Altes Land (Buch)

Roman. Ausgezeichnet mit dem Usedomer Literaturpreis 2016 und als 'Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels' 2015

Buch
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Zwei Frauen, ein altes Haus und eine Art von Familie Das "Polackenkind" ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt... (weiter)

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Details
AutorIn Dörte Hansen
Seiten 288
EAN 9783813506471
Sprache deutsch
erschienen bei Knaus Albrecht
Erscheinungsdatum 16.02.2015
Stichwörter Altes Land
Geschichte
Romane/Erzählungen
Familienroman
Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.3 | 99 Meinungen

davon Rezensionen:
Ø 4.5 |  25 Rezensionen
davon Bewertungen:
Ø 4.3 |  74 Bewertungen

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Das Buch lebt!
»Was liest Du?«-Rezension von cybergirl, am 27.04.2019

In ihrem Roman „Altes Land“ erzählt Dörte Hansen von Flüchtlingen die 1945 Ostpreußen verlassen mussten.
Im Mittelpunkt steht Vera, damals gerade 5 Jahre alt.
Sie muss mit ihrer Mutter Hildegard von Kamcke aus Ostpreußen fliehen.
Unterschlupf finden sie bei Ida Eckhoff in der Knechtekammer.
Damit gibt sich Hildegard aber nicht zufrieden. Sie heiratet den Sohn und verdrängt Ida aus dem Haus.
Doch bald wird Vera von ihrer Mutter verlassen.
Die Mutter zieht mit neuem Mann und neuem Kind nach Hamburg.
Vera bleibt mit ihrem Stiefvater, der von Krieg psychisch krank ist und nachts schreit und weint zurück. Vera bleibt bei dem alten Mann bis zu seinem Tod, danach lebt sie alleine weiter in dem Haus.
Richtig angekommen ist sie aber nie.
Vera kommt mir mehr vor wie eine heimatlose. Zu Menschen hat sie auch nicht viel Kontakt, ich denke sie hat Angst sie könnte sie wieder verlieren.
Erst als ihre Nichte mit Kind aus Hamburg bei ihr Unterschlupf suchen lebt Vera etwas auf.

Dörte Hansen hat ihre Charaktere gut in Szene gesetzt, sie leben richtig.
Hildegard kommt sehr gefühlskalt daher aber ich denke sie hat die Flucht nie verwunden.
Vera hat sich in ihr Schicksal gefügt, hat aber nie eine Heimat gefunden.

„Altes Land“ ist aber kein trauriges Buch, ganz im Gegenteil, ich musste oft schmunzeln.
Sei es über die wortkargen Dorfbewohner oder die Städter die es aufs Land verschlagen hat.
Auch die eingestreuten plattdeutschen Sätze machen das Buch authentisch und lebendig.

„Altes Land“ bekommt von mir 4 Sterne, es ist nicht einfach ein Roman, für mich ist es ein literarisches Werk, dass Spaß macht zu lesen.

 

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Liebevoller, frecher & einfühlsamer Generationenroman!
»Was liest Du?«-Rezension von naibenak, am 13.03.2019

Die polnische Flüchtlingstochter Vera landet im Zweiten Weltkrieg mit ihrer Mutter im Alten Land und wird dort sesshaft. Mit ihrem Stiefvater und Kriegsveteran Karl lebt sie noch lange Zeit in einem großen, Altländischen Reetdachhaus inmitten von Kirschbaumplantagen. Später lebt sie dort allein.

Anne ist auch ein Spross dieser Familie. Vera ist ihre Tante. Die junge Mutter eines etwa dreijährigen Knirpses lebt in Hamburg-Ottensen und wird vom Lebensgefährten und Vater des Jungen für eine andere verlassen.  Sie „flieht“ ins Alte Land zur Tante und will als gelernte Tischlerin das alte Haus in Schuss bringen.

Dörte Hansen erzählt mit liebevoller, lockerer, frecher und teils sarkastischer Zunge vom störrisch-eigensinnigen Menschenschlag im Alten Land, von den alternativen Übermuttis in Hamburg-Ottensen, von fürsorglichen Handwerkern in Hamburg-Barmbek und Hamburger Aussteigern, die auf dem Land neu anfangen wollen, aber doch irgendwie nicht aus ihrer Haus können. Dies alles ist unheimlich amüsant zu lesen, besonders, wenn die Autorin überspitzte Klischees zu Tage bringt, die mich ein ums andere Mal haben zustimmend nicken und schmunzeln lassen.  Aber ich muss auch zugeben, dass es mir irgendwann ein bisschen viel geworden ist und ich mich dabei ertappt habe, es deshalb ansatzweise nervig zu finden…

Zum anderen aber – und das gefällt mir an diesem Roman am besten – kann Dörte Hansen wunderbar und einfühlsam, in sprachlich schönen und ausdrucksstarken Bildern von den Sorgen, Ängsten, Erinnerungen und anderen Gefühlen ihrer Charaktere berichten.  Sie werden alle sehr greifbar in ihrer jeweiligen Art, ich kann mich wunderbar in die Personen hineinversetzen, sie verstehen, mit ihnen fühlen… Aber auch sie zum Teufel jagen – oh ja, so jemanden gibt es durchaus auch ;) Und nicht nur die Charaktere beschreibt Hansen auf diese unbeschreibliche Art, auch das Alte Land selbst mit seinen Obstplantagen, Bauernhöfen, reetgedeckten Fachwerkhäusern, Deichen und Tieren wird so sehr lebendig vor meinem inneren Leserauge.

Was  mich beim Lesen aber manchmal etwas gestört hat, ist Hansens Tempo. Gerade habe ich noch schallend gelacht über die Schrulligkeiten  der Altländer  und schwupp – finde ich mich im Flüchtlingsstrom im Zweiten Weltkrieg wieder. Eben noch geschmunzelt über die Ottenser Muttis, zack – da baumelt jemand auf dem Dachboden. Da bleibt einem das Lachen regelmäßig im Halse stecken. Das zieht sich in ähnlicher Manier durch das ganze Buch. Ich persönlich hätte an der einen oder anderen Stelle gern noch etwas verweilen mögen.

Fazit: Ein spritziger, frecher, liebevoll & einfühlsam erzählter Generationenroman über Mütter und Töchter, über Vergangenheits- und Trauerbewältigung, ein Über-sich-Hinauswachsen und Zur-Ruhe-Kommen. Und noch so viel mehr. Manchmal etwas zu klischeehaft für meinen Geschmack und zu „schnell“ im Verlauf. Aber in jedem Fall berührend und bezaubernd und sehr unterhaltsam. Empfehlenswert!

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Zwei Frauen, ein altes Haus und eine Art von Familie Das "Polackenkind" ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen - und wo Annes Mann eine Andere liebt. Vera und Anne sind einander fremd und haben doch viel mehr gemeinsam, als sie ahnen. Mit scharfem Blick und trockenem Witz erzählt Dörte Hansen von zwei Einzelgängerinnen, die überraschend finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie.

Hansen, Dörte Dörte Hansen, geboren 1964 in Husum, arbeitete nach ihrem Studium der Linguistik als NDR-Redakteurin und Autorin für Hörfunk und Print. Ihr Debüt »Altes Land« wurde 2015 zum »Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels« gekürt und avancierte zum Jahresbestseller 2015 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Ihr zweiter Roman »Mittagsstunde« ist im Herbst 2018 erschienen und wird von Lesern und Kritik gefeiert. Dörte Hansen lebt mit ihrer Familie in Nordfriesland.