Großartigkeit und die Unzulänglichkeiten der Anderen - womit praktisch der Rest der Welt gemeint ist. Ab und zu geraten ihm gerade durch die Schlichtheit seines Wesens witzige Gedanken: "Also liest Ivo seiner Tochter die Geschichte von Narziss vor, einem schwulen Typen, der auf sich selber steht und eigentlich niemandem etwas Böses tut, außer irgendeine Frau nicht zu erhören, die auf ihn steht. Und weil die nicht mit der Ablehnung klarkommt, verflucht sie ihn. Was soll DAS seiner Tochter sagen? Dass man sich nicht zu oft in den Spiegel schauen soll, OK, aber das war ja nicht der Fehler. Der Fehler von Narziss war einfach, Pech zu haben und an eine böse Frau zu geraten, die, wenn man ehrlich ist, ihn sowieso verflucht hätte, wenn nicht deswegen, weil er sie nicht angeschaut hat, dann später, wenn sie draufgekommen wäre, dass er schwul ist, oder sie sich nach ein paar Jahren Ehe langweilt. Also, was hätte er machen sollen?" Aber für die fast 300 Seiten sind es einfach zu wenige solcher Lichtblicke.
Nach ca. 150 Seiten habe ich mich dabei erwischt, dass ich immer oberflächlicher gelesen habe, weil ich nur noch fertig werden wollte. Schade drum, denn der Tonfall ist ausserordentlich gut getroffen.

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Ivo wusste immer schon, dass er besonders ist. Besonders cool, besonders talentiert, besonders attraktiv. Alle wussten es, seine Familie, seine Jugendtrainer, seine Freunde im Käfig. Jetzt ist er einer der bestbezahlten Fußballer der Welt. Er verdient 100.000 Euro in der Woche, fährt einen Bugatti, hat eine Ehefrau und zwei Kinder, die er über alles liebt. Doch als seine Jugendliebe Mirna ins Spiel kommt, gerät das sichere Gerüst ins Wanken. Wie koordiniert man eine Affäre, wenn man eigentlich keine Freizeit hat? Lässt Ivos Leistung auf dem Spielfeld nach? Und was macht eigentlich seine Frau, während er nicht da ist? Einmal in Ivos Gedankenwelt eingetaucht, lässt sich Tonio Schachingers Debütroman schwer aus der Hand legen. Es ist nämlich dieser rotzige, witzige und originelle Ton des Erzählers, der vom ersten Satz an fesselt. Gespickt mit Wiener Milieusprache und herrlichen Fußballmetaphern gibt der Roman Einblick in das Schauspiel des Profisports und entlarvt seine Spieler als Schachfiguren auf einem kapitalistischen Spielfeld."Als Ivo jung war, gab es nur einen Ort: ihn selbst. Alles andere, der Fußball, Brügge, London, Hamburg, die Clubs, Autos und Restaurants, waren nur Kulissen, die hinter ihm vorbeigetragen wurden, aber er war der Mittelpunkt, die Sonne, um die sich alles dreht."

geboren 1992 in New Delhi, aufgewachsen in Nicaragua und Wien, studiert Germanistik an der Universität Wien und Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst Wien. "Nicht wie ihr" ist sein erster Roman.