Unterleuten (eBook)

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Der große Gesellschaftsroman von Juli Zeh Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf "Unterleuten" irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den... (weiter)

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Details
AutorIn Juli Zeh
Seiten 656
EAN 9783641167295
Sprache deutsch
erschienen bei Random House ebook
Erstverkaufsdatum 08.03.2016
Stichwörter Gesellschaftsroman
Spiegel-Bestseller
Deutschland
Brandenburg
Provinz
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Kopierschutz social-drm
Dateigröße 1.38 MB
Veröffentlichungsjahr 2016
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Ein überzeugendes Buch
»Was liest Du?«-Rezension von wbetty77, am 16.07.2018

Unterleuten lebt vor allem von der Landwirtschaft. Nach dem Ende der DDR, wandelten die Unterleutener ihre LPG zu einer GmbH um. Treiben Kraft dabei Gombrowski, der Sohn des letzens Unterleutener Großgrundbesitzers und zu DDR Zeiten Leiter der LPG. Gombrowski setzt sich für sein Dorf und die Bewohner ein, dabei ist die Wahl seiner Mittel nicht immer legal und oftmals fragwürdig. Trotz seines Engagements und seiner Stellung im Dorf, erfreut er sich keiner großen Beliebtheit. Sein Widersacher Kron, überzeugter Kommunist und der Querulant im Dorf, lässt nichts aus, um Gombrowski ins schlechte Licht zu rücken.

Dann sind da die Städter, die auf dem Land einen ruhigen, idyllischen Zufluchtsort suchen. Flies, ehemaliger Uniprofessor, und seine junge Frau Jule mit ihrem Baby. Flies arbeitet für den Vogelschutz und legt jedem Bauvorhaben in der Umgebung Steine in den Weg. Das macht ihn bei manchen Bewohnern wenig beliebt. In Unterleuten regelt man solche Sachen unter sich. Das bekommen Flies und seine Familie deutlich zu spüren.

Linda Franzen und ihr Freund Frederik haben sich ebenfalls ein renovierungsbedürftiges Anwesen in Unterleuten gekauft. Linda möchte dort eine Pferdezucht gründen. Auch für sie ist es nicht einfach ihr Ziel zu verwirklichen. Zum einen torpediert Flies ihre Umbaugenehmigung für die Pferdeställe und selbst bei den Koppelzäunen erhebt er Einspruch. Zudem weigert sich ein Investor aus dem Westen, ihr die Wiese hinter dem Haus zu verkaufen.

Als eines Tages bekannt wird, dass Windräder in Unterleuten errichtet werden sollen, ändert sich die Lage. Es regt sich Widerstand, bis einige wenige erkennen, dass die Windräder beschlossene Sache sind und nur die Frage ist, auf welchem Grundstück sie errichtet werden. Durch die großzügige Pacht, wäre derjenige, auf dessen Grundstück die Windräder gebaut werden, saniert. Durch die Windräder kommt Bewegung in das Dorf, alte Fronten brechen wieder auf und lang Vergessenes kommt wieder zu Tage. Nur das dieses Mal die „Neuen“ versuchen in den ganzen verzweigten Seilschaften des Dorfes mitzumischen. Am Ende verlieren einige alles und andere gehen gestärkt aus diesem Umbruch hervor.

Juli Zehs Roman „Unterleuten“ erzählt von einem Dorf, das um seine Existenz kämpft. Dessen ländliche Machtmechanismen jenseits der Gesetzgebung funktionieren. Der Roman verdeutlicht darüber hinaus denn Generationenkonflikt. Es sind noch immer die „alten Männer“, die das Dorfleben bestimmen sowie schon zu Zeiten der DDR.

Doch Juli Zeh malt nicht schwarz-weiß, es gibt nicht da die Guten und auf der anderen Seite die Bösen. Sie lässt die Figuren für sich sprechen und erzählt deren Geschichte. Der Leser erfährt, warum sie so handeln, wie sie es tun. Es gibt die tragischen und die von der Gesellschaft abgehängten, die Glücksritter auf der Suche nach ländlichem Frieden. Dem Roman gelingt ein Portrait eines Dorflebens, das Jahrzehnte lang an alten Strukturen festgehalten und an dessen Oberfläche es gebrodelt hat. Nun genügt ein kleiner Funke, um all die alten Geschichten hochkochen zu lassen. Erst die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit macht eine Neuordnung möglich.

Der Roman ist unterhaltsam geschrieben. Abwechselnd wird aus der Sicht der einzelnen Protagonisten erzählt, so dass der Leser der Handlung gut folgen kann und dabei die Figuren kennenlernt. Man merkt den Charaktere an, dass sie mit viel Sorgfalt und Liebe zum Detail erschaffen worden sind. Die Autorin überzeugt durch eine gute Beobachtungsgabe und durch Menschenkenntnis, die sie in die Figuren einfließen lässt.

Meiner Ansicht nach ist der Roman lesenswert, weil er einen Blick in gesellschaftliche Strukturen erlaubt, die es in ähnlicher Weise sicher gibt. Sowohl die desillusionierte, ältere Generation als auch die 20-30jährigen sind auf den Punkt beschrieben. Die einzige Kritik meinerseits betrifft das Ende. Den Epilog hätte ich in dieser Art nicht gebraucht. Manches kann man sich denken, anderes hätte man vielleicht nochmal aus der Sicht einer etablierten Figur schreiben können, um nicht am Ende eine weitere hinzufügen zu müssen.

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Ein beeindruckendes Stück Literatur und zugleich eine geniale Kritik an der Gesellschaft
»Was liest Du?«-Rezension von LadyiceTea, am 01.09.2016

Normalerweise fasse ich zu Beginn einer Rezension einmal kurz den Inhalt des Buchs in meinen Worten zusammen. Bei diesem Buch fällt mir jedoch nichts ein, was dem gerecht werden würde ohne zu viel zu erzählen. Ich versuch es trotzdem in aller Kürze.

Nähe Berlin liegt das kleine 200 Seelen Dorf Unterleuten. Wie jedes Dorf hat auch dieses hier, viele eigentümliche Bewohner mit alten und neuen Streitereien und altem und neuem Gerede. Als dann einige neue Bewohner hinzu kommen und auch noch ein Windpark gebaut werden soll, brechen alte Wunden auf und das idyllische Dörfchen ist mit einem mal, garnicht mehr so idyllisch.

Juli Zeh hat es von Beginn an geschafft, mich in den Bann des Dörfchens Unterleuten zu ziehen. Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Jedes Kapitel des Buchs schildert das Geschehen und den Fortschritt der Geschichte aus der Sicht eines anderen Dorfbewohners. Man lernt wirklich nach und nach die wichtigsten Personen des Dorflebens kennen, erfährt ihre Ängste, Wünsche, Verdächtigungen, Gedanken und erlebt ihre Taten. Für mich war es so, als wäre ich grade selbst nach Unterleuten gezogen und würde all die Charaktere grade kennen lernen. Das habe ich so noch nicht erlebt.
Dazu gelingt es Juli Zeh einen Bogen zu schlagen zwischen den Eigenarten der Alten und denen der Jüngeren, zwischen alten Fehden und neuen Gefechten und zwischen den Nachbarn sowieso. Sie verknüpft die alten Sorgen des Dorfes (Ernte, Wetter, alter Zwist) mit denen der Jüngeren (Zukunftsplanlosigkeit bei absolutem Drang nach Zielstrebigkeit). Sie kritisiert immer wieder, dass die aktuelle Generation zu sehr auf Veränderung gepolt ist, zu sehr darauf es allen Recht zu machen und allem zu reichen. Jede ihrer Kritiken konnte ich aufgreifen und musste bei fast allen zustimmend nicken.
Der Spannungsverlauf bleibt konstant hoch, da wir die Geschichte aus vielen Einzelperspektiven erfahren. Es gibt unfassbar viele Verstrickungen und Verschwörungstheorien, so dass ich zeitweise selbst nicht wusste, wer ist Freund oder Feind und wer meint es böse und wer gut. Zum Schluss löst sich alles auf eine sehr gelungene Weise auf und lässt mich als Leser befriedigt zurück. Ob in es sich in Wohlgefallen auflöst oder nicht, dass muss jeder selber herausfinden.
Schön fand ich auch als zusätzlichen Bonus die verschiedenen Internetseiten und Facebookprofile, die es extra zu Unterleuten und seinen Bewohnern gibt. Es ist toll, wenn sich so viele Gedanken gemacht werden. Juli Zeh zeigt damit übrigens gewollt auf, das unsere Zeit sich durch digitale Medien sehr geändert hat. Auch hierzu gibt es einige Interviews der Autorin. Auch der viel zitierte Lebensratgeber ist im Handel erhältlich und auch hier halten sich die Gerüchte hartnäckig, dass Juli Zeh selber dieses Buch geschrieben hat. Sowas gefällt mir.
Ich muss sagen, ich bin wirklich begeistert von diesem Buch und kann es wirklich Jedem nur wärmstens ans Herz legen. Selten hat mich ein deutsches Buch so abgeholt und so lange nicht mehr losgelassen.
Eine klare Kaufempfehlung!

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Der große Gesellschaftsroman von Juli Zeh Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf "Unterleuten" irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist ... Mit "Unterleuten" hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der sich hochspannend wie ein Thriller liest. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?

Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, studierte Jura in Passau und Leipzig. Schon ihr Debütroman "Adler und Engel" (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Ihr Gesellschaftsroman "Unterleuten" (2016) stand über ein Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013), dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015) und dem Bruno-Kreisky-Preis (2017) sowie dem Bundesverdienstkreuz (2018). 2018 wurde sie zur ehrenamtlichen Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt.

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