Leere Herzen (Buch)

Roman

Buch
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Sie sind desillusioniert und pragmatisch, und wohl gerade deshalb haben sie sich erfolgreich in der Gesellschaft eingerichtet: Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi. Sie haben sich damit abgefunden, wie... (weiter)

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Details
AutorIn Juli Zeh
Seiten 350
EAN 9783630875231
Sprache deutsch
erschienen bei Luchterhand Literaturvlg.
Erscheinungsdatum 13.11.2017
Stichwörter Unterleuten
Politthriller
Corpus delicti
Selbstmordattentäter
Psychothriller
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.1 | 113 Meinungen

davon Rezensionen:
Ø 4 |  50 Rezensionen
davon Bewertungen:
Ø 4.1 |  63 Bewertungen

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Provokative Dystopie über den moralischen Verfall unserer Gesellschaft
»Was liest Du?«-Rezension von Minijane, am 16.09.2018

Dieser 2017 im Luchterhand Verlag erschienene Roman von Juli Zeh hat mich vom Klappentext sehr angesprochen, da ich gesellschaftskritische Literatur ab und zu sehr inspirierend finde und gerne lese.

Das Ausgangsszenario, die Protagonistin Britta, die eine sehr erfolgreiche Praxis für Self-Managing, Life-Coaching und Ego-Polishing mit ihrem Geschäftspartner Babak führt, die aber in Wirklichkeit ihr Geld damit verdient Selbstmörder an Organisationen aller Art weiterzuvermitteln, ist an Zynismus kaum zu übertreffen. Die Kandidaten durchlaufen ein 12stufiges Programm bei dem ihre Selbstmordabsichten auf ihre Ernsthaftigkeit überprüft werden. Besteht der Suizidwillige alle Tests, gibt die Praxis mit dem Namen „die Brücke“ dem zukünftigen Selbstmörder durch die Kontakte zu Terrororganisationen, Tierschutzverbänden, Ökoaktivisten oder Ähnlichem einen sinnvollen Grund, für den es sich zu sterben lohnt. „Dabei bewegt sich die Brücke juristisch in einerGrauzone, da Beihilfe zum Selbstmord nicht strafbar ist.“ Als es plötzlich Konkurrenz zu geben scheint, gerät Britta‘s gutorganisiertes Doppelleben aus dem Takt. Britta ist eine desillusionierte Person, durch und durch Kopfmensch, die sich mit der Gesellschaft, die 2025 nach der Entmachtung von Angela Merkel von der rechtsextremen Bewegung der besorgten Bürger regiert wird, auf ihre Weise arrangiert hat. „Nichtwähler gewinnen Wahlen, während engagierte Demokraten mit dem Wählen aufhören“. Und so meint Britta dem System nur noch als Dienstleisterin für den Untergang dienen zu können, was ihr allerdings zunehmend Bauchschmerzen verursacht. Sie hat ihre Meinung, ihre inneren Überzeugungen so lange ignoriert, bis Sie selber glaubte keine Haltung mehr zu haben. Juli Zeh versteht es den Finger in die Wunde zu legen, führt dem Leser vor Augen, dass wir uns mit der zunehmenden Politikverdrossenheit nicht abfinden und arrangieren dürfen. Ihr moralisches Plädoyer so berechtigt es auch ist, wird mir gegen Ende des Buches etwas zu eindringlich. Die Bauchschmerzen ( das schlechte Gewissen) der Protagonistin werden immer und immer wieder erwähnt. Hier wäre weniger mehr gewesen. Das Ende des Romans lässt mich dann ehrlich gesagt etwas ratlos und unbefriedigt zurück. Trotzdem sehr lesenswert und leider durchaus vorstellbar!

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Ungewöhnliches Buch
»Was liest Du?«-Rezension von brauneye29, am 31.07.2018

Zum Inhalt:
Leere Herzen" ist ein provokanter, packender und brandaktueller Politthriller aus einem Deutschland der nahen Zukunft. Es ist ein Lehrstück über die Grundlagen und die Gefährdungen der Demokratie. 
Meine Meinung:
Allein die Story ist schon total ungewöhnlich. Die Gesellschaft "Brücke" möchte man sich irgendwie gar nicht vorstellen, schon gar nicht, dass es so was wirklich geben könnte. Auch die Sichtweisen die die Gründer und Führer der Gesellschaft haben, sind schon für mich zumindest haarsträubend. Die Protagonisten fand ich sehr gut ausgearbeitet und dadurch auch durchaus glaubwürdig erzählt. Der Schreibstil war gut und ist extrem gut lesbar. Zum Teil habe ich allerdings mit der ein oder anderen Abkürzung gehadert und habe lange gebraucht um zu begreifen was gemeint war.
Fazit:
Ungewöhnlich aber gut.

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Sie sind desillusioniert und pragmatisch, und wohl gerade deshalb haben sie sich erfolgreich in der Gesellschaft eingerichtet: Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi. Sie haben sich damit abgefunden, wie die Welt beschaffen ist, und wollen nicht länger verantwortlich sein für das, was schief läuft. Stattdessen haben sie gemeinsam eine kleine Firma aufgezogen, "Die Brücke", die sie beide reich gemacht hat. Was genau hinter der "Brücke" steckt, weiß glücklicherweise niemand so genau. Denn hinter der Fassade ihrer unscheinbaren Büroräume betreiben Britta und Babak ein lukratives Geschäft mit dem Tod. Als die "Brücke " unliebsame Konkurrenz zu bekommen droht, setzt Britta alles daran, die unbekannten Trittbrettfahrer auszuschalten. Doch sie hat ihre Gegner unterschätzt. Bald sind nicht nur Brittas und Babaks Firma, sondern auch beider Leben in Gefahr... "Leere Herzen" ist ein provokanter, packender und brandaktueller Politthriller aus einem Deutschland der nahen Zukunft. Es ist ein Lehrstück über die Grundlagen und die Gefährdungen der Demokratie. Und es ist zugleich ein verstörender Psychothriller über eine Generation, die im Herzen leer und ohne Glauben und Überzeugungen ist.

Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, Jurastudium in Passau und Leipzig, Studium des Europa- und Völkerrechts, Promotion. Längere Aufenthalte in New York und Krakau. Schon ihr Debütroman »Adler und Engel« (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013), dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015), und dem Bruno-Kreisky-Preis (2017) sowie dem Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln. 2018 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Im selben Jahr wurde sie zur Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt.