Stella, 4 Audio-CDs

Stella, 4 Audio-CDs (Audio-CD)

Ungekürzte Ausgabe, Lesung

Audio-CD
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Takis Würger erzählt mit Tempo und Wucht die Geschichte einer Liebe im Jahr 1942 Berlin im Jahr 1942. Eine Geschichte über Angst und Hoffnung - und über die Entscheidung, sich selbst zu verraten oder seine... (weiter)

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Details
AutorIn Takis Würger
Edition Ungekürzte Lesung
EAN 9783837142808
Sprache deutsch
erschienen bei Random House Audio
Erscheinungsdatum 07.01.2019
Stichwörter Zweiter Weltkrieg
Berlin
Nationalsozialismus
Judenverfolgung
Gestapo
Rezensionen
Autorenportrait
Gesamtmeinung:
Ø4.5 | 2 Meinungen

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Spannende Geschichte gelungen interpretiert
»Was liest Du?«-Rezension von EmmaZecka, am 13.06.2019

Inhalt 
Takis Würger vermischt in diesem Roman Fiktion und Realität. Er lässt den fiktiven Charakter Friedrich während des Zweiten Weltkriegs nach Berlin reisen. Dort lernt er Kristin kennen, die ihn in den Teil des Berliner Nachtlebens mitnimmt, der noch existiert. Doch eines Tages gesteht sie ihm, dass sie gar nicht Kristin heißt, sondern Stella ist und als Jüdin illegal in der Hauptstadt lebt. Und nun kommen wir zu der realen Handlung, die Takis Würger in seinen fiktiven Roman einflechtet: Er nimmt Stella Goldschlag und lässt sie Teil seiner fiktiven Geschichte werden.

Der Inhalt lässt mich mit einer geteilten Meinung zurück. Kurz nach Beenden von Stella war ich noch Feuer und Flamme für die Geschichte. Takis Würger setzt sich hier mit Fragen auseinander, die während des Krieges sehr präsent sind: Wie weit würde man gehen, um sein eigenes Leben oder das Leben seiner Familie zu schützen? Warum neigt ein Mensch dazu, andere zu verraten, nur um sich zu schützen?

Takis Würger zeigt hier die zwei Seiten der Stella: Zum einen Stella als Greiferin, also als Person, die andere Juden verrät und dafür sorgt, dass diese in Konzentrationslager kommen, wo die meisten von ihnen auch sterben.

Und zum anderen eine Stella, die Träume hat, sich nicht als Jüdin fühlt und darunter leidet, dass sie durch Dritte nur noch als Jüdin wahrgenommen wird. Eine Stella, die hofft, dass es nach dem Krieg endlich einen Platz für sie gibt, an dem sie leben und ihre Träume verwirklichen kann.

Ich hatte den Eindruck, dass es Takis Würger vor allem darum ging, zu zeigen, dass man nicht gleichzeitig von Grund auf böse sein muss, nur, weil man in einer Drucksituation eine falsche Entscheidung trifft und beschließt, andere Menschen zu verraten. Jeder Mensch hat zwei Seiten und meist einen guten Grund, warum er so handelt, wie er eben handelt.

Allerdings muss ich auch gestehen, dass es mir zunehmend schwer fiel zu unterscheiden, an welchen Stellen es noch um die Fragestellung ging und wo eine reale Person benutzt wird, um eine Geschichte zu erzählen.

Die Geschichte, die Takis Würger hier erzählt, finde ich wichtig: Nämlich das Doppelleben darzustellen, dass manche Juden während des Krieges führen mussten. Dennoch glaube ich, dass die Geschichte auch funktioniert hätte, wenn Takis Würger sich dafür ausschließlich auf fiktive Charaktere gestützt hätte.

In einem Interview erzählte der Autor, dass er zwei Jahre an seinem Roman gearbeitet hat und nicht nur viel Zeit mit der Recherche verbrachte, sondern sich auch von Historikern und Zeitzeugen beraten ließ. Das zeigt mir, dass er nicht einfach so eine Geschichte veröffentlichen wollte, sondern er durchaus an einer realistischen Darstellung interessiert ist.

Dennoch war für mich nicht erkennbar, wann er eine Stella schildert, die auf sehr guten Recherchen beruht und wann die im Hörbuch beschriebene Stella fiktive Züge bekommt.

Ich finde es schön, dass Takis Würger Stella nicht in eine Schublade steckt, sondern hervorhebt, dass jeder Mensch viele Seiten hat und man ihn nicht aufgrund einer falschen Entscheidung in eine Schublade stecken kann. Dennoch finde ich schwierig, die Geschichte auf eine reale Person zu stützen.

Takis Würger erzählt seinen Roman in zwei Handlungssträngen: Zum einen aus der Perspektive von Friedrich und zum anderen durch Protokolle von Prozessen, die gegen Stella nach dem Krieg geführt wurden. Außerdem wurden neben den Protokollen zu Beginn der neuen Kapitel Ereignisse genannt, die in diesem Jahr oder Monat bedeutend waren. Interessant war hier die Aufzählung von historischen Ereignissen zu scheinbar banalen Dingen, wie z.B. der Geburt von bekannten Persönlichkeiten, die für die Geschichte aber keine Bedeutung hatten.

Gerade dieser zweite Handlungsstrang verdeutlichte, das schräge Gedankengut, das während des Dritten Reiches vermittelt wurde. Besonders erschreckend fand ich, dass es sich ein Politiker herausgenommen hat, eigene zehn Gebote zu entwerfen und es offenbar noch Leute gab, die daran glaubten.

Natürlich gibt es neben Stella auch noch andere Charaktere, die wir hier kennenlernen. Da ist beispielsweise Ich-Erzähler Friedrich, aus dem ich sehr lange nicht wirklich schlau geworden bin. Friedrich machte auf mich einen passiven, unentschlossenen Eindruck, der mich manchmal einen tiefen Seufzer entlockte, weil ich sein Nicht-Handeln kaum ertrug.

Aber ich musste das Hörbuch erst zu Ende hören (und danach noch ein Interview mit Takis Würger lesen) um dahinterzukommen, dass es sich bei Friedrich auch um einen sehr naiven Charakter handelt. Das soll jetzt nicht heißen, dass dem Autor die Darstellung meiner Meinung nach nicht gelungen ist. Ich war nur sehr überrascht, dass ich eine gefühlte Ewigkeit gebraucht habe, um Friedrichs Naivität zu erkennen.

Obwohl Takis Würger Roman nach Stella benannt ist, ist Friedrich für mich der eigentliche Protagonist. Er erzählt nicht nur von seiner Beziehung zu Stella, sondern ist auch auf der Suche nach der Wahrheit: Was haben die Deutschen gegen die Juden? Und sind sie wirklich dazu fähig, Menschen systematisch zu töten?

Der dritte und mir unsympathischste Charakter war eindeutig Tristan, der, für damalige Verhältnisse, ein vorbildlicher Deutscher ist. Er glaubt nicht nur an die damalige Ideologie, sondern macht alles, nur um Anerkennung zu bekommen.

Sich bei der Gestaltung des Hörbuches dafür zu entscheiden, die Geschichte von zwei Interpreten lesen zu lassen, fand ich wirklich gut. Robert Stadlober schlüpft hier in die Rolle des Friedrich, der auf der Suche nach der Wahrheit und vielleicht auch nach sich selbst ist. Bisher habe ich den Sprecher in einer nüchternen, distanzierten Rolle erlebt und war überrascht, dass er hier eine unentschlossene, passive und auch verletzte Seite von sich zeigen konnte.

Valery Tscheplanova liest hier die Sachtexte und hat es geschafft, das Bedrückende aus diesen Texten herauszuarbeiten, aber dennoch das Stilmittel der Sachtexte nicht zu verlieren.

Auch in seiner Verpackung ist das Hörbuch sehr hochwertig. Ich mag es, wenn Hörbücher in Digifiles hergestellt werden. Das sind Hörbuch Verpackungen, die man zusammenklappen kann. Häufig sind diese aus Papier hergestellt. Allerdings kommt hier ein anderes Material zum Einsatz, dass das Hörbuch edel wirken lässt.

Ich war von Takis Würgers Schreibstil sehr beeindruckt. Er hat viele sprachliche Bilder in die Geschichte eingebaut und schafft es auch, das herauszuarbeiten, was er nicht benennt. Allerdings glaube ich auch, dass ich die Geschichte wirklich noch einmal hören müsste, um seinen Schreibstil in allen Einzelheiten begreifen und viele Andeutungen verstehen zu können.

Was mich besonders beeindruckt hat, war die real-fiktive Handlung auf der einen Seite und die trockenen, aber für die Geschichte wichtigen Protokolle oder Sachtexte auf der anderen Seite. Gerade durch dieses Stilmittel kam die bedrückende Atmosphäre deutlich bei mir an. Durch Kleinigkeiten, wie z.B. die Erwähnung von stattfindenden Sportveranstaltungen wurde deutlich, wie versucht wurde das normale Leben so gut es ging aufrechtzuerhalten.

Gesamteindruck
Einerseits finde ich die Geschichte, die Takis Würger hier erzählte, faszinierend aber auch wichtig, weil sie zeigt, vor welche Wahl Menschen in außergewöhnlichen Situationen gestellt werden können.
Andererseits störte mich, dass es eine reale Person gebraucht hat, damit die Geschichte so viel Aufmerksamkeit bekommt. Gerade durch die Stella-Debatte habe ich den Eindruck, dass die eigentliche Geschichte in den Hintergrund gerät.

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Takis Würger erzählt mit Tempo und Wucht die Geschichte einer Liebe im Jahr 1942 Berlin im Jahr 1942. Eine Geschichte über Angst und Hoffnung - und über die Entscheidung, sich selbst zu verraten oder seine Liebe. Eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht. Friedrich kommt aus gut behütetem Haus vom Genfer See nach Berlin, ein stiller Mann auf der Suche nach der Wahrheit. In einer Kunstschule trifft er Kristin. Sie nimmt Friedrich mit in ihre Nächte in geheimen Jazzclubs. Sie trinkt Kognak mit ihm und gibt ihm seinen ersten Kuss. Bei ihr kann er sich einbilden, der Krieg sei weit weg. Eines Morgens klopft Kristin an seine Tür, verletzt, mit Peitschenstriemen im Gesicht: "Ich habe dir nicht die Wahrheit gesagt." Kristin ist nicht ihr richtiger Name. Sie heißt Stella und ist Jüdin. Die Gestapo hat sie enttarnt und zwingt sie zu einem unmenschlichen Pakt: Wird sie, um ihre Familie zu retten, untergetauchte Juden denunzieren? Ihre Entscheidung stellt Friedrich vor eine unmögliche Wahl. Gelesen von Hörbuchpreisträgerin Valery Tscheplanowa und Schauspielstar Robert Stadlober. (4 CDs, Laufzeit: ca. 5h)

Würger, Takis Takis Würger, geboren 1985, berichtet als Journalist für das Nachrichtenmagazin Der Spiegel u. a. aus Afghanistan, Libyen und dem Irak. Mit seinen Reportagen gewann er zahlreiche Preise, darunter den Deutschen Reporterpreis und den CNN Journalist Award. Mit 28 Jahren ging er nach England, um an der Universität von Cambridge Ideengeschichte zu studieren. 2017 erschien sein Debütroman Der Club, der für den aspekte-Literaturpreis nominiert war und mit dem Debütpreis der lit.Cologne ausgezeichnet wurde. Stadlober, Robert Robert Stadlober, geboren 1982, ist einer der gefragtesten jungen deutschsprachigen Schauspieler. Er spielte zum Beispiel in "Sonnenallee", "Crazy", "Krabat" und "Jud Süß - Film ohne Gewissen". Als Hörbuchsprecher liest er u.a. "Die Reifeprüfung" von Charles Webb. Tscheplanowa, Valery Valery Tscheplanowa (Weronika Walerjewna Tscheplanowa), geboren 1980 in Kasan (Sowjetunion), kam als Kind nach Deutschland und wuchs in Kiel und Lübeck auf. Nachdem sie zunächst Tanz an der Palucca Schule Dresden studierte und drei Semester Puppenspiel an der Hochschule Ernst Busch in Berlin, absolvierte sie dort eine Schauspielausbildung. Von 2006 bis 2009 war sie festes Ensemblemitglied des Deutschen Theaters Berlin, ab der Spielzeit 2009/10 bis 2013 auch am Schauspiel Frankfurt. Im Mai 2013 gab sie in München ihr Debüt am Residenztheater ("Zement", inszeniert von Dimiter Gotscheff). Sie spielte in "Whisky mit Wodka" und "Im Angesicht des Verbrechens" (beide 2009), in "Über uns das All" (2011) und "Der Turm" (2012). Außerdem tritt sie als Sängerin auf und wirkt in Hörspielproduktionen wie z. B. "Das Phantom des Alexander Wolf" von Gaito Gasdanow mit.