Unterleuten (Audio-CD)

MP3 Format, Lesung. Gekürzte Ausgabe

Audio-CD
Für Bewertung bitte einloggen!

"Die Geschichte ist wie ein Kaleidoskop." Juli Zeh Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf "Unterleuten" irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick darauf wirft, ist bezaubert von den... (weiter)

€ 12,99 *
Preis
inkl MwSt.

Auch erhältlich als:
Audio-CD 24,99
  • sofort lieferbar ?
  • portofreie Lieferung innerh. Deutschland
  • Geschenkverpackung möglich

Details
AutorIn Juli Zeh
Edition Gekürzte Lesung
EAN 9783844527162
Sprache deutsch
erschienen bei Hoerverlag DHV Der
Erscheinungsdatum 11.09.2017
Stichwörter Gesellschaftsroman
Spiegel Bestseller
Brandenburg
Aussteiger
Berlin
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø3 | 3 Meinungen

davon Rezensionen:
Ø 0 |  2 Rezensionen
davon Bewertungen:
Ø 3 |  1 Bewertung

5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
2 Sterne
1 Stern

Genial
»Was liest Du?«-Rezension von Lese Freundin, am 01.01.2019

Zitate:
S. 22 […] Ein Mensch konnte niemals genug Land besitzen – so viel hatte sie ihre neue Existenz im provinziellen Paralleluniversum bereits gelehrt. […]
S. 58 […] Sie glauben gar nicht, wie viele Pferdebesitzer keine Ahnung haben, wie man mit diesen Tieren umgeht. Das ist so, als würde jemand, der Kupplung und Bremse nicht unterscheiden kann, einen Formel-1-Wagen kaufen. […]
S. 84 […] Schon immer hatte [er] die Auffassung vertreten, dass er lieber zehn Männer zu Feinden hätte, als eine einzige Frau. […]
S. 160 […] In Wahrheit war jeder froh, wenn er nichts entscheiden und folglich auch nichts verstehen musste. Auf diese Weise ersparte man sich das anstrengende Nachdenken über komplizierte Sachverhalte und behielt trotzdem das Recht, sich nach Herzenslust zu beschweren. […]
S. 481 […] Bäume konnten weder weglaufen noch kämpfen. Sie waren dazu verurteilt, zu wachsen und zu sterben, wie es dem Menschen gefiel. […] Der Holzernte wohnte etwas Unfaires inne. Er tötete Wesen, die älter waren als er selbst [und] [n]ichts von dem, was er heute in seinen Wäldern pflanzte, würde er aufwachsen sehen.
S. 568 […] Sie dachte immer nur bis zum nächsten Vorwurf. So überzeugt war sie von der Existenz eines Optimalzustands, dass sie überall nur Defizite sah, sogar dann, wenn sie gewann. […]
S. 630 […] Wenn ich in Unterleuten eins gelernt habe, dann dass jeder Mensch ein eigenes Universum bewohnt, in dem er von morgens bis abends recht hat.[…]

Inhalt:
Unterleuten ist ein kleines Dorf in Brandenburg. Hier wird noch alles unter den Leuten selbst geregelt. Blöd nur, dass sich nun auch zugezogene als Einheimisch fühlen und das Dorfleben damit ganz schön aufmischen …

Meine Meinung:
Juli Zeh hatte mich bereits mit der ersten Seite in ihren Bann gezogen. Unterleuten ist ein typischen brandenburgisches Dorf (eine Kneipe, eine Kirche und viele kleine Häuser) mit seinen schrulligen Einwohnern. Die Charaktere im Buch sind so natürlich und scheinen vom Dorf direkt ins Buch gewandert zu sein. Auch wenn es hier viele Personen gibt, denen immer ein Kapitel gewidmet ist (um die Sicht desjenigen darzustellen) ist es sehr leicht den Überblick zu behalten. Die Ausdrucksweise ist gut, so wählt Juli Zeh immer die passenden Worte und hat dabei einen guten Stil.

Besonders beeindruckt hat mich die Aktualität des Buches. 2016 geschrieben, mit der Handlung von 2010 und dennoch als wäre es gerade erst passiert. Der Mauerfall und die Probleme sind so weitreichend und lebendig geschildert, dass sie auch über 25 Jahre später noch eine Brisanz haben – auf eine Art sehr erschreckend. Die Geschichte in Unterleuten schildert eindrucksvoll, dass […] jeder Mensch ein eigenes Universum bewohnt, in dem er von morgens bis abends recht hat.[…] Zitat S. 630.

Fazit:
Erschreckend, traurig, witzig, dörflich. So könnte „Unterleuten“ zusammengefasst werden. Mit einer Prise Arroganz und Gewalt abgerundet und nachdenklich im Abgang. Daher ist es nicht leicht eine Leseempfehlung auszusprechen. Ich empfehle dennoch allen Dörflern sowie allen potentiellen Dörflern (die Landflucht beginnt und es stehen immer mehr Häuser zum Verkauf), dieses Buch zu lesen. Schon allein um ggf. Fehler zu vermeiden. Man weiß ja nie mit wem der Nachbar und so weiter ;) Von mir gibt es definitiv 5 Sterne, weil mich „Unterleuten“ gut unterhalten und zum Nachdenken angeregt hat.

mehr zeigen ...

Herrlicher Mikrokosmus Dorf
»Was liest Du?«-Rezension von Bücherspiegel, am 29.07.2018

„Unterleuten“, das Dorf, das von der Autorin Juli Zeh in ihrem Gesellschaftsroman beschrieben wird, gibt es überall. Im Mehrfamilienhaus, in der Nachbarstraße, im Vorort, selbst in kleineren und größeren Unternehmen. Jedenfalls mehr oder weniger. Dieser Roman ist schon vielfältig analysiert, rezensiert und beschrieben worden, ein Film ist in Arbeit. Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Die Figuren sind alle glaubhaft, nichts ist wirklich übertrieben.

Ein Ort mit rund zweihundert Seelen, der nach der Wende vieles durchmachen muss, um überhaupt weiter bestehen zu können, spielt die Hauptrolle. Oberflächlich ist alles gut, nur die wunderlichen Dinge, die dort geschehen, zeigen, hier ist absolut nichts, wie es sein soll. Da brennt es in Nachbars Garten ununterbrochen und giftige Schwaden ziehen zum Vogelschützer und seiner Familie hinüber. Zugezogene aus der Hauptstadt, die nun zeigen wollen, welche Macht sie haben. Ein Großgrundbesitzer, der vielen Arbeit gibt in einem Ort, der nur wenig zu bieten hat. Und der glaubt, mit seinen Spenden die vermeintliche Ruhe halten zu können. Eine Pferdenärrin, die ihren Freund unter der Knute hält und mithilfe eines Bodenspekulanten die Ordnung im Dorf ändern möchte. Es gibt noch einige Figuren, die zum Beispiel unter http://unterleuten.de/unterleuten.html bestens beschrieben sind.

Herrlich ist es, wie sie alle miteinander von sich selbst überzeugt sind. Der beschriebene Wirtschaftskreislauf ohne Geld, Gefälligkeiten, die im Ort und zu Nachbardörfern Menschen aneinander binden. Wer braucht schon Obrigkeiten und Polizei, wenn man untereinander alles regeln kann?

In sechs Kapiteln und vielen Abschnitten kommen Gegenspieler zu Wort und teilen uns ihre Weisheiten, Wahrheiten und Meinungen mit. Jeder und Jede ist von sich überzeugt, weiß ganz genau, was andere Personen von ihr beziehungsweise ihm hält unter den gegebenen Umständen. Und nun sollen Windräder das Leben aller komplett verändern. Geld spielt wie immer eine große Rolle, denn dort, wo sie aufgestellt werden, fließt es wie dolle und in die Ortskasse sowieso. Doch leider gibt es keinen Eigentümer, der über die gesamte Fläche alleine entscheiden kann. Nun brechen nicht nur alte Geschichten wieder auf und kommen an die Oberfläche, sondern werden mit neuen vermischt. Ob es am Ende Gewinner geben kann?
Selbst wenn man durch Internetrecherche doch so vieles mitbekommen hat, was im Roman beschrieben wird, es selbst zu lesen ist unterhaltsam, witzig, manchmal sehr traurig und bitter, doch will man so gerne immer mehr. Das liegt an dem Schreibstil, den Drehungen und Wendungen, die nur wenig offen lassen. Aber das wenige, das offen bleibt, ist ein Rätsel, das leider nicht gelöst wird. Welches das ist, mag jeder selbst herausfinden.

Über das Buch gibt es von Juli Zeh unter www.unterleuten.de noch vieles mehr zu erfahren.

mehr zeigen ...

"Die Geschichte ist wie ein Kaleidoskop." Juli Zeh Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf "Unterleuten" irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick darauf wirft, ist bezaubert von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtige aus Berlin gerne kaufen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Kein Wunder, dass schon wenige Tage später im Dorf die Hölle los ist ... Mit Unterleuten hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der hochspannend wie ein Thriller ist. Mit "Unterleuten" hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der hochspannend wie ein Thriller ist. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert? Gelesen von Helene Grass. (2 mp3-CDs, Laufzeit: 15h 23)

Zeh, Juli Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, Jurastudium in Passau und Leipzig, Studium des Europa- und Völkerrechts, Promotion. Längere Aufenthalte in New York und Krakau. Schon ihr Debütroman »Adler und Engel« (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013), dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015), und dem Bruno-Kreisky-Preis (2017) sowie dem Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln. 2018 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Im selben Jahr wurde sie zur Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt. Grass, Helene Helene Grass, geboren 1974, hatte nach ihrer Schauspielausbildung an der Otto Falckenberg Schule die ersten Engagements an Theater in München, Braunschweig und Zürich. Sie ist immer wieder um Kino ("3/4", "Bach in Brazil") und im TV ("Rentnercops" und "Polizeiruf 110") zu sehen. Außerdem spricht sie regemäßig in Hörspiel- und Hörbuchproduktionen.