Tage in Cape May (Buch)

Roman

Chip Cheek

Übersetzung: Bernhard Robben

Buch
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September 1957: Henry und Effie fahren für die Flitterwochen nach Cape May, ein Ferienort an der Ostküste. Doch das Städtchen ist verlassen, die Saison ist zu Ende. Die beiden jungen Leute aus Georgia fühlen... (weiter)

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Details
AutorIn Chip Cheek
Übersetzung Bernhard Robben
Seiten 334
EAN 9783896676375
Sprache deutsch
erschienen bei Blessing Karl Verlag
Erscheinungsdatum 13.05.2019
Ursprungstitel Cape May
Stichwörter 50er-Jahre
zeitgenössische amerikanische Literatur
Strand
Urlaub
Ian McEwan
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø3.7 | 14 Meinungen

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Welten, die aufeinanderprallen und dadurch die Moral ins Wanken bringen
»Was liest Du?«-Rezension von Dreamworx, am 13.08.2019

1957. Effie und Henry sind in dem kleinen Südstaatenort Signal Creek aufgewachsen und kennen sich von Kindesbeinen an. Gleich nach ihrem Highschool-Abschluss heiraten die beiden und machen sich für ihre Flitterwochen auf den Weg in den kleinen Ostküstenferienort Cape May, wo Effies Onkel ein Haus besitzt, das sie als frischgebackenes und recht unerfahrenes Ehepaar nutzen dürfen. Schon bei ihrer Ankunft müssen sie feststellen, dass die Hauptsaison bereits beendet ist und Cape May mehr oder weniger einer kleinen Geisterstadt gleicht, denn nur noch wenige Menschen sind im Ort unterwegs. Sowohl Effie als auch Henry haben sich ihre Flitterwochen nicht so einsam vorgestellt und wollen bereits ihre Sachen für die Heimreise packen, als sich im Nachbarhaus eine Gruppe von jungen Leuten niederlässt, von denen Clara eine alte Bekannte Effies ist, die mittlerweile in New York wohnt. Schon bald ist das junge Ehepaar Teil der Clique und feiert ausgelassen mit ihnen zusammen, bis einige von ihnen wieder abreisen. Nur Clara, ihr Geliebter Max und dessen Schwester Alma bleiben weiterhin in Cape May und frönen einen ausschweifenden Lebensstil, zu dem sie die Jungvermählten einladen. Die Unerfahrenheit von Henry und Effie wird schon bald auf eine sehr harte Probe gestellt, die weitreichende Folgen für ihr zukünftiges Leben hat…

Chip Cheek hat mit „Tage in Cape May“ einen sehr tiefgründigen und unterhaltsamen Gesellschaftsroman vorgelegt, der nicht nur einen authentischen Abriss der Gesellschaft in den 50er Jahren wiederspiegelt, sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen in dem so prüden Amerika wunderbar in Szene zu setzen weiß. Der Schreibstil ist flüssig, bildgewaltig und von einer ausgezeichneten Beobachtungsgabe geprägt, der den Leser schnell in die vergangene Zeit eintauchen lässt, um diese hautnah miterleben zu dürfen und gleichzeitig unterschiedlichste Moralvorstellungen und den darauf entstehenden schicksalhaften Verlauf der Geschichte zu beobachten. Sehr glaubwürdig bringt der Autor die Diskrepanz zwischen den offenen und experimentierfreudigen Großstädtern und den unerfahrenen Kleinstadtbürgern an den Leser und zeigt auf, dass alles seine Vor- und Nachteile hat. Jede Seite ist nachvollziehbar, spiegelt aber auch die amerikanische Gesellschaft wider, wie sie bis heute sogar noch vorhanden ist. Hier geht es um nicht nur um Unerfahrenheit und Sex vor der Ehe, sondern auch um anerzogene Werte und moralische Vorstellungen. Durch die intensive Erzählweise des Autors hält die Geschichte in ihrem Verlauf den Leser gut bei der Stange und die Spannung konstant auf einem recht hohen Niveau.

Die Charaktere sind individuell ausgearbeitet und stellen einen guten Querschnitt der Gesellschaft dar. Mit ihren sehr differenzierten und facettenreich gezeichneten Eigenschaften wirken sie glaubhaft und authentisch, der Leser kann sich in jeden von ihnen hineinversetzen und verfolgt fasziniert das Zusammenspiel der doch so unterschiedlichen Protagonisten. Effie ist mit ihren 18 Jahren ein junges Landei, noch sehr naiv und in der erhaltenen Erziehung gefangen. Sie kennt Henry schon ewig und hatte nie einen anderen Freund. Henry mit seinen 20 Jahren ist es wie Effie ergangen, doch kaum lernt er eine andere Seite kennen, in diesem Fall das ausschweifende Leben der Städter sowie deren unbekümmerte Lebenslust, will Henry mehr davon und nicht unbedingt zurück in das, was er bereits seit seiner Kindheit kennt. Die Verlockungen bringen Henry in Gewissenskonflikte. Clara ist eine offene und unternehmungslustige Frau, die zwar verheiratet ist, sich aber einen Liebhaber hält und das sogar im Beisein ihres Ehemannes. Alma ist eine Frau, die es auf den zweiten Blick faustdick hinter den Ohren hat. Sie spielt die Zurückhaltende, jedoch ist ihr auch die Rolle der Verführerin nicht fremd. Auch die weiteren Nebenprotagonisten haben durchaus ihren Stellenwert in dieser Handlung und verleihen ihr zusätzlich Glaubwürdigkeit und Spannung.

„Tage in Cape May“ ist nicht nur eine gelungene Gesellschaftsstudie des Amerikas der 50er Jahre, sondern lebt von den Spannungen zwischenmenschlicher Beziehungen und den unterschiedlichen Moralvorstellungen. Verdiente Leseempfehlung für dieses Debüt!

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Wenn Vertrauen zerstört wird
»Was liest Du?«-Rezension von striesener, am 29.07.2019

Im Herbst 1957 verbringen Henry und Effie ihre Flitterwochen im Küstenstädtchen Cape May in New Jersey, in welchem Effie schon als Kind ihre Urlaube verbracht hat.  Nachdem die Beiden sich zunächst langweilen und wieder abreisen wollen, trifft Effie zufällig auf Clara, eine Bekannte aus Kindertagen. Mit Clara, deren Liebhaber Max sowie Alma, der Schwester von Max verbringen Henry und Effie fortan ihre Tage in Cape May. Sie bekommen einen Eindruck vom Glamour einer für sie fremden Welt. Während die Frischverheirateten langsam eine sexuelle Vertrautheit zueinander aufbauen, kommt es zunehmend auch innerhalb der kleinen Gruppe zu erotischen Spannungen. Insbesondere Alma hat es Henry angetan. Am Ende der Flitterwochen wird sich das Leben von Effie und Henry für immer verändert haben.
Chip Cheek gelingt mit seinem Debütroman eine Geschichte, die sowohl erotische Sommerlektüre, wie auch ein treffendes Sittenbild der 50`er Jahre in Amerika ist. Zudem veranschaulicht der Roman, wie leicht es ist, durch seine Handlungen Vertrauen zu zerstören (und wie schwer oder gar unmöglich, dieses Vertrauen nochmals zurückzugewinnen.)  Seine Stärken spielt der Autor aus, wenn er die Gedankenwelt von Henry beschreibt und genauso plastisch wie nachvollziehbar dessen Zerrissenheit darstellt. An der Bestbewertung schrammt das Buch deshalb vorbei, da Cheek sich mitunter zu sehr an der Beschreibung der sexuellen Handlungen berauscht. Hier gerät das Buch in die Gefahr, zu einer bloßen Männerphantasie zu werden. Zudem hätte es mir gefallen, das Leben von Effie und Henry nach deren Abreise aus Cape May etwas ausführlicher mitzuerleben. Ein oder zwei zusätzliche Kapitel hätten hier ihre Wirkung nicht verfehlt. Insgesamt hat mir das Buch jedoch sehr gut gefallen und ist eine empfehlenswerte  Sommerlektüre.

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September 1957: Henry und Effie fahren für die Flitterwochen nach Cape May, ein Ferienort an der Ostküste. Doch das Städtchen ist verlassen, die Saison ist zu Ende. Die beiden jungen Leute aus Georgia fühlen sich fremd, isoliert und in ihrer Schüchternheit gefangen. Gerade als sie beschließen, den Urlaub zu verkürzen, treffen sie zufällig auf Clara, eine Ferienbekanntschaft Effies aus Kindertagen, die eine glamouröse Gruppe von New Yorkern um sich versammelt. Darunter Max, ein reicher Playboy und ihr Liebhaber, und dessen unnahbare und rätselhafte Schwester Alma. Der verlassene Ort wird zu ihrem Spielplatz, und während sie in leer stehende Ferienhäuser einsteigen, Segeln gehen, nackt unter dem Sternenhimmel herumwandern, sich lieben und sich betrinken, geraten Henry und Effie in eine Situation, die den Rest ihres Lebens prägen wird. Ein hypnotisierender Roman, der im Spiegel von Sexualität und gesellschaftlicher Realität der Fünfzigerjahre aktuelle und zeitlose Fragen zu Ehe, Liebe und Loyalität behandelt.

Cheek, Chip Chip Cheek, geboren 1976, hat bereits in Literaturzeitschriften Kurzgeschichten veröffentlicht, u.a. in The Southern Review, Harvard Review und Washington Square, und erhielt renommierte Schriftstellerstipendien. Tage in Cape May ist sein erster Roman. Chip Cheek lebt in der Nähe von Los Angeles. Robben, Bernhard Bernhard Robben, geb. 1955, lebt in Brunne/Brandenburg und übersetzt aus dem Englischen, u. a. Salman Rushdie, Peter Carey, Ian McEwan, Patricia Highsmith und Philip Roth. 2003 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW ausgezeichnet, 2013 mit dem Ledig-Rowohlt-Preis für sein Lebenswerk geehrt.