Piccola Sicilia (Taschenbuch)

Roman

Taschenbuch
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Nach dem großen Bestseller-Erfolg von "Bella Germania" jetzt endlich der neue Roman von Daniel Speck! Was, wenn deine Familie in Wahrheit eine andere ist?Ein sonniger Herbsttag auf Sizilien. Schatztaucher ziehen ein... (weiter)

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Mayersche-Rezension von Julia, am 22.10.2018
(Geschichtlicher) Roman mit Ecken und Kanten „Piccola Sicilia“ erzählt die (Lebens-)Geschichten dreier Frauen, die alle eng verbunden sind mit Moritz - einem Propaganda-Filmemacher der Deutschen während des 2. Weltkriegs. Oder ist er eigentlich doch jemand ganz anderes? Wie diese kurze Beschreibung vielleicht schon erahnen lässt, dreht es sich in diesem Roman um mehr als nur um Liebesgeschichten. Es geht um Selbstfindung - immer wieder auch um das Abschließen mit Verganenem - vor dem Hintergrund des Tunesiens während des 2. Weltkriegs. Die tunesische Perspektive auf den Krieg nimmt hier eine besondere Rolle ein. Für diejenigen, die sich zuvor nicht mit dieser Perspektive befasst haben, wirft der Roman zeitgleich erschreckende als auch interessante Seiten auf. Doch wie liest er sich nun eigentlich, dieser tiefgründige Roman? Meine Empfindung: sehr gemischt. Der Roman beginnt interessant. Schnell wird man neugierig auf Nina und ihre Suche nach ihrem Großvater. Es folgen früh die ersten Rückblicke in Moritz' Vergangenheit - also in das Jahr 1942. Macht es zunächst noch den Eindruck, dass Ninas Geschichte hier den dominierenden Rahmen darstellt, zeigt sich bald, dass sie lediglich dazu dient, um die Geschichte von Tunis 1942 in die Gegenwart zu bringen. Denn mehr als eine Rahmengeschichte stellt Ninas Geschichte den gesamten Roman über nicht da. Die tunesische Geschichte steht hier klar im Fokus, man sollte also durchaus Lust auf das Thema haben. Was den Spannungsaufbau angeht, macht es einem der Autor zudem nicht immer ganz leicht. Insbesondere zum Anfang des Romans wirft er Vorausdeutungen ein, die schon erahnen lassen, wie die Geschichte für bestimmte Figuren verlaufen wird. Das hat mir ab und an leider die Freude am Lesen genommen. Auch die Hauptfiguren machten es mir nicht immer ganz so leicht, Empathie zu entwickeln. Das wurde zum Ende des Romans leider nur noch schwerer, sodass der Roman und ich nun etwas unzufrieden auseinander gehen... Ein paar Worte muss ich abschließend noch zum Klappentext verlieren, denn dieser scheint mir nicht ganz treffend. "Gemeinsam enthüllen sie ein faszinierendes Familiengeheimnis" scheint mir hier etwas zu hoch gegriffen. Hier wird nichts enthüllt, lediglich aus der Vergangenheit berichtet. Der Teilsatz "Drei Frauen aus drei Ländern (...) verbunden durch eine Liebe" führte mich leider auch etwas in die Irre. Denn hier geht es nicht etwa um drei Liebesgeschichten, ohne hier zu viel spoilern zu wollen. ;-) Auf die dritte Frau wartete ich am Ende vergebens. (Auch wenn es im Nachhinein Sinn ergibt wer als dritte Frau gemeint ist.) Mein Fazit: Der Roman enthält viele schöne Zitate, berührende Weisheiten und auch neue interessante Seiten des 2. Weltkriegs, die mir vorher unbekannt waren. Das große Ganze hat jedoch seine Ecken und Kanten, da Hauptfiguren nicht immer nachvollziehbar handeln - sogar soweit, dass ich mir einen anderen Ausgang für die Geschichte gewünscht hätte.
Tunis während des zweiten Weltkrieges
»Was liest Du?«-Rezension von Mareike91, am 19.10.2018


Inhalt:
Tunis, 1942. In dem italienischen Viertel "Piccoli Sicilia" leben Leute unterschiedlichster Herkunft, Kultur und Religion friedlich und in Freundschaft zusammen. Doch dann kommen die deutschen Besetzer und sähen Zwietracht und Angst...
Auch Moritz kommt als deutscher Fotograf nach Tunis und begegnet im Grand Hotel Majestic der jüdischen Yasmina, die dort als Zimmermädchen arbeitet. Doch Yasmina ist in den Pianisten Victor verliebt.
Sizilien, heute: Die Berliner Archäologin Nina ist nach einem Anruf eines Freundes nach Sizilien gereist. Er will das Wrack des Flugzeugs gefunden haben, in dem ihr Großvater Moritz gestorben sein soll. Doch kurz nach ihrer Ankunft trifft sie auf eine unbekannte Verwandte - und begibt sich gemeinsam mit ihr auf eine Reise in die Vergangenheit.

Meine Meinung:
Der zweite Weltkrieg - ein Thema, mit dem sich wohl schon jeder (mindestens während der Schulzeit) beschäftigt hat. Und doch gibt es unglaublich viel, das man nicht weiß. Diese Erfahrung habe ich beim Lesen dieses Buches gemacht, das die Rolle Tunis beim Afrikafeldzug beleuchtet. Die Beschreibung der Auswirkungen auf die Stadt und ihre Bevölkerung unterschiedlichster Kulturen und Religionen aus nichtdeutscher Sicht ist dem Autor unglaublich gut gelungen. Die Geschichte ist voller interessanter und lehrreicher Informationen, die mich sehr berührt, empört, fassungslos gemacht und zum Nachdenken angeregt haben.

Die Handlung des Buches lässt sich in zwei Zeitebenen aufteilen, zwischen denen hin und her gesprungen wird. Ein (Groß-)Teil der Handlung spielt in Tunis 1942 und hat mich sehr gefesselt. Der zweite Teil der Geschichte ist in der heutigen Zeit angesiedelt.
Für mich hätte es die heutige Zeitebene nicht unbedingt benötigt, die im Vergleich zu den Erzählungen und Charakteren zu Zeiten des zweiten Weltkrieges blass und handlungsarm bleibt.
Der Schreibstil des Autors lässt sich flüssig lesen, ist jedoch sehr poetisch. Mir wäre an einigen Stellen weniger Worte und mehr Inhalt lieber gewesen. So bleibt die Spannung teils auf der Strecke und inbesondere zum Ende der Geschichte her vieles offen und unkonkret.
Auch mit den Charakteren habe ich mich (insbesondere zu Beginn) sehr schwer getan. Es gibt keinen wirklichen Sympathieträger, mit dem man sich als Leser identifiziert.

Fazit:
Aufgrund vieler interessanter und lehrreicher Infos über Tunis während des zweiten Weltkrieges eine spannende Geschichte, die aber auch auf wesentlich weniger Seiten und weniger poetisch hätte erzählt werden können. An einiges Stellen hätte ich mir gewünscht, dass der Autor konkreter wird. Dies gilt auch für das Ende, das viele Fragen offen lässt.