Zwei Herren am Strand

Zwei Herren am Strand (Buch)

Roman

Buch
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Winston Churchill und Charlie Chaplin - zwei Giganten der Weltgeschichte, so unterschiedlich wie nur möglich und doch enge Freunde. Der eine schuf als weltberühmter Komiker das Meisterwerk "Der große Diktator",... (weiter)

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AutorIn Michael Köhlmeier
Edition 14. Aufl.
Seiten 253
EAN 9783446246034
Sprache deutsch
erschienen bei Hanser, Carl GmbH + Co.
Erscheinungsdatum 25.08.2014
Rezensionen
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Depressive Doppelgänger - Original und Fälschung für Fortgeschrittene
»Was liest Du?«-Rezension von Arbutus, am 21.08.2016

Ich hatte mich schon vor langem in dieses wunderschöne Cover verliebt und freute mich nun sehr darauf, diesen als genial angepriesenen Roman endlich auch zu lesen.

Etwas unglücklich, wenn nicht gar aufdringlich, finde ich aber direkt schon den Anfang. Da steht also Charlie Chaplin mit dem Knie in der Tür des Aufenthaltsortes Churchils und brüllt: "Winston, Winston, ich bin es, Charlie. ...". Kann es eine plattere Einführung der beiden großen Männer geben? Zu deutsch: der Autor muss im Folgenden ganz schon punkten, wenn er mich noch kriegen will.

Dann geht es aber erst einmal um den Vater des Romanerzählers. Weil er das wichtige Verbindungsglied ist, durch das uns die geheimen Informationen über die ungewöhnliche Freundschaft zugetragen werden. Welche Rolle er dabei aber ganz genau spielt, soll der geneigte Leser erst gegen Ende erfahren, ein häufig verwendeter Erzählkniff, der mich hier allerdings gewaltig nervt.

Noch bevor ich richtig in der Erzählung Fuß fassen kann, erfahre ich, dass (der fiktive) Chaplin und (der fiktive) Churchill sich immer wieder treffen werden, um sich ausschließlich über das Thema Freitod zu unterhalten und um sich gegenseitig genau von diesem abzuhalten. Spoilere ich etwa, wenn ich das hier schreibe? Ich würde eher sagen, es ist der Autor selbst, der seinen eigenen Roman verspoilert, indem er mir die Informationen auf diese unattraktiive Weise bereits auf Seite zwanzig ins Gesicht klatscht. Oder ist das auch nur wieder so ein genialer Autorenkniff?

Aber dann wird es besser. Und faszinierender. Und irgendwie echter. Und wenn geschildert wird, wie (der fiktive) Chaplin, tief enttäuscht von der plötzlichen Ich-Bezogenheit seines Gegenübers, diesen allmählich wieder schätzen lernt, indem er dessen Kommunikation mit seiner Tochter beobachtet, dann lerne auch ich allmählich den Autor schätzen. Schreiben kann er. Und hat zudem ein unglaublich feines Gespür für komplizierte menschliche Befindlichkeiten. Vielleicht lohnt es ja doch noch, das Buch zu Ende zu lesen.

Der Roman versucht, beim Leser die Illusion einer sauber recherchierten Dokumentation zu erzeugen. Ich finde dieses Vorgehen in Bezug auf zwei reale historische Personen problematisch, ja manipulativ, bringt es doch die Gefahr mit sich, dass in meinem Bewusstsein persönliche Phantasievorstellungen des Autors als fixe Vorurteile hängen bleiben. Ich bekomme lauter biographische Informationen und weiß nicht, welchen ich trauen darf und welchen nicht. Haben sich Chaplin und Churchill überhaupt gekannt? Wenn ja, wie tief ging dieser Kontakt wirklich? Glücklicherweise fand ich ein paar Ideen des Autors so abwegig, dass es mir nicht schwerfiel, beim Lesen Distanz zu bewahren.

Und dann habe ich doch noch angefangen, das Buch gern zu lesen. Auch wenn mir nach wie vor die Fußnoten fehlten, Auskunft gebend, ob dieser oder jener Teil der Geschichte auf Fakten beruht oder auf Erfindung. Der Autor setzt offenbar voraus, dass der erlauchte Leser sowohl mit der Biographie Chaplins wie auch mit der Churchills aufs Trefflichste vertraut ist. Zumal die (Schein-)Doppel-Biographie immer mehr ausufert. Handelte es sich wirklich um die Biographie der beiden Berühmtheiten, dann würde ich nun wahrscheinlich fasziniert und geduldig an den Lettern kleben - so aber habe ich es mit einer genialen Fälschung zu tun und weiß doch nicht sicher, welcher Teil echt ist und welcher nicht; das ist auf Dauer zermürbend. Und wenn zum Beispiel Churchills schriftstellerisches Werk über seinen Urahnen John Churchill aufs Genaueste analysiert wird, dann fragt man sich schon, warum in aller Welt schreibt Herr Köhlmeier einen Roman und keine Biographie? Vielleicht ist eine Antwort am ehesten in seinen eigenen Worten zu finden:

"Sir Winston, schreibt [William Knott] in einem Brief, hätte es gefallen, wenn sein Buch als Roman bezeichnet worden wäre - allerdings, fügt er hinzu, hätte ihm vorher erst einer erklären müssen, welche Erweiterung der Begriff Roman im 20. Jahrhundert erfahren habe." Aha, so liest sich also die Rechtfertigung für einen geschickten Betrug am Leser.

Der Schillersche Abschluss des insgesamt sehr gewagten Kapitels über Churchill und Hitler gerät leider so platt, dass ich glaube, im falschen Film zu sein. Dann landen wir ganz unvermutet bei Adorno und seiner bierernsten "Theorie des Komischen"... und schließlich beim "Großen Diktator". Da wird es wieder höchst spannend, und ich nehme mir vor, unbedingt diesen Film noch einmal anzuschauen und zudem möglichst zeitnah eine richtige Chaplin-Biographie zu lesen, damit ich der ganzen weißen Fiktion-oder-nicht-Flecken in meinem Hirn Herr werde.

Immerhin also schafft es das Buch, mich neugierig zu machen, sowohl auf den realen Chaplin wie auch auf den realen Churchill. Nicht durchgehend konnte mich der Autor überzeugen - und das ist ein Glück, denn wie ich schon schrieb, erfüllt mich die manipulative Schreibart eines Autors, der begeistert Wohlrecherchiertes und eigene Phantasie mischt, mit Skepsis. Oft verzettelt er sich in biographischen Windungen, und die Beziehung der beiden Giganten Chaplin und Churchill zueinander tritt zu lange in den Hintergrund. Dabei gibt es eine Menge schöner, überraschender Stellen. Wenn sich der Autor nicht gerade in irgendwelchen biographischen Details verheddert, ist sein Erzählstil flüssig, neugierig machend, raffiniert. Und sogar der plakative Anfang macht, aus der Entfernung betrachtet, Sinn. Trotzdem frage ich mich, ob der Autor, Gideon-gleich, mit der an sich unsinnigen Methode eines banalen Anfangs den Leserkreis auf eine kleine Elite der ganz Harten reduzieren wollte... und bin fast ein bisschen stolz, am Ende nicht zu den Abgeschüttelten zu gehören.

Insgesamt ein interessantes, aber zwiespältiges Lesevergnügen.

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Ich habe etwas anderes erwartet
»Was liest Du?«-Rezension von Angelika, am 09.12.2014

~~Klappentext
Zwei Männer gehen miteinander spazieren, allein, im vertrauten Gespräch. Der eine schwer, rund, mit der unvermeidlichen Zigarre, der andere schmal, unruhig, in dauernder Bewegung. Zwei Männer, die gar nicht zueinander passen – scheinbar. Winston Churchill und Charlie Chaplin waren vom Ruhm verwöhnt, und doch zwei große Melancholiker, die immer wieder an tiefen Depressionen litten und versuchten, sie zu überwinden: der eine, indem er der größte Komiker der Geschichte wurde, der andere, indem er sein Land durch den Krieg gegen Adolf Hitler führte. Diesen Kampf kämpften jetzt beide: der eine durch sein Meisterwerk „Der große Diktator“, der andere durch einen Widerstandswillen, der ganz England mitriss.


Hm … ich habe auf Grund des Klappentextes und des Rückentextes eine vollkommen andere Geschichte erwartet. Eine Geschichte über die Freundschaft zwischen Churchill und Chaplin, basierend auf ihrer Erkrankung … der Depression. Und was habe ich bekommen … eine langatmige Geschichte über zwei Männer, der Geschichte der damaligen Zeit und Hinweise ohne Ende woher Köhlmeiers Vater all die ach so tollen Hinweise bekommen hat. Welcher Chronist welchen kannte und wie der eine Bibliograf dem anderen aushilft mit Informationen.

Puhh … ich denke, hätte man die zeitgeschichtlichen Ereignisse reduziert, Köhlmeier weniger von seinem Vater geschwärmt, dann, ja dann hätte es ein richtig gutes Buch werden können. Denn die Passagen, in denen die beiden großen Männer dieser Welt aufeinandertreffen, in denen über ihre Freundschaft erzählt wird, die sind einfach phantastisch!

Ich habe bereits einmal ein anderes Buch (Mr. Chartwell von Rebecca Hunt) über Churchills Depressionen gelesen und war begeistert. Von diesem Buch bin ich einfach ein wenig enttäuscht.

Aber wie immer an dieser Stelle … bildet euch bitte eine eigene Meinu

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Winston Churchill und Charlie Chaplin - zwei Giganten der Weltgeschichte, so unterschiedlich wie nur möglich und doch enge Freunde. Der eine schuf als weltberühmter Komiker das Meisterwerk "Der große Diktator", der andere führte mit seinem Widerstandswillen eine ganze Nation durch den Krieg gegen Adolf Hitler. Michael Köhlmeier hat mit dem Blick des großen, phantasievollen Erzählers erkannt, was in diesem unglaublichen Paar steckt: die Geschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Kunst und Politik, Komik und Ernst. Der arme Tramp und der große Staatsmann, in diesem verblüffenden Roman des berühmten Autors aus Österreich erleben sie die Geschichte des Jahrhunderts.