Unterleuten (Taschenbuch)

Roman

Taschenbuch
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Der große Gesellschaftsroman von Juli Zeh Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf in Brandenburg wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die... (weiter)

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Details
AutorIn Juli Zeh
Seiten 643
EAN 9783442715732
Sprache deutsch
erschienen bei btb Taschenbuch
Erscheinungsdatum 11.09.2017
Stichwörter Gesellschaftsroman
Bestsellerliste Spiegel
Deutschland
Brandenburg
Provinz
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.3 | 22 Meinungen

davon Rezensionen:
Ø 4.6 |  7 Rezensionen
davon Bewertungen:
Ø 4.1 |  15 Bewertungen

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Großartige Unterhaltung
»Was liest Du?«-Rezension von Yolande, am 25.06.2019

Juli Zeh wurde am 30. Juni 1974 in Bonn geboren. Sie ist die Tochter des ehemaligen Direktors des Deutschen Bundestag, Wolfgang Zeh und heißt mit bürgerlichem Namen Julia Barbara Finck. Nach dem Abitur studierte sie Rechtswissenschaften mit dem Schwerpunkt "Völkerrecht" in Passau, Krakau, New York und Leipzig. 2010 wurde sie an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken als Dr.jur. promoviert. Neben ihrem Jurastudium schloss sie ein Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig ab.Am 12. Dezember 2018 wurde Juli Zeh vom Brandenburgischen Landtag zur ehrenamtlichen Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt.Juli Zeh lebt mit ihrer Familie in einem Dorf in Brandenburg.(Quelle: Wikipedia)

Inhalt (Klappentext): 
Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf Unterleuten irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den Gutshäusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großartiger Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist....


Ich fand das Buch großartig. Das Innenleben einer Dorfgemeinschaft - geschildert aus verschiedenen Perspektiven - mit all seinen Befindlichkeiten und vorausgegangenen Kränkungen und offenen Rechnungen, wird hier sehr aufschluss- und detailreich geschildert. Hinzu kommen noch die gesellschaftlichen Umwälzungen und Verwerfungen der Nach-Wendezeit, die ich als "Wessi" besonders interessant und spannend fand. Natürlich wird vieles überspitzt dargestellt und bis zum Äußersten getrieben, dennoch fand ich die Beschreibungen dieses "Mikrokosmos Dorfgemeinschaft" teilweise sehr realistisch. 
Ich bin selbst in einem Dorf aufgewachsen und lebe jetzt seit 30 Jahren in einem Ort, der zwar etwas größer ist, aber durchaus noch dörfliche Strukturen aufweist. Obwohl ich mich durch Vereinszugehörigkeiten und meine drei Kinder ziemlich gut integriert fühle, gibt es doch immer wieder Geschichten und Zusammenhänge von früher, von denen ich so nach und nach erfahre und die oft überraschend und unerwartet sind. Deswegen war ich so fasziniert und auch entsetzt, mit welcher Arroganz sich die Neubürger in Unterleuten so selbstbewusst in die Geschehnisse einmischen. 
Die immer explosiver werdende Atmosphäre wird gut transportiert und durch die verschiedenen Perspektiven kann man sich als Leser gut in die Stimmungen hineinversetzen.
Das Buch hat mich wunderbar unterhalten und ich möchte unbedingt noch mehr von Juli Zeh lesen, die mich mit diesem Werk wirklich überzeugt hat.

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Der ganz normale Wahnsinn
»Was liest Du?«-Rezension von Steffischultzzz, am 08.07.2018

„Je mehr ich erfuhr, desto stärker erinnerte mich die Geschichte an mein Lieblingsspielzeug aus Kindertagen, ein rotes Kaleidoskop, in dem man Muster aus winzigen bunten Perlen betrachten könnte. Man dreht ein wenig, und alles sah anders aus. Ich konnte stundenlang hineinsehen. Eine Geschichte wird nicht klarer dadurch, dass viele Leute sie erzählen.“ - Seite 629


Dieses Zitat fasst eigentlich schon ganz gut zusammen, worum dieses Buch im Groben und Ganzen handelt - um Missverständnisse und die Komplexität vieler kleiner Dinge. Die Kapitel sind immer aus der Sicht eines Dorfbewohners von Unterleuten geschrieben und so lernen wir diese zunächst mit all ihren Wünschen, Absichten und Zielen kennen. Ich finde die Charakterbeschreibung von Juli Zeh sehr ausführlich, was mir jedoch sehr gut gefällt. So lernt man auch die Macken kennen, muss ab und zu schmunzeln und hat ein unfassbar einprägsames Bild der Protagonisten. Zu dem vermitteln die einzelnen Protagonisten perfekt dieses Dorfflair. Die Autorin spielt hier zwar mit Klischees, aber wenn man selbst vom Dorf kommt, muss man feststellen wie gut das doch eigentlich zutrifft. Trotz der einprägsamen Charakterbeschreibung ist jedoch auch noch eine Übersichtskarte in der Klappenbroschüre beigefügt, die dazu beiträgt nicht den Überblick zu verlieren.  
Im Anschluss kommt es zu einer Situation, die sozusagen alles ins Rollen bringt. Es bauen sich neue Beziehungen unter den Bewohnern auf bzw. werden alte Beziehungen im Laufe der Geschichte genauer erläutert. Und so setzt sich ein Puzzle aus Aktion und Reaktion zusammen, was Juli Zeh meiner Meinung nach hervorragend gelungen ist. Sie spielt mit Klischees, lässt Kompromisse entstehen und am Ende artet alles aus.  
Dieses Buch hat mich super unterhalten, aber auch zum Nachdenken anregt. Es gibt nicht immer nur eine Sicht - man sollte immer versuchen alles zu beleuchten und sich in andere Leute hineinzuversetzen. Empathie und Kommunikation ist das was und allen irgendwie noch fehlt.

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Der große Gesellschaftsroman von Juli Zeh Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf in Brandenburg wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten. Doch hinter den Fassaden der kleinen Häuser brechen alte Streitigkeiten wieder auf. Und obwohl niemand etwas Böses will, geschieht Schreckliches. Mit "Unterleuten" hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der sich hochspannend wie ein Thriller liest. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?

Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, Jurastudium in Passau und Leipzig, Studium des Europa- und Völkerrechts, Promotion. Längere Aufenthalte in New York und Krakau. Schon ihr Debütroman »Adler und Engel« (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013), dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015), und dem Bruno-Kreisky-Preis (2017) sowie dem Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln. 2018 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Im selben Jahr wurde sie zur Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt.