Altes Land (Taschenbuch)

Roman. Ausgezeichnet mit dem Usedomer Literaturpreis 2016 und als 'Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels' 2015

Taschenbuch
Für Bewertung bitte einloggen!

Das "Polackenkind" ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus... (weiter)

€ 10,00 *
Preis
inkl MwSt.

Auch erhältlich als:
eBook EPUB 9,99
  • sofort lieferbar
  • portofreie Lieferung innerh. Deutschland
  • Geschenkverpackung möglich

Details
AutorIn Dörte Hansen
Edition 8. Aufl.
Seiten 304
EAN 9783328100126
Sprache deutsch
erschienen bei Penguin Verlag München
Erscheinungsdatum 07.03.2017
Stichwörter Moderne und zeitgenössische Belletristik
Spiegel Bestseller
spiegel-bestseller
Geesthuysen
Der Geschmack von Apfelkernen
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.3 | 10 Meinungen

davon Rezensionen:
Ø 4.3 |  3 Rezensionen
davon Bewertungen:
Ø 4.3 |  7 Bewertungen

5 Sterne
( 2 )
4 Sterne
3 Sterne
( 1 )
2 Sterne
1 Stern

Nicht gedeihen, nicht blühen, nur bleiben.
»Was liest Du?«-Rezension von ulrike rabe, am 27.02.2019

Flüchtlinge waren Vera und ihre Mutter Hildegard, als sie vor mehr als 60 Jahren ins Alte Land kamen, Flüchtlinge aus Ostpreußen, geduldet am Hof von Ida Eckhoff. Richtig zugehörig hat sich Vera dort nie gefühlt. Doch eines Tages steht ihre Nichte Anne vor der Tür mit ihrem Sohn Leon, geflohen aus Hamburg-Ottensen, vor dem saturierten Leben in der Großstadt, vor einer gescheiterten Liebe.

Ich habe einmal gelesen, dass Österreicher*innen mit diesem Buch nicht so zu Recht kämen, weil uns der Zugang zu dem Landstrich, der Geschichte, dem Platt fehlt. Ich kann das so  nicht nachvollziehen. Auch bei uns gibt es auch alte Dörfer, alte Männer, vom Krieg versehrt, Vertriebene, mit dem Land Verwurzelte und von der Bourgeoisie Übersättigte, alte Schachteln, altes Land. Ich denke die Geschichte, die Dörte Hansen erzählt ist universell. Und sie erzählt bravurös. Die Autorin hat ein ungemeines Gespür. Für die Figuren, von denen sie berichtet. Bei allem Kummer, Ängsten, Verlusten geht sie sorgsam mit ihnen um. „Mein armes kleines Kind“, sagt der fünfjährige Leon, um seine alte Tante Vera zu trösten. Vera, die Verschrobene, von der Mutter verlassen, dem Stiefvater treu verbunden, die keine Wurzeln schlagen wollte und doch festgewachsen ist auf diesem Hof. „Nicht gedeihen, nicht blühen, nur bleiben.“ Und wie konnte sie nur darauf vergessen, ein Kind zu wollen.

Es sind starke Bilder, mit denen Dörte Hansen ihre Figuren zeichnet, stark und aussagekräftig. Die stolze Hildegard, immer den Rücken gerade, den Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist. Als Mutter hat sie versagt: „Treibeis, immer kalt, nie zu packen“. In der übernächsten Generation wird sich Anne manchmal ein anderes Leben wünschen. „Man durfte erschöpft sein…, gestresst und ungekämmt, auch ungeschminkt, das alles ging, nur mutterglücklos, das ging nicht.“ Anne, deren Kindheit darin bestand, zu bestehen, denn nur zu genügen, genügte nicht.

Dörte Hansen spannt einen wunder breiten Bogen, humorvoll, satirisch, melancholisch. Behutsam ist für Frau Hansen kein Schlagwort. Altes Land ist mir ein Herzensbuch geworden.

mehr zeigen ...

Nette Geschichte aus dem alten Land
»Was liest Du?«-Rezension von KerstinT, am 09.09.2018

Vera Eckhoff kam Ende des Zweiten Weltkriegs aus Ostpreußen als Flüchtling ins Alte Land. Mit ihrer Mutter fand sie eine Unterkunft und blieb. Noch heute mit über 70 wohnt sie in dem alten Reetdachhaus. Doch heimisch ist sie nie geworden. Eines Tages taucht dann ihre Nichte Anne mit ihrem kleinen Sohn bei ihr auf und sucht eine Herberge – wieder Flüchtlinge. Diesmal nicht vor dem Krieg, sondern vor Hamburg-Ottensen.

 

Die Geschichte wird abwechseln aus verschiedenen Zeitebenen erzählt. Zum einen geht es um Veras Ankunft im Alten Land. Dann erzählt sie immer weiter bis sie in der Gegenwart angekommen ist. Parallel dazu liest der Leser über Anne. Wie es ihr in Hamburg ergeht und was sie antreibt ins Alte Land zu kommen. Teilweise war der Wechsel, vor allem in der Zeit, etwas unübersichtlich. Da brauchte man dann ein paar Sätze lang um zu merken „wann“ man ist. Die Geschichte zeigt zum einen die Probleme, die ostpreußische Flüchtlinge Ende der 40er Jahre hatten. Und dass sie nie wirklich integriert wurden. Sie bleiben die Polacken. Zum anderen wird auch darauf eingegangen, wie es für das Flüchtlingskind war. Die anderen Kinder hatten eben noch nie Tote in Bäumen hängen gesehen. Und diese lassen die arme Vera auch nicht mehr los. Dem gegenüber steht Annes Flucht. Sie flieht vor den verrücken Müttern in Hamburg-Ottensen, aber im alten Land sind die (meisten) Mütter auch nicht besser.

Leider wurde ich mit der Geschichte nicht richtig warm. Veras Teil fand ich noch am Besten. Aber den Teil über Anne habe ich nicht verstanden. Sie trennt sich und will Abstand, den findet sie im alten Land. Aber was tut sie dort? Irgendwie blieb sie mir sehr fremd. Somit wurde sie mir auch nicht sympathisch. Aber auch Vera ist mir nicht richtig sympathisch geworden.

 

 

mehr zeigen ...

Alle Rezensionen ansehen

Das "Polackenkind" ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen - und wo Annes Mann eine andere liebt. Mit scharfem Blick und trockenem Witz erzählt Dörte Hansen von zwei Einzelgängerinnen, die überraschend finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie.

Hansen, Dörte Dörte Hansen, geboren 1964 in Husum, lernte in der Grundschule, dass es außer Plattdeutsch noch andere Sprachen auf der Welt gibt. Die Begeisterung darüber führte zum Studium etlicher Sprachen wie Gälisch, Finnisch oder Baskisch und hielt noch an bis zur Promotion in Linguistik. Danach arbeitete sie als Autorin für Hörfunk und Print, bis ihr Debütroman »Altes Land« 2015 erschien. Mit ihrer Familie lebt sie in der Nähe von Husum.