Vor dem Fest (Taschenbuch)

Roman. Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2014 in der Kategorie Belletristik

Taschenbuch
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Fürstenfelde, Brandenburg. Einwohnerzahl: sinkend. Bei uns am Ortseingang steht ein Schild. Herzlich willkommen in der Uckermark: Jetzt wird's schön. Anzahl der auf der aktuellen Wanderkarte als "sehenswerter... (weiter)

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Details
AutorIn Sasa Stanisic
Seiten 316
EAN 9783442749898
Sprache deutsch
erschienen bei btb Taschenbuch
Erscheinungsdatum 12.10.2015
Serien btb
Stichwörter Preis der Leipziger Buchmesse
Buchpreis
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Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø3.9 | 8 Meinungen

davon Rezensionen:
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davon Bewertungen:
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Lesevergnügen
»Was liest Du?«-Rezension von westeraccum, am 05.07.2019

Nachdem das Buch den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen hatte, wollte ich ihn unbedingt lesen, aber es ergab sich nicht. Jetzt habe ich es endlich geschafft und bin begeistert.

Dir Nacht vor dem großen jährlichen Annenfest ist in Fürstenfelde in der Uckermark eine ganz besondere. Alte Geschichten kommen an die Oberfläche, Geister gehen um, wie schon Jahrhunderte früher, eine Füchsin sucht Hühnereier...

Die handlung ist eingentlich zweitrangig, im Vordergrund steht Stanicecs Fabulierkunst. Geschrieben ist das Buch aus einer Position des "Wir", wie ein antiker Chor oder der tonangebende Chor bei Brecht. "Wir" beobachten die Ereignisse der Nacht, kommentieren sie, erklären die Hintergründe, blättern aber auch in der Geschichte des Ortes, in dem es viele seltsame Vorkommnisse gab. Das alles ist so originell geschrieben, manchmal witzig, und einfach lesenswert. 

Dies ist kein Buch für mal eben so nebenbei, es erfordert schon Konzentration, aber das lohnt sich. Manche Sätze muss man sich auf der Zunge zergehen lassen und /oder rot anstreichen. wunderbar! Ein ganz besonderes Buch!

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Herzlich Willkommen in der Uckermark
»Was liest Du?«-Rezension von Giselle74, am 08.11.2017

Ratlos. Das trifft es ziemlich genau, "Vor dem Fest" lässt mich ratlos zurück. Aber zunächst der Inhalt, soweit er sich mir erschließt: Es geht um Fürstenfelde oder -walde oder -werder, ein beliebiges Dorf in der Uckermark. Und es geht um seine Bewohner, die nicht ganz so beliebig sind. Es gibt einen Fährmann, nein falsch, es gab einen Fährmann, die Dorfmalerin, den Glöckner und seinen Lehrling, die Leiterin des Hauses der Heimat und diverse andere Personen. Und dann gibt es noch die Fähe, die auf der Suche nach Leckerbissen für ihre Welpen das Dorf durchstreift. Das Ganze spielt in der Nacht vor dem Annenfest, einem jährlich wiederkehrenden Dorffest. Soweit, so gut.

Mit dieser Grundlage nun blättert Sasa Stanisic die Dorgeschichte auf, wechselt zwischen Vergangenheit , näherer und sehr weit entfernter, und Gegenwart. Chroniktexte, Gedankensplitter, Anekdoten, alles sorgfältig vermischt, bedächtig, lakonisch, kaleidoskopartig. Alles ist miteinander verbunden, die Vergangenheit reicht weit in die Gegenwart, Generationen von Dorfbewohnern haben eine gemeinsame Geschichte. Als Individuum hat aber jeder auch seine eigenen Erlebnisse, Träume, Wünsche. Das Buch ist aufgebaut wie ein großes Puzzle. Man hat viele Einzelteile, die hin und her geschoben, teilweise auch zusammen passen. Mir fehlten allerdings immer wieder Teile, ich hatte stetig das Gefühl, mein Puzzle habe blinde Stellen. Vielleicht habe ich nicht sorgfältig genug gelesen? Vielleicht ist auch schlicht meine Bildung nicht ausreichend, um die Andeutungen, Versatzstücke und Schichten zu verstehen, zuzuordnen, zu erkennen? Vielleicht ist das Buch eher für Fachleute geschrieben, den kleinen Kreis der Literaturkenner, die solche Texte spielend entschlüsseln? Die gesammelten Literaturpreise, die der Roman errungen hat, lassen mich das ja vermuten.

Und deshalb, um den kleinen Bogen zum Anfang zu schlagen, bin ich ratlos. Mir bleibt die Erinnerung an eine Nacht, in der allerhand entfesselt wurde, Geister der Vergangenheit, Wolfsrudel, Ängste, Wahnvorstellungen. Und das alles in einem kleinen Dorf in der Uckermark, ein beliebiges Dorf, das so auch in der Lüneburger Heide oder im Harz stehen könnte. Der kleine Wahnsinn des Jedermann.

Manchmal ist es wahrscheinlich einfach so, dass sich ein Roman dem Leser schlicht nicht öffnet und seine Geheimnisse für sich behält. "Vor dem Fest" hätte wohl lieber einen anderen Leser als mich gehabt. Daher bleibt es bei den blinden Flecken und dem Gefühl, hinter der nächsten Seite stecke die Erkenntnis. In ein paar Jahren sieht das vielleicht anders aus. Fürstenfelde- das war nicht mein letzter Besuch...

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Fürstenfelde, Brandenburg. Einwohnerzahl: sinkend. Bei uns am Ortseingang steht ein Schild. Herzlich willkommen in der Uckermark: Jetzt wird's schön. Anzahl der auf der aktuellen Wanderkarte als "sehenswerter Einzelbaum" gekennzeichneten Bäume: zwei. Was auch immer du über uns gehört hast, das nicht von uns selbst kommt: es stimmt nicht. Es ist die Nacht vor dem Fest im uckermärkischen Fürstenfelde. Das Dorf schläft. Bis auf den Fährmann - der ist tot. Und Frau Kranz, die nachtblinde Malerin, die ihr Dorf zum ersten Mal bei Nacht malen will. Ein Glöckner und sein Lehrling wollen die Glocken läuten, das Problem ist bloß: die Glocken sind weg. Eine Füchsin sucht nach Eiern für ihre Jungen, und Herr Schramm, ein ehemaliger Oberst der NVA, findet mehr Gründe gegen das Leben als gegen das Rauchen. Keiner von ihnen will den Einbruch ins Haus der Heimat beobachtet haben. Das Dorfarchiv steht aber offen. Doch nicht das, was gestohlen wurde, sondern das, was entkommen ist, treibt die Schlaflosen um. Erinnerungen und alte Geschichten ziehen mit den Menschen um die Häuser. Sie fügen sich zum Roman einer langen Nacht, zu einem Mosaik des Dorflebens, in dem Alteingesessene und Zugezogene, Verstorbene und Lebende, Handwerker, Rentner und arbeitslose Mythenwesen in Fußballtrikots aufeinandertreffen. Sie alle möchten etwas zu Ende bringen, in der ewigen Nacht vor dem Fest.

Stanisic, Sasa Sasa Stanisic wurde 1978 in Visegrad (Jugoslawien) geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Seine Erzählungen und Romane wurden in über 30 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Sasa Stanisic erhielt u.a. den Preis der Leipziger Buchmesse für »Vor dem Fest« und zuletzt für »Herkunft« den Deutschen Buchpreis 2019 sowie den Eichendorff-Literaturpreis und den Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster. Er lebt und arbeitet in Hamburg.