Stella (Buch)

Roman

Buch
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Es ist 1942. Friedrich, ein stiller junger Mann, kommt vom Genfer See nach Berlin. In einer Kunstschule trifft er Kristin. Sie nimmt Friedrich mit in die geheimen Jazzclubs. Sie trinkt Kognak mit ihm und gibt ihm seinen ersten... (weiter)

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Details
AutorIn Takis Würger
Seiten 224
EAN 9783446259935
Sprache deutsch
erschienen bei Hanser, Carl GmbH + Co.
Erscheinungsdatum 11.01.2019
Stichwörter 1942
20. Jahrhundert
Berlin
Gestapo
Greiferin
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.2 | 145 Meinungen

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Die Sache mit der Wahrheit
»Was liest Du?«-Rezension von kingofmusic, am 24.06.2019

Über „Stella“ von Takis Würger ist dieses Jahr schon eine hitzige Diskussion entbrannt…Ob Takis Würger genau diese Diskussion anfachen wollte, weiß ich nicht. Aber nach Ende der (kurzen) Lektüre kann ich sagen: mich hat er nicht für sich gewonnen.


Verpackt in eine fiktive Liebesgeschichte erfährt der Leser von der realen Stella Goldschlag – einer „Greiferin“ der Nazis, die (Mit-)Juden denunziert, verraten und so dem NS-Regime ausgeliefert hat. Und das „nur“, weil sie sich und ihre Eltern vor der eigenen Deportation schützen wollte. Ja, über das im letzten Satz in Gänsefüßchen gesetzte nur kann man sicher auch diskutieren. Keiner von uns weiß letztlich, was wir selber tun würden, um unser Leben und das unserer Lieben zu retten.


Aber hier geht es nicht um die Frage „Darf die das?“, sondern schlicht und ergreifend darum, warum Takis Würger es nicht geschafft hat, mich mit seinem Roman abzuholen. Das Einzige, was er geschafft hat, ist, dass ich mich in geraumer Zeit weiter mit Stella Goldschlag befassen werde.


Der fiktive Friedrich (Sohn reicher Eltern aus der Schweiz) kommt 1942 nach Berlin, um sich von den Gerüchten über die (Ab-)Transporte selbst ein Bild zu machen. Vorher erfährt der Leser von seinem (tragischen) Leben als Kind, warum er eine Narbe im Gesicht hat und farbenblind ist. So weit so gähn. Hat man schon oft in besser verpackten Geschichten zu lesen bekommen. Aber irgendwie muss man ja den Bogen zu dem naiven 20-jährigen schlagen.


In Berlin trifft er auf Kristin aka Stella und einen mir von vornherein unglaublich unsympathischen SS-Schergen namens Tristan von Appen, der mir mit seiner Attitüde (schön, reich und „Ich genieße das Leben, auch wenn Krieg ist.“) ziemlich auf die Nerven ging. Vielleicht wollte Takis Würger mit seinen (fiktiven) Charakteren genau das Erreichen: alle Schichten der (damaligen) deutschen Gesellschaft aufzeigen: Menschen, die blind vor Liebe oder Naivität ihre Augen (zwar nicht) vor dem offensichtlichen verschließen, dennoch aber wenig bis gar nichts unternehmen (ein zärtliches „Das muss aufhören.“ ist hier eindeutig zu wenig!!!) sowie schmierig-schleimige Anzugträger, die nur sich selbst lieben…Trotzdem oder gerade deswegen: nein, mit Reißbrett-Charakteren kriegt man mich nicht.


Die Original-Zitate aus den Prozessakten gegen Stella Goldschlag sind für sich gesehen durchaus interessant, machen auf mich aber eher den Eindruck, als wenn sie lieb- und ziellos ohne Bezug zum Text einfach der Authentizität wegen abgedruckt wurden.


Wie man neben historisch interessante (und für mich neue) Informationen wie „Die 10 Gebote für jeden Nationalsozialisten des Dr. Josef Goebbels“ banale und völlig uninteressante Dinge wie Fußballergebnisse stellen kann, ist mir schleierhaft und hat mich bei der Lektüre zunehmend geärgert.


Nur für die historisch wertvollen und wirklich interessanten Informationen gibt es von mir 2* - mehr kann ich beim besten Willen nicht geben.
 

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Friedrich wäre wohl der bessere Titel
»Was liest Du?«-Rezension von KerstinT, am 05.04.2019

Der Schweizer Friedrich macht sich 1942 auf den Weg nach Berlin. Er möchte wissen, ob es die Gräueltaten, von denen er gehört hat, wirklich gibt. In Berlin trifft er auf die 21-jährige Kristin, die eigentlich Stella Ingrid Goldschlag heißt.

Als Ich-Erzähler bringt Friedrich dem Leser seine Empfindungen und sein „Abenteuer“ näher. Allerdings hat das recht wenig mit dem Titel zu tun. Dem Titel nach habe ich mit einem Buch über Stella Goldschlag gerechnet. Stella kommt in diesem Roman durchaus vor, allerdings erfährt man nur zwischen den Zeilen was sie wirklich macht. Und auch das nur, wenn man sich schon im Vorfeld mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Kennt man Stella nicht, ist es sehr schwierig die richtigen Schlüsse aus diesem Roman zu ziehen.

Der Schreibstil ist recht nüchtern, aber gut zu lesen. Es besteht hauptsächlich aus sehr kurzen Sätzen, die teilweise etwas von Telegrammstil haben. Ebenso die Dialoge, diese sind sehr kurzgehalten – wirkliche Sätze antwortet hier keiner, meist sind es nur Worte.

Die Charaktere sind schwierig. Von Stella, die dem Buch den Titel gab, erfährt der Leser kaum etwas. Somit bleibt sie dem Leser sehr fern. Allerdings ist sie für ihre 21 Jahre taff und weiß wie sie überleben kann. Sie schlägt sich als Greiferin durch. Das sind Juden, die andere Juden verraten und der Gestapo melden. Friedrich ist etwas merkwürdig. Wohnt in der Schweiz, umgeben von Frieden und zieht nach Berlin, mitten ins kriegerische Geschehen. Friedrich ist eigentlich Maler, doch durch einen Unfall ist er farbenblind. Seine Eltern sind getrennt, der Vater reist durch den Nahen Osten, während die Mutter den Rechten zustimmt. Zwei sehr merkwürdige Charaktere.

Zwischen den Erzählungen von Friedrich gibt es zu Beginn jedes Kapitels eine zeitliche Angabe und dazu eine kurze Aufzählung von Ereignissen zu dieser Zeit. Das hat mir gut gefallen. es war informativ und daraus konnte man schlussziehen, „wo“ man sich befindet. Außerdem sind immer wieder Teile aus realen Prozessakten abgedruckt. Es geht um den Prozess gegen Stella Goldschlag. Meist sind es Zeugenaussagen, von Verschleppungen/Deportationen. Diese haben den Lesefluss leider sehr gehemmt. Und wirkten teils fehl am Platz.

Mich hat dieser Roman enttäuscht, da ich damit gerechnet habe Stella Goldschlag kennen zu lernen. Doch leider dreht sich das Buch mehr um Friedrich, der zufällig auf Stella trifft. Was Stella nun getan hat, muss der Leser sich anderweitig anlesen. Der Schreibstil war allerdings angenehm, so dass ich das Buch zügig durchgelesen habe. Deshalb vergebe ich zweieinhalb von fünf Sternen.

 

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Es ist 1942. Friedrich, ein stiller junger Mann, kommt vom Genfer See nach Berlin. In einer Kunstschule trifft er Kristin. Sie nimmt Friedrich mit in die geheimen Jazzclubs. Sie trinkt Kognak mit ihm und gibt ihm seinen ersten Kuss. Bei ihr kann er sich einbilden, der Krieg sei weit weg. Eines Morgens klopft Kristin an seine Tür, verletzt, mit Striemen im Gesicht: "Ich habe dir nicht die Wahrheit gesagt." Sie heißt Stella und ist Jüdin. Die Gestapo hat sie enttarnt und zwingt sie zu einem unmenschlichen Pakt: Wird sie, um ihre Familie zu retten, untergetauchte Juden denunzieren? Eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht - über die Entscheidung, sich selbst zu verraten oder seine Liebe.

Würger, Takis Takis Würger, geboren 1985, hat an der Henri-Nannen-Journalistenschule das Schreiben gelernt und Ideengeschichte in Cambridge studiert. Er arbeitet als Redakteur für das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. 2017 erschien sein Debütroman Der Club, der mit dem Debütpreis der lit.Cologne ausgezeichnet wurde und für den aspekte-Literaturpreis nominiert war. Takis Würger lebt in Berlin.