Ein Haus auf dem Land / Eine Wohnung in der Stadt (Buch)

Von einem, der zurückkam, um seine alte Heimat zu finden / Von einem, der auszog, um in seiner neuen Heimat anzukommen

Buch
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Als er in Berlin auf Wohnungssuche ist, erfährt Jan Brandt, dass das Haus seines Urgroßvaters in seinem ostfriesischen Heimatdorf Ihrhove kurz vor dem Abriss steht. Der Eigentümer, ein Bauunternehmer, sieht... (weiter)

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Details
AutorIn Jan Brandt
Edition 2. Aufl.
Seiten 424
EAN 9783832183561
Sprache deutsch
erschienen bei DuMont Buchverlag GmbH
Erscheinungsdatum 17.05.2019
Stichwörter Wohnungsnot
Der neue jan brandt
Stadt oder land
stadt und land
Wohnung oder haus
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø3.8 | 7 Meinungen

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Ø 4.5 |  2 Rezensionen
davon Bewertungen:
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Ein Selbsterfahrungsbericht über Mieten und Kaufen, der mir zu ausschweifend war
»Was liest Du?«-Rezension von Nabura, am 13.06.2019

Jan Brandt lebt als Autor in Berlin. Als ihm seine aktuelle Wohnung, in der er schon mehrere Jahre lebt, aufgrund von Eigenbedarf gekündigt wird, muss er sich wieder auf die Suche begeben. Dabei muss er feststellen, dass sich die Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt seit seiner letzten Suche deutlich verschärft hat. In dieser Zeit überlegt er auch, in sein Heimatdorf Ihrhove in Ostfriesland zurückzukehren und dort ein Haus zu kaufen. Als er entdeckt, dass der Hof seiner Vorfahren zum Verkauf angeboten wird, überlegt er, zuzuschlagen. Doch das Gebäude ist stark renovierungsbedürftig und der Kredit wäre eine große Belastung, wenn überhaupt einen erhält.

Mir hat die Idee sehr gefallen, das Buch als Wendebuch zu gestalten und damit zwei Gegensätze gegenüberzustellen. Das führte aber auch zur ersten großen Frage vor dem Lesen: Womit starte ich? Dem Haus auf dem Land oder der Wohnung in der Stadt? Ich entschied mich für die etwas dünnere Haus-Geschichte. Ich bin selbst auf dem Land aufgewachsen und habe eine schöne und bezahlbare Wohnung in einer Großstadt zu gefunden. Insofern war ich neugierig, welche Erfahrung der Autor mit Stadt und Land gemacht hat.

Zu Beginn der Haus-Geschichte holt Jan Brandt weit aus und erzählt in nüchternem Ton die Geschichte seiner Vorfahren und eine Episode, in der er in Amerika ein Haus seiner Vorfahren besucht hat. Es folgt die Geschichte rund um den Hof seiner Vorfahren in Ostfriesland. Fakten über Fakten erwarteten mich, die mir den Einstieg nicht leicht machten. Erst nach 50 Seiten kommt der Autor im Jahr 2016 an, in dem er entdeckt, dass der Hof zum Verkauf steht. Er berichtet davon, wie er abwägt, ob er das Geld auftreiben kann und sich die Investition wirklich lohnt.

Die Geschichte rund um das Haus ist eigentlich schnell erzählt. Dass sie trotzdem auf über 180 Seiten kommt liegt daran, dass alles sehr ausschweifend erzählt wird. Da gibt es zum Beispiel seitenweise Geplauder mit den alten Klassenkameraden ebenso wie 30 Seiten pure Auflistung historischer Ereignisse, die seit dem Bau des Hofs geschehen sind. Ohne Jahreszahlen. Das ist ein künstlerischer Ansatz, aber Lesen wollte ich das Kapitel dann doch nicht.

Die Haus-Geschichte ein paar interessante Feststellungen rund um die Veränderung der Wohn- und Geschäftssituation auf dem Land bereit, hat mich insgesamt aber gelangweilt, weshalb ich meine Hoffnungen auf die Stadt-Geschichte setzte. Diese hat mir tatsächlich besser gefallen, denn Storys rund um Wohnungsbesichtigungen zeigen immer wieder anschaulich, wie weit der Mietirrsin gekommen ist.

Der Autor gibt Einblicke, in welchen Wohnungen in Berlin er früher gewohnt hat, was er 2016 an seiner aktuellen Wohnung so schätzt und weshalb er die Kündigung nicht hinnehmen will. Man begleitet ihn auf zahlreichen Besichtigungen ebenso wie beim Versuch, Beweise für die Hinfälligkeit der Kündigung zu sammeln. Bei letztem wird vor allem erzählt, wie er sich auf die Lauer legt, um seinem Vermieter nachzuweisen, dass der woanders wohnt als angegeben. Trotz interessanterem Inhalt kommt auch hier das große Manko des Buches wieder zum Tragen: Die Ausführlichkeit. Die Erlebnisse des Autors, während er stundenlang herumsteht und wartet, sind zwar ein gutes Symbol für seine Verzweiflung, aber inhaltlich nicht sonderlich lesenswert.

Aus der Stadt-Geschichte nehme ich insgesamt noch mehr Erkenntnisse mit als aus der Haus-Geschichte. Unterm Strich ist dieser Selbsterfahrungsbericht für meinen Geschmack jedoch viel zu ausschweifend geraten, weshalb ich knappe drei Sterne vergebe.

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Weggehen um anzukommen - Osfriesland - Berlin - Newport
»Was liest Du?«-Rezension von Buchdoktor, am 15.05.2019

Für Jan Brandt erwies sich die Wiedervereinigung Deutschlands als Glücksfall, denn erst die extrem niedrigen Mieten für unrenovierte Altbauten in Berlin ließen ihm Freiraum zum Schreiben. In jeder anderen Stadt hätte er erheblich mehr Zeit damit verbringen müssen, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, die ihm an anderer Stelle gefehlt hätte. Brandt will endlich den großen deutschen Auswanderer-Roman schreiben. Die Hauptstadt mit schrumpfender Bevölkerung ist immer noch ein Provisorium; sie ist ihm nicht zur Heimat geworden. Die Realität zwischen  unteruntervermietetem Wohnraum  und neureichen Vermietern zeigt sich ernüchternd. Im hippen Berlin und seinen frisch gentrifizierten Kiezen kann bald von günstigem Wohnraum nicht mehr die Rede sein. Das Thema Wohnen kostet Brandt einfach zu viel Zeit. Brandts Clique  der ersten Berliner Jahre lebt immer noch prekär als Autor, Buchhändler oder Verleger, während sein Altersjahrgang in Ostfriesland so lebt, wie die Eltern es sich für ihre Kinder wünschten.

Der Autor von „Gegen die Welt“, dem Erfolgsroman über eine ostfriesische Drogisten-Familie, geht allmählich auf die 40 zu. Seine Recherchen zum Auswanderer-Roman bringen Brandt auf den Spuren seiner Verwandten nach Newport/Rhode Island  und wieder zurück nach Ihrhove/Ostfriesland. Das Grotollenhuus, das Haus des Urgroßvaters und Stammsitz der Familie steht zum Verkauf, ein ehemaliger Kolonialwarenladen an einer belebten Straße, an dem vor 100 Jahren buchstäblich alle Wege zusammentrafen. Der Kolonialwarenladen als Ort sozialer Kontrolle erzählt eine wenig romantische Geschichte über eine Zeit, in der der Ladeninhaber alles über seine Kunden und ihre Schwächen wusste. Teil dieser Kaufmannsdynastie ist die Drogisten-Familie Kuper in Brandts „Gegen die Welt“. Die Familiengeschichte der Brandts erzählt von einer Epoche, in der mehrere Generationen  einer Großfamilie samt Gesinde noch unter einem Dach wohnten und Lebensmittel für den Eigenbedarf im Selbstversorger-Garten  anbauten. Wer nicht im Familienbetrieb unter seinem strengen Vater arbeiten wollte, wanderte aus oder gründete einen eigenen Betrieb.

Der bevorstehende Verkauf des ehemaligen Brandtschen Kaufhauses markiert Strukturprobleme einer rein  äußerlich intakten Kultur von Berufspendlern. Wenn die Leute nicht mehr im Ort einkaufen, lässt sich das Rad nicht mehr zurückdrehen. Jan Brandt fragt sich, ob er sich ein Leben in Berlin noch leisten kann – und ob er sich dieses riesige alte Haus in Ostfriesland  leisten will, nachdem der optimale Zeitpunkt zum Kauf längst verpasst ist.

Jan Brandt musste nach dem Abitur Ihrhove verlassen, um Autor zu werden, und steht nach Lehr- und Wanderjahren nun vor der Entscheidung, ob er wieder in seinen Heimatort zurückkehren will. Das Haus der Großeltern konfrontiert ihn in der Lebensmitte  mit der Geschichte seiner Familie  und der Region.  Lesern von „Gegen die Welt“ liefert Brandt hier interessante Blicke auf Vorfahren seiner Drogisten-Dynastie Kuper.

 

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Als er in Berlin auf Wohnungssuche ist, erfährt Jan Brandt, dass das Haus seines Urgroßvaters in seinem ostfriesischen Heimatdorf Ihrhove kurz vor dem Abriss steht. Der Eigentümer, ein Bauunternehmer, sieht keinen Grund, das Alte zu erhalten, wo sich durch etwas Neues der Gewinn um ein Vielfaches steigern lässt. Jan Brandt droht der Verlust der Heimat - und er nimmt den Kampf auf, um den Gulfhof zu retten, das Symbol seiner Herkunft.

Jan Brandt, geboren 1974 in Leer (Ostfriesland). Sein Roman 'Gegen die Welt' (DuMont 2011) stand auf der Shortlist des Deutschen Buch-preises und wurde mit dem Nicolas-Born-Debütpreis ausgezeichnet. Bei DuMont erschienen außerdem 'Tod in Turin' (2015), 'Stadt ohne Engel' (2016), 'Der magische Adventskalender' (2018) und 'Ein Haus auf dem Land/Eine Wohnung in der Stadt' (2019).