Was man von hier aus sehen kann

Was man von hier aus sehen kann (Audio-CD)

Ungekürzte Ausgabe, Lesung

Audio-CD
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Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Davon, was die Bewohner in den... (weiter)

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Details
AutorIn Mariana Leky
Edition 8. Aufl.
EAN 9783864844362
Sprache deutsch
erschienen bei tacheles
Erscheinungsdatum 08.2017
Ursprungstitel Was man von hier aus sehen kann
Stichwörter Westerwald
Erste Hilfe
Heimat
Dorf
Liebesperlen
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.2 | 27 Meinungen

davon Rezensionen:
Ø 4.3 |  10 Rezensionen
davon Bewertungen:
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Okapi-Träume und das Leben...
»Was liest Du?«-Rezension von parden, am 02.03.2019

Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Davon, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen, verschwinden lassen oder in Ordnung bringen, erzählt Mariana Leky in ihrem Roman – und natürlich noch viel mehr. "Was man von hier aus sehen kann" ist das Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt. Aber es ist vor allem ein Buch über die Liebe im Modus der Abwesenheit.

Luise ist es, die hier ihre Geschichte erzählt - zunächst rückblickend auf sie als Zehnjährige, die, weil ihre Mutter fast nie Zeit für sie hat und weil ihr Vater zu sehr damit beschäftigt ist darüber nachzudenken, wie er mehr von der Welt 'hereinlassen' kann, meistens bei ihrer Großmutter Selma ist, oft gemeinsam mit ihrem gleichaltrigen Freund Martin. Selma ist es auch, die für Unruhe im Dorf sorgt, als ruchbar wird, dass sie wieder einmal von einem Okapi geträumt hat.


"Das Okapi ist ein abwegiges Tier, viel abwegiger als der Tod. Und es sieht vollkommen zusammenhangslos aus mit seinen schwarz weiß gestreiften Zebra-Oberschenkeln, seinen Tapir-Hüften, seinem giraffenhaft geformten rostroten Leib, seinen Reh-Augen und Maus-Ohren. Ein Okapi ist absolut unglaubwürdig - in der Wirklichkeit nicht weniger als in den unheilvollen Träumen einer Westerwälderin."

Immer, wenn das Okapi in Selmas Träumen auftaucht, stirbt jemand Nahestehendes innerhalb von 24 Stunden. Keiner will wirklich daran glauben, und doch treibt es die Menschen im Dorf um, sich rasch noch um Wichtiges und Unerledigtes zu kümmern, bevor es womöglich zu spät ist. Und auch wenn sich der Tod diesmal um einige Stunden verspätet - wieder trifft es einen aus ihrer Mitte. Und danach ist nichts mehr, wie es vorher war.

Nach einem Zeitsprung von 12 Jahren begegnen wir Luise wieder, verzogen in die nächstgelegene Kreisstadt, aber immer noch herzlich verbunden mit Selma und mit vielen anderen Menschen aus dem Dorf. Und eines Tages, als sie gar nicht damit rechnet, begegnet Luise am Waldrand - der Liebe. Einer unbedingten Liebe, die dennoch kaum möglich ist, denn der, der ihr da begegnet, ist Frederik, ein buddhistischer Mönch, der nur wegen eines Seminars im Westerwald ist und ansonsten in Japan lebt.

Dies ist eines der Bücher, die auf mich einen unglaublichen Sog ausüben. Einmal angefangen, mochte ich gar nicht damit aufhören. Bei acht Stunden und zwei Minuten Dauer des ungekürzten Hörbuchs ein wohl unmögliches Unterfangen, und doch suchte ich immer wieder nach Gelegenheiten, möglichst viel davon am Stück zu hören. Dabei verzauberte mich die Sprache, der unaufgeregte, bildhafte, sanfte Schreibstil, und ich gewann die Personen immer lieber, so verschroben sie auch sein mochten.

Eine Dorfgemeinschaft bringt die Menschen auf engstem Raum zusammen, und bei aller Unterschiedlichkeit und Eigentümlichkeit gibt es hier in diesem Dorf im Westerwald einen zunehmenden Respekt voreinander, eine Toleranz, ein Wir, das mich zuweilen wünschen ließ dazuzugehören. Selma und ihr heimlicher Verehrer, der Optiker, habe ich zwangsläufig ins Herz geschlossen - er, der immer verzagt ist und kofferweise Briefanfänge aufbewahrt, die, geschrieben über die Jahre, versuchen sollten, Selma seine heimliche Liebe zu erklären, und sie, die weise und voll trockenen Humors aufs Leben blickt und auch in schweren Stunden zuverlässig für Luisa und für andere da ist.

Auch wenn hier skurrile Elemente Einzug halten - wie der Traum vom Okapi oder auch die Liebe Luises zu dem buddhistischen Mönch - ist diese Erzählung absolut liebenswert. Dabei steuert Mariana Leky ihre Charaktere und mit ihm den Leser sanft aber zielsicher durch das Meer der Emotionen, Lachen und Weinen stets nahe beieinander. Wenn Sprache derart berühren kann, dann liebeliebeliebe ich den Roman.

Die Stimme von Sandra Hüller passt wundervoll zu der Erzählung, der Vortrag sehr ruhig gehalten, unterbrochen nur von aufblitzendem Humor - und einem defekten Anrufbeantworter, den ich mir sofort zulegen würde. Das versteht jetzt nur jemand, der das Buch kennt, aber dieser eigensinnige Apparat ist einer der unverzichtbaren und liebenswerten Details des Romans.

Auch wenn das Jahr noch viele Monate vor sich hat, kann ich jetzt schon sagen: dieses Buch gehört zu meinen Jahres-Highlights. Und ganz sicher werde ich es noch einmal hören / lesen / was auch immer. Von mir gibt es hier in jedem Fall eine glasklare Leseempfehlung!



 

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Selma und Luise
»Was liest Du?«-Rezension von wal.li, am 09.02.2019

Für Luise ist Selma so etwas wie ein Leitstern. Selma ist die Seele im Haus, die alles zusammenhält. Luises Eltern gelingt das mit dem Zusammenhalten nicht so. Ihr Vater verlässt die Mutter und beginnt zunächst mit einer Psychotherapie. Als der Therapeut ihm empfehlt, einen Hund anzuschaffen als ausgelagerter Schmerz sozusagen, kommt Alaska ins Haus. Irgendwann ist auch Luises Mutter nicht mehr so richtig da. Doch Selma ist da. Und auch Luises Schulfreund Martin, mit dem sie so toll Zug fahren kann, so genau kennen sie die Strecke, dass sie aufsagen können, was in jedem Moment beim Blick aus dem Fenster zu sehen ist. Wenn aber Selma von einem Okapi träumt, stirbt jemand im Dorf.

 

Luise erzählt die Geschichte eines Dorfes im Westerwald. Etwas speziell sind viele der Bewohner, aber eigentlich haben sie alle etwas Sympathisches. Wie es so ist in Dörfern, es gibt nichts was es nicht gibt. Nur gestorben wird manchmal viel zu früh. So ist Selma schon verwitwet seit ihr Sohn noch ein Kind war. Vielleicht ist Luises Vater deshalb ein wenig eigen geraten. Für ihn scheint es leichter zu fliehen als zu bleiben. Und Luise ist halt die Tochter ihres Vaters, wenn sie mal eine Verstockung hat, die das Leben nicht leichter macht. Zum Glück träumt Selma nicht allzu oft von einem Okapi, wenn es aber soweit ist, wird es schwer im Dorf.

 

Eine heimelige Stimmung verschafft dieses mit Gefühl von Sandra Hüller gelesene Hörbuch. Selma und Luise tragen dieses Buch. Manchmal überspringt es eine Generation und Großeltern und Enkel haben eine ganz besondere Beziehung und so ist es auch bei Selma und Luise. Wenn die Eltern mal nicht weiterwissen, kann Luise immer zu Selma kommen. Wobei auch Selma ihr Leben hat. Vieles zwischen den Menschen im Dorf lebt vom Unausgesprochenen, das dem Leben einen eigenen Schmelz verleiht. Ein Buch wie man es sich wünscht, warm, authentisch und mit einer Art Erdbeben.

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Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Davon, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen, verschwinden lassen oder in Ordnung bringen, erzählt Mariana Leky in ihrem Roman - und natürlich noch viel mehr. "Was man von hier aus sehen kann" ist das Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt. Aber es ist vor allem ein Buch über die Liebe im Modus der Abwesenheit. "Was man von hier aus sehen kann ist so unterhaltsam und märchenhaft und von einer so großen Weisheit und Tiefe, dass ich unbedingt damit zu tun haben wollte. Es gibt ganz wenige Bücher bei denen mir das passiert." Sandra Hüller

Leky, Mariana Mariana Leky studierte nach einer Buchhandelslehre Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Bei DuMont erschienen der Erzählungsband "Liebesperlen" (2001) sowie die Romane "Erste Hilfe" (2004) und "Die Herrenausstatterin" (2010) sowie "Bis der Arzt kommt. Geschichten aus der Sprechstunde" (2013). Mit ihren ersten Erzählungen gewann sie den Allegra Preis 2000. Für "Liebesperlen" wurde sie mit dem Niedersächsischen Literaturförderpreis und dem Stipendium des Landes Bayern ausgezeichnet. 2005 erhielt sie für "Erste Hilfe" den Förderpreis für junge Künstler des Landes NRW. 2017 erschien ihr Roman "Was man von hier aus sehen kann", der wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste stand. Die Autorin lebt in Berlin und Köln. Hüller, Sandra Sandra Hüller, 1978 geboren, ist eine der renommiertesten deutschen Bühnen-, TV- und Film-Schauspielerinnen. Zuletzt erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen - u. a. den Europäischen und Bayerischen Filmpreis - für ihre Rolle im Oscar-nominierten und international preisgekrönten Film "Toni Erdmann".