Familiengeschichte der Mayerschen Buchhandlung

"Man braucht nicht in der Vergangenheit zu leben, aber wir sind stolz auf die Geschichte und die Wurzeln unserer Buchhandlung." (Helmut Falter)



Isaak Abraham Mayer und seine Frau Fanny (geb. Feust), Tochter eines Rabbiners, kamen 1816 aus Burgkunstadt nach Aachen. Hier gründeten sie am 16. September 1817 die Mayersche Buchhandlung. Isaak Abraham Mayer ließ sich in Aachen zum evangelischen Glauben taufen und nannte sich fortan Jacob Anton Mayer. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor.

Die Familie war durch vielfältige Verbindungen zu den Kulturschaffenden ihrer Zeit stark vernetzt und im Laufe der Jahre hoch geachtet. Schon 1822 gründete Jacob Anton Mayer die "Stadt Aachener Zeitung" und verlegte eine ganze Anzahl wichtiger Zeitschriften, so die "Rheinischen Provinzial-Blätter" und die von Louis Lax redigierten Westlichen Blätter für Unterhaltung, Kunst, Literatur und Leben.

1837 verlegte J.A. Mayer Molières Werke erstmals in Deutschland.
1847 gründete er zusammen mit Emil Flatau eine Filiale der Buchhandlung in Brüssel.

Die zwei Töchter von Jacob Anton und Fanny Mayer heirateten in bekannte industrielle Familien-Dynastien des Rheinlandes ein. Die Söhne Eduard Heinrich und Carl Ludwig Maximilian blieben im Buchhandel und wurden später in Köln und Leipzig sesshaft. Der Sohn Carl Maximilian übernahm die Mayersche Buchhandlung von seinem Vater und wurde später auch Königlich Preußischer Hof-Buchhändler.
Ein Sohn, Georg Friedrich Wilhelm, war als Mediziner Mitgründer des Luisenhospitals in Aachen. Ein Enkel, Otto Eugen Mayer, forschte in Aachen als Archäologe und war leitend im Suermondt-Museum tätig, ehe er wegen seiner jüdischen Wurzeln nach Belgien immigrierte.
J.A. Mayer starb 1857 im Alter von 75 Jahren. Seine Frau Fanny leitete bis zu ihrem Tod 1864 zusammen mit Carl Maximilian die Buchhandlung.

In den folgenden fast 100 Jahren wurde die Buchhandlung, wie damals üblich, von den ersten Sortimentern des Unternehmens, insgesamt sieben nicht mit Mayer verwandten Eigentümern geleitet:

Gustav Schwiening: 1889 - 1915
Max Berger: 1867 - 1927
Luise Berger: 1927 - 1932
Paul Gölitzer: 1890 - 1934
Emma Eickmann: 1932 - 1949 

Michael Falter absolvierte 1921 unter Max Berger eine Lehre zum Buchhändler. Damals gehörten zur Mayerschen Buchhandlung auch fünf Filialen in Bahnhöfen. Agnes Kempen, die spätere Ehefrau von Michael Falter, arbeitete seit 1926 in der Mayerschen Buchhandlung. Das Ehepaar Falter machte sich 1935 mit einem Presse-Unternehmen und einer Anzeigen-Agentur selbstständig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg baten ehemalige Mitarbeiterinnen das Ehepaar Falter um Unterstützung beim Wiederaufbau der Mayerschen-Buchhandlung. Daraus entwickelte sich 1947 eine Partnerschaft zwischen Michael Falter und Emma Eickmann, 1949 führte deren Sohn Dieter Eickmann die Partnerschaft mit Falter fort. Nach nur einem Jahr schied Dieter Eickmann 1950 wieder aus der Buchhandlung aus, um eine höhere Beamten-Laufbahn zu beginnen.

Michael Falter entwickelte das Unternehmen danach alleine kontinuierlich weiter und siedelte 1956 in einen Neubau in der Buchkremerstraße. Das war der fünfte Standort in einem Umkreis von etwa 150 Metern vom Aachener Dom entfernt.
1959 filialisierte die Mayersche mit der Lira S.A. - einer Import-Gesellschaft für Literatur nach Brüssel und Eupen, um problemlos DDR-Literatur für die RWTH Aachen liefern zu können.

1967 wurde das 150-jährige Jubiläum der Mayerschen Buchhandlung mit einer Festschrift und einem großen Festakt mit über 1.000 Festgästen aus Stadt, Wissenschaft und Kultur im Neuen Kurhaus gefeiert. Festredner war Professor Emil Dofifat, Ehrengast war der Enkel des Gründers, Dr. Otto Eugen Mayer, der trotz seines früheren Gelübdes, nie wieder deutschen Boden zu betreten, durch die freundschaftliche Verbindung zur Familie Falter dem Festakt beiwohnte.

Der älteste Sohn von Michael Falter, Helmut Falter, wurde 1951 schon Teilhaber der Buchhandlung und leitete das Unternehmen seit 1959.
Mehr als 150 Veröffentlichungen zur Heimatgeschichte und aus dem Bereich der RWTH Aachen wurden in den Folgejahren herausgegeben.
1982 filialisierte er nach Köln. 1998 folgten Bochum und Dortmund, 2003 Essen und 2008 Düsseldorf.

Die Mayersche hatte sich zu einem führenden wissenschaftlichen Buchhandels - Unternehmen entwickelt. Zeitweise wurde eine Einkaufs-Außenstelle in New York angegliedert. Als die Mayersche größter Kunde des Wissenschafts-Verlages Springer Berlin, Heidelberg, New York wurde, kam es zwischen den beiden Unternehmen zu einer Fusion: ML & S. Das Unternehmen mit Niederlassungen in Hamburg, Stuttgart und Frankfurt wurde nach drei Jahren von Springer alleine weitergeführt.

2014 zählen 44 Buchhandlungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zum inzwischen größten familiengeführten Buchhandels-Unternehmen im Westen Deutschlands. Nach wie vor betreut eine große Fachbuch-Abteilung Bibliotheken in aller Welt.
Noch heute wird die Mayersche Buchhandlung als Familienbetrieb geführt.