Stella (Buch)

Roman

Buch
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Es ist 1942. Friedrich, ein stiller junger Mann, kommt vom Genfer See nach Berlin. In einer Kunstschule trifft er Kristin. Sie nimmt Friedrich mit in die geheimen Jazzclubs. Sie trinkt Kognak mit ihm und gibt ihm seinen ersten... (weiter)

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Polarisierend
»Was liest Du?«-Rezension von Marta, am 04.04.2019

~~Nach dem Medienrummel um das Buch habe ich es jetzt mit etwas Abstand auch gelesen.
Zum Inhalt wurde inzwischen ja alles gesagt, wie ist es mir nun beim Lesen ergangen?

Mich hat das Buch sehr berührt.
Die Gliederung  der Kapitel nach den Monaten des Jahres 1942 mit dem immer gleichen Aufbau finde ich sehr durchdacht.
Anfangs immer die aktuellen Ereignisse des jeweiligen Monats, sie helfen bei der gedanklichen Einordung; die Kombination aus trivialem Alltagsgeschehen und Weltgeschehen geht mir  trotz nüchternem Telegrammstil  unter die Haut.
Dann die jeweilige Handlung und zum Abschluss ein Auszug aus den Gerichtsakten des sowjetischen Militärtribunals.

Darf man nun eine fiktive – und auch noch Liebes- Geschichte um die reale Person Stella Goldberg schreiben? Vor dem Hintergrund? Darüber habe ich länger nachgedacht.
Das muss jede/r für sich entscheiden.

Bei mir wirkt das Buch lange nach, es hat mich aufgewühlt und alleine schon deshalb ist es für mich wichtig.
Aber auch den sachlichen Schreibstil, der vielleicht gerade deshalb bei mir so viele Emotionen freisetzt und die vollkommen fiktiven Charaktere des Buches, wie  Tristan, fand  ich neben der Buchgliederung sehr gelungen.
Für mich ein wichtiges Buch, dem ich fünf Sterne gebe.

 

Beklemmend und genial!
»Was liest Du?«-Rezension von naibenak, am 19.03.2019

Der junge Friedrich, Sohn einer Künstlerin und ihr talentierter, großer Hoffnungsträger, ist durch einen Unfall farbenblind geworden und seitdem von der Mutter abgelehnt, welche sich mit Alkohol tröstet. Auch wegen des nahezu nie anwesenden Vaters. Dieser ist stets auf Reisen und eines Tages macht es Friedrich ihm gleich. Er verlässt Anfang der 1940er Jahre die Schweiz und fährt nach Berlin, um unglaublichen Gerüchten auf den Grund zu gehen. Dort in einer Kunstschule trifft er auf Kristin, die er zeichnen soll. Schnell freunden sie sich an und verbringen die meiste Zeit gemeinsam. Friedrich gerät in die Wirren und moralischen Zerreißproben des Nazi-Berlins 1942. Kristin, in die Friedrich sich mittlerweile sehr verliebt hat, entpuppt sich als Jüdin Stella, die andere Juden denunziert. Er ist hin und her gerissen…

Takis Würger greift in seinem Roman eine reale Geschichte auf – die Geschichte der Stella Goldschlag. Die Liebesbeziehung des anfangs völlig teilnahmslosen Schweizers mit Stella dient dabei als Rahmen. Weitere Personen, insbesondere Tristan von Appen,  dienen zur Veranschaulichung eines Teils des gesellschaftlichen Lebens im damaligen Berlin. Zu Beginn neuer Kapitel sind jeweils Zusammenfassungen über geschichtliche Ereignisse des betreffenden Monats zu lesen - sehr interessant und aufschlussreich. Außerdem werden mehrere Zeugenaussagen aus einem Prozess zitiert.

Die Geschichte um Friedrich, Kristin/Stella und Tristan ist eine Momentaufnahme. Sehr eindringlich und intensiv zeigt Würger auf, was in Menschen vorgeht. Wie sie mit Situationen umzugehen versuchen, die ihnen missfallen. Wie Moral immer wieder einen neuen Anstrich bekommt und aus anderen Blickwinkeln betrachtet völlig anders aussieht. Würger zeigt, was Menschen in Lebensgefahr bereit sind zu tun und was Menschen, die sich sicher fühlen, nie bereit wären zu tun. Und dann ist da noch die Liebe. Was bewirkt sie und macht sie mit uns? Durch die sehr gut gewählten Personen zeichnet Würger geniale Psychogramme, die authentisch sind und den Leser ununterbrochen in die unbequeme Situation bringen sich zu fragen: wie würde ich mich verhalten? Dabei verharmlost er keineswegs. Im Gegenteil – die intensive Darstellung des Antisemitismus, des Nazi-Berlins, dieses furchtbaren Teils der (deutschen) Geschichte… sorgt für eine beklemmende Atmosphäre während des Lesens und zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, sich mit dieser Geschichte auseinanderzusetzen und sie sich niemals wiederholen zu lassen.

Fazit: Aus der Distanz lässt sich schnell urteilen. Takis Würger schafft es, dass es einem nicht einfach gemacht wird. Kurz und schnörkellos, sein Erzählstil. Dabei absolut auf den Punkt. Wohl gewählte Psychogramme, beklemmende Atmosphäre.  Ich kann aber auch ein bisschen nachvollziehen, warum der Roman polarisiert – von unterschiedlichsten Standpunkten betrachtet, kann der er natürlich unterschiedlich wirken. Mich hat er in seiner Gesamtheit erreicht. Aber sowas von! Großartig!