Altes Land (Buch)

Roman. Ausgezeichnet mit dem Usedomer Literaturpreis 2016 und als 'Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels' 2015

Buch
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Zwei Frauen, ein altes Haus und eine Art von Familie Das "Polackenkind" ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt... (weiter)

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Details
AutorIn Dörte Hansen
Seiten 288
EAN 9783813506471
Sprache deutsch
erschienen bei Knaus Albrecht
Erscheinungsdatum 16.02.2015
Stichwörter Altes Land
Geschichte
Romane/Erzählungen
Familienroman
Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.4 | 97 Meinungen

davon Rezensionen:
Ø 4.6 |  24 Rezensionen
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Liebevoller, frecher & einfühlsamer Generationenroman!
»Was liest Du?«-Rezension von naibenak, am 13.03.2019

Die polnische Flüchtlingstochter Vera landet im Zweiten Weltkrieg mit ihrer Mutter im Alten Land und wird dort sesshaft. Mit ihrem Stiefvater und Kriegsveteran Karl lebt sie noch lange Zeit in einem großen, Altländischen Reetdachhaus inmitten von Kirschbaumplantagen. Später lebt sie dort allein.

Anne ist auch ein Spross dieser Familie. Vera ist ihre Tante. Die junge Mutter eines etwa dreijährigen Knirpses lebt in Hamburg-Ottensen und wird vom Lebensgefährten und Vater des Jungen für eine andere verlassen.  Sie „flieht“ ins Alte Land zur Tante und will als gelernte Tischlerin das alte Haus in Schuss bringen.

Dörte Hansen erzählt mit liebevoller, lockerer, frecher und teils sarkastischer Zunge vom störrisch-eigensinnigen Menschenschlag im Alten Land, von den alternativen Übermuttis in Hamburg-Ottensen, von fürsorglichen Handwerkern in Hamburg-Barmbek und Hamburger Aussteigern, die auf dem Land neu anfangen wollen, aber doch irgendwie nicht aus ihrer Haus können. Dies alles ist unheimlich amüsant zu lesen, besonders, wenn die Autorin überspitzte Klischees zu Tage bringt, die mich ein ums andere Mal haben zustimmend nicken und schmunzeln lassen.  Aber ich muss auch zugeben, dass es mir irgendwann ein bisschen viel geworden ist und ich mich dabei ertappt habe, es deshalb ansatzweise nervig zu finden…

Zum anderen aber – und das gefällt mir an diesem Roman am besten – kann Dörte Hansen wunderbar und einfühlsam, in sprachlich schönen und ausdrucksstarken Bildern von den Sorgen, Ängsten, Erinnerungen und anderen Gefühlen ihrer Charaktere berichten.  Sie werden alle sehr greifbar in ihrer jeweiligen Art, ich kann mich wunderbar in die Personen hineinversetzen, sie verstehen, mit ihnen fühlen… Aber auch sie zum Teufel jagen – oh ja, so jemanden gibt es durchaus auch ;) Und nicht nur die Charaktere beschreibt Hansen auf diese unbeschreibliche Art, auch das Alte Land selbst mit seinen Obstplantagen, Bauernhöfen, reetgedeckten Fachwerkhäusern, Deichen und Tieren wird so sehr lebendig vor meinem inneren Leserauge.

Was  mich beim Lesen aber manchmal etwas gestört hat, ist Hansens Tempo. Gerade habe ich noch schallend gelacht über die Schrulligkeiten  der Altländer  und schwupp – finde ich mich im Flüchtlingsstrom im Zweiten Weltkrieg wieder. Eben noch geschmunzelt über die Ottenser Muttis, zack – da baumelt jemand auf dem Dachboden. Da bleibt einem das Lachen regelmäßig im Halse stecken. Das zieht sich in ähnlicher Manier durch das ganze Buch. Ich persönlich hätte an der einen oder anderen Stelle gern noch etwas verweilen mögen.

Fazit: Ein spritziger, frecher, liebevoll & einfühlsam erzählter Generationenroman über Mütter und Töchter, über Vergangenheits- und Trauerbewältigung, ein Über-sich-Hinauswachsen und Zur-Ruhe-Kommen. Und noch so viel mehr. Manchmal etwas zu klischeehaft für meinen Geschmack und zu „schnell“ im Verlauf. Aber in jedem Fall berührend und bezaubernd und sehr unterhaltsam. Empfehlenswert!

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"Nicht gedeihen, nicht blühen, nur bleiben."
»Was liest Du?«-Rezension von katzenminze, am 09.03.2019

Im Alten Land, in der nähe von Stade, ist die Welt noch in Ordnung. Apfelbäume so weit das Auge reicht, jahrzehntealte reetgedeckte Fachwerkhäuser mit dicken Mauern und ein eigenwilliger Menschenschlag, der grob wirken kann auf Außenstehende aber unheimlich herzlich, wenn man ein Teil davon ist.

Hierher, auf Ida Eckhoffs Hof, kam Vera als Kind mit ihrer Mutter. Flüchtlinge aus Ostpreußen, wie so viele andere. Veras Mutter erträgt den Flüchtlingsstatus nicht und sucht schnell einen Ausweg. Vera hingegen kommt nicht weg von diesem Hof, der ihr gleichzeitig Sicherheit gibt und sie fesselt.

„Sie war auf Ida Eckhoffs Hof gespült worden wie ein Ertrinkender auf eine Insel. Um sie herum, war immer noch das Meer, und Vera hatte Angst vor diesem Wasser. Sie musste bleiben auf ihrer Insel, auf diesem Hof, wo sie zwar keine Wurzeln schlagen konnte, aber doch festwachsen an den Steinen, wie eine Flechte oder Moos. Nicht gedeihen, nicht blühen, nur bleiben.“

Was mich am meisten fasziniert hat an dieser Geschichte um Heimat, Familie, Mütter und Töchter war, wie Dörte Hansen es schafft eine Situation immer gleichzeitig traurig aber auch unheimlich herzerwärmend darzustellen. Es passiert etwas tragisches, aber irgendwo ist immer ein Mensch der sich um den anderen kümmert. Still und auf seine eigene Art aber es ist einfach schön zu lesen.

Dieses traurig-schöne mischt Hansen mit durchaus witzigen Passagen. Die Stellen in denen sie die Hamburger Mütter oder die der Idylle wegen aufs Land „geflüchteten“ Intellektuellen aufs Korn nimmt haben Spaß gemacht und die Geschichte aufgelockert. Allerdings war es mir Stellenweise zu klischeehaft – zumindest hoffe ich, dass nicht alle Hamburger Muttis so schrecklich sind, wie die hier beschriebenen.

"Altes Land" ist ein wundervoller Roman mit einer gelungenen Mischung aus tragischen und komischen Begebenheiten. Da es mir persönlich ja kaum zu melancholisch sein kann, wäre ich auch mit etwas weniger Humor und ohne das ein oder andere Klischee gut ausgekommen. Aber das hanseatische Personal und das ernste Grundthema machen „Altes Land“ zu einem durchaus lohnenswerten und sehr berührendem Buch.

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Zwei Frauen, ein altes Haus und eine Art von Familie Das "Polackenkind" ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen - und wo Annes Mann eine Andere liebt. Vera und Anne sind einander fremd und haben doch viel mehr gemeinsam, als sie ahnen. Mit scharfem Blick und trockenem Witz erzählt Dörte Hansen von zwei Einzelgängerinnen, die überraschend finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie.

Hansen, Dörte Dörte Hansen, geboren 1964 in Husum, arbeitete nach ihrem Studium der Linguistik als NDR-Redakteurin und Autorin für Hörfunk und Print. Ihr Debüt »Altes Land« wurde 2015 zum »Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels« gekürt und avancierte zum Jahresbestseller 2015 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Ihr zweiter Roman »Mittagsstunde« ist im Herbst 2018 erschienen und wird von Lesern und Kritik gefeiert. Dörte Hansen lebt mit ihrer Familie in Nordfriesland.