Corpus Delicti (Taschenbuch)

Ein Prozess

Taschenbuch
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Jung, attraktiv, begabt und unabhängig: Das ist Mia Holl, eine Frau von dreißig Jahren, die sich vor einem Schwurgericht verantworten muss. Zur Last gelegt wird ihr ein Zuviel an Liebe (zu ihrem Bruder), ein Zuviel... (weiter)

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Details
AutorIn Juli Zeh
Edition 4. Aufl.
Seiten 263
EAN 9783442740666
Sprache deutsch
erschienen bei btb Taschenbuch
Erscheinungsdatum 09.08.2010
Serien btb
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.1 | 16 Meinungen

davon Rezensionen:
Ø 5 |  3 Rezensionen
davon Bewertungen:
Ø 3.9 |  13 Bewertungen

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1 Stern

Was für ein Buch!
»Was liest Du?«-Rezension von Emswashed, am 24.04.2018

Die Angeklagte Mia Holl weigert sich, an die Schuld ihres Bruders zu glauben und verweigert daraufhin dem Staat ihren Körper und ihre Treue. Jegliche Hilfestellung für die Wiedereingliederung in die Gemeinschaft schlägt fehl und so wird aus dem Angebot der Hilfe schnell eine Anklage.

Mia Holl wird methodenfeindlicher Umtriebe verdächtigt: sie raucht Zigaretten, gibt ihre Blutwerte nicht ab, hält ihre Wohnung nicht mehr in Ordnung und der Kilometerstand auf ihrem Trimm-Dich-Fahrrad weist erhebliche Fehlbestände auf. Das gefährdet nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch die ihrer Umwelt, schadet also letzendlich dem Staat, welcher sich ganz dem körperlichen Wohl ihrer Untertanen verschrieben hat.

Dabei trauert Mia um ihren Bruder, der eine Frau ermordet haben soll, seine Unschuld beteuerte und sich noch vor der Vollstreckung zum Scheintod umbrachte. Alles spricht für eine terroristische Gesinnung mit staatsgefährdenden Handlungen.

Zwei Männer bestimmen nun den Fortgang der Geschichte. Zum einen taucht der Journalist Heinrich Kramer auf, der eine Story für seine Veröffentlichungen braucht und Mia zu Aussagen verführt, die sie teuer zu stehen kommen und zum anderen gibt es noch Mias Verteidiger Lutz Rosentreter, der scheinbar machtlos, dann doch zunächst die Unschuld ihres Bruders beweisen kann.

Der Eklat ist perfekt, der Staat hat sich geirrt, die Unruhen im Land flammen auf...

Ein Buch mit perfekt geschliffenen Sätzen und einem Plot, der sich buchstäblich auf den letzten Seiten nochmal wendet. Mit Spannung erfährt man den Aufbau dieser dystopischen Gesellschaft, staunt über die Kontrollmechanismen und fürchtet sich vor den absurden Konsequenzen die ein Verstoß gegen die gestellten Regeln mit sich bringt, begreift aber dann auch irgendwann mit Entsetzen, dass wir von dieser Welt nicht allzu weit entfernt sind.

Zweihundertvierundsechzig Seiten, die mich tief beeindruckt haben.

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Sehr interessantes Buch
»Was liest Du?«-Rezension von Juliabookaholic, am 25.05.2017


Stellt Euch vor Ihr würdet in einer Gesellschaft leben in der Gesundheit das höchste Wohl ist. Unvorstellbar für uns, oder? Denn allein schon dieser Drang immer gesund zu sein und ein gesundes Leben zu führen um auch der Gesellschaft nicht zu schaden macht einen doch auch wieder krank. Juli Zeh hat in ihrem Roman genau so eine Gesellschaft erschaffen und somit ein Buch, welches in der Schule diskutiert wird. 
In "Corpus Delicti" begleiten wir Mia Holl, welche noch immer nicht über den Tod ihres Bruders hinweggekommen ist, welcher wegen Mordes angeklagt wurde und sich dann erhängte. Sie ist noch immer überzeugt davon, dass ihr Bruder Moritz unschuldig ist, während alle anderen ihn verurteilen. Sie beginnt selbst ihre gesundheitlichen Formulare abzugeben und wird deshalb vor Gericht geladen und so beginnt der Prozess.
Ich empfand es als wirklich sehr interessant diesen Roman zu lesen, weil es etwas von einem dystopischen Krimi hatte. Man hat versucht einen Fall aufzuklären, während man in einer Gesundheitsdiktatur lebte. Juli Zeh hat ihr Buch auch wirklich gut geschrieben und auch die Rückblenden nicht immer chronologisch eingebaut, sodass sie besser zur eigentlichen Handlung passten. 
Sie hat verschiedene Personen erschaffen, die alle auf ihre eigene Art besonders waren und über die man getrost hätte noch mehr schreiben können. weil jede Geschichte es verdient hätte, erzählt zu werden. Und das Zusammenspiel der Personen war einfach stimmig, sodass man es flüssig in einem Rutsch lesen konnte. 
Was mir auch sehr gut gefallen hat, war, dass dieses Buch auch gut ohne eine Liebesgeschichte funktioniert hat, weil man einfach auch nicht überall eine hineinquetschen kann. 
Doch nun kommen wir zu meinem Großen ABER und dieses werde ich auch nicht mit in die Wertung hinein nehmen. Lest dieses Buch wirklich alleine und für euch und am besten nicht in der Schule. Wir behandeln das Buch nun schon seit gut einem Monat und zerreißen es förmlich. Bei meiner Lehrerin hat jedes einzelne Wort, jeder Buchstabe eine Bedeutung und langsam beginne ich dieses Buch zu hassen und dabei fand ich es eigentlich wirklich gut. Und ich bin auch der Meinung, dass Lehrer uns und vor allem den NICHT lesenden Bücher schmackhaft machen sollen, aber so vergrault man diese ja nur noch mehr. 
Und dann haben wir uns ein Interview mit Juli Zeh angesehen in dem die Autorin leider auch sehr unsympathisch herüberkam und irgendwie hat auch das alles kaputtgemacht.
Also kann ich Euch wirklich nur raten dieses Buch einfach zu lesen und es nicht in seine einzelnen Worte zu zerreißen um herauszufinden, warum die Autorin nun ein "Es" statt einem "Das" genutzt hat. 
Wenn wir mal meine schulische Kritik an dem Buch weglassen, hat mir das Buch sehr gut gefallen, aber ich werde es leider in den nächsten Jahren nicht mehr anrühren können. Euch anderen spreche ich aber eine Leseempfehlung aus. 
 

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Jung, attraktiv, begabt und unabhängig: Das ist Mia Holl, eine Frau von dreißig Jahren, die sich vor einem Schwurgericht verantworten muss. Zur Last gelegt wird ihr ein Zuviel an Liebe (zu ihrem Bruder), ein Zuviel an Verstand (sie denkt naturwissenschaftlich) und ein Übermaß an geistiger Unabhängigkeit. In einer Gesellschaft, in der die Sorge um den Körper alle geistigen Werte verdrängt hat, reicht dies aus, um als gefährliches Subjekt eingestuft zu werden. Juli Zeh entwirft in Corpus Delicti das spannende Science-Fiction-Szenario einer Gesundheitsdiktatur irgendwann im 21. Jahrhundert, in der Gesundheit zur höchsten Bürgerpflicht geworden ist.

Zeh, Juli Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, studierte Jura in Passau und Leipzig. Schon ihr Debütroman "Adler und Engel" (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Ihr Gesellschaftsroman "Unterleuten" (2016) stand über ein Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013), dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015) und dem Bruno-Kreisky-Preis (2017) sowie dem Bundesverdienstkreuz (2018). 2018 wurde sie zur ehrenamtlichen Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt.